Hormus-Krise: Warum bleibt das Öl-Nadelöhr blockiert?
New York, 15. März 2026 – Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus durch den Iran-Krieg stellt die Weltwirtschaft vor immense Herausforderungen. Öl- und Benzinpreise sind bereits dramatisch gestiegen, während zahlreiche Tanker im Golf und nahe des strategischen Nadelöhrs nach Attacken in Flammen stehen. Seit dem Angriff von amerikanischen und israelischen Streitkräften auf den Nahoststaat haben nur wenige Frachtschiffe die gefährliche Passage geschafft – fast ausschließlich unter chinesischer Flagge. Durch diese lebenswichtige Meerenge wird etwa ein Fünftel des globalen Ölbedarfs transportiert, was die Dringlichkeit einer Lösung unterstreicht.
Militäreskorten mit Luftdeckung als einzige Lösung
Laut führenden Experten ist die Herausforderung, die Straße von Hormus wieder freizubekommen, eine enorme militärische Kraftanstrengung. Jonathan Schroden, Forschungsdirektor beim Thinktank CNA in Arlington, spricht von einem „Krieg innerhalb des Kriegs“, um die Sicherheit der Schifffahrt zu gewährleisten. „Kriegsschiffe könnten die Tanker theoretisch eskortieren und sie gegen Drohnen, Raketen und Schnellboote schützen“, erklärt er. Allerdings seien dafür schwere Einheiten wie Zerstörer oder Fregatten sowie umfassende Luftdeckung durch Kampfjets und moderne Abwehrsysteme unerlässlich.
Das Volumen der zu schützenden Schiffe ist gewaltig: Normalerweise passieren täglich rund 130 Schiffe das Nadelöhr. Schroden verweist darauf, dass Nato-Partner hier unterstützen könnten, betont aber auch die politischen Hürden. Die USA seien ohne breite Abstimmung mit ihren Verbündeten in diesen Konflikt gezogen. Erste Durchfahrten mit Militäreskorte könnten Ende des Monats möglich sein, doch mit nur wenigen Schiffen pro Tag wäre dies eher ein symbolischer Akt.
Minen als Worst-Case-Szenario bedrohen die Schifffahrt
Das eigentliche Horrorszenario wäre jedoch, wenn der Iran bereits Seeminen verlegt hätte. In diesem Fall entstünde eine „komplette vertikale Bedrohung“ für die Schifffahrt, warnt der Marine-Corps-Veteran: „Die Gefahr lauert dann unter Wasser, an der Oberfläche und in der Luft!“ Den USA fehlt es hier an der notwendigen Ausrüstung: Nur drei Minenräumboote stehen in Reserve bereit. Selbst nach dem Ende des Iran-Irak-Kriegs 1988 dauerte die Minenräumung unter friedlichen Bedingungen mehrere Monate. „Minenräumen unter Beschuss in der Straße von Hormus wäre vermutlich das schwierigste maritime Problem der modernen Zeit“, so der Stratege.
Trump fordert internationale Hilfe zur Sicherung
Präsident Donald Trump hat am Samstag militärische Hilfe anderer Staaten zur gemeinsamen Sicherung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus in Aussicht gestellt – ohne jedoch konkrete Zusagen zu nennen. „Viele Länder – insbesondere diejenigen, die von Irans versuchter Blockade der Straße von Hormus betroffen sind – werden gemeinsam mit den Vereinigten Staaten Kriegsschiffe entsenden, um sie offen und sicher zu halten“, schrieb er auf der Plattform Truth Social. Es bleibt unklar, welche Länder Trump genau meint und ob sich bereits Nationen bereit erklärt haben, Kriegsschiffe zu schicken. In seinem Beitrag erwähnte er hoffnungsvoll China, Frankreich, Japan, Südkorea, Großbritannien und andere von der Blockade betroffene Staaten.
Schroden, der bereits 2011 ein Strategiepapier über das Horror-Szenario einer Blockade verfasste, kritisiert die mangelnde Vorbereitung der US-Regierung. Dieser Krieg habe ungewöhnlich schnell begonnen, ohne den üblichen langen politischen Vorlauf, der Zeit für militärische Planung lässt. „Man wollte wohl eine Abkürzung zum Krieg nehmen“, spitzt er es zu. Jetzt steckt die Welt in einem tiefen Öl-Dilemma, das nur durch koordinierte internationale Anstrengungen gelöst werden kann.



