Berlin – Eine Zeit lang schien es im Iran-Krieg, als hätten die Mullahs die Oberhand und ein Einlenken von US-Präsident Donald Trump sei nur eine Frage der Zeit. Doch nun deuten brisante Berichte aus dem Iran darauf hin, dass das Regime stärker unter Druck gerät als gedacht – und sogar erste Risse zeigt.
Überraschungsangriff und Waffenruhe
Vor zwei Monaten attackierten die USA und Israel das iranische Regime mit einem Überraschungsangriff. Am ersten Tag schalteten sie den „Obersten Führer“ Ali Chamenei und dutzende seiner wichtigsten Berater aus. Trotz großer militärischer Erfolge überlebte das Regime den Krieg und einigte sich am 8. April mit den USA auf eine Waffenruhe. Viele westliche Experten erklärten das iranische Regime zum Sieger des Krieges und sahen Donald Trumps Strategie als gescheitert an.
Seeblockade als Gamechanger
Wendet sich jetzt das Blatt? Im Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer erklärt Nahost-Experte Peter Neumann (King’s College London), dass die amerikanische Seeblockade gegen den Iran sich als „Gamechanger“ erweisen könne. Die USA reagierten vor zwei Wochen auf die Schließung der Straße von Hormus durch den Iran, indem sie begannen, auch iranische Schiffe an der Ausfahrt zu hindern. Dies habe „dazu geführt, dass diese Blockade nicht nur die Gegner des Irans schmerzt, sondern auch das iranische Regime selbst – weil die eigenen Ölexporte nicht mehr durchkommen“.
Neumann: „Das war bei all den Fehlern, die Trump gemacht hat, eine ziemlich clevere Entscheidung. Denn dadurch hat er eine Situation geschaffen, in der jetzt die Uhr nicht nur für den Westen tickt, sondern auch für den Iran.“
Iranische Ölindustrie in der Krise
Der Experte stützt seine Analyse auf Berichte amerikanischer und britischer Medien über den Zustand der iranischen Ölindustrie. So berichtet die US-Zeitung Wall Street Journal, dass der Iran „fieberhaft“ nach Wegen suche, sein Öl zu lagern, das er derzeit nicht exportieren kann. Das Regime tue alles, um „eine lähmende Produktionsstilllegung zu vermeiden“, die ihrer Ölindustrie – der wichtigsten Einnahme der islamistischen Machthaber – langfristig massiven Schaden zufügen könnte.
Risse im Regime
Die britische „Financial Times“ berichtet über Risse im Regime. Demnach seien seit Beginn der Waffenruhe „langjährige Spannungen zwischen rivalisierenden Lagern innerhalb der politischen Elite Irans erneut offen ausgebrochen“. Die radikalsten Islamisten wollen jegliche Verhandlungen mit der verhassten US-Regierung sofort stoppen, bislang jedoch ohne Erfolg. Die Iran-Berichterstatterin der „New York Times“, Farnaz Fassihi, berichtet gar, dass die iranischen Generäle „ein echtes Interesse daran haben, ein Abkommen mit den Vereinigten Staaten zu schließen, weil sie dies als Frage des Überlebens betrachten“.
Nervenkrieg zwischen Washington und Teheran
Neumann erklärt im RONZHEIMER-Podcast den Nervenkrieg zwischen Washington und Teheran: „Es ticken jetzt auf beiden Seiten die Uhren.“ Die Seeblockade habe die Verhandlungssituation „total verändert“ und nun laute die Frage: „Wie lange kann der Iran das noch durchhalten?“ Der Experte geht davon aus, dass Irans Regime irgendwann „an diesen Knackpunkt kommen“ werde, aber „wahrscheinlich nicht so schnell, wie viele Optimisten glauben“. Der Blockade-Konflikt könne sogar noch drei oder vier Monate dauern. Und dann stelle sich die Frage: „Halten wir das noch drei oder vier Monate durch oder knickt der Iran zuerst ein?“



