Iran senkt Mindestalter für Sicherheitspatrouillen auf zwölf Jahre
Die iranischen Behörden haben das Mindestalter für freiwillige Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Teheran drastisch gesenkt – auf zwölf Jahre. Das gab Rahim Nadali, ein Vertreter der Revolutionsgarden, am Donnerstag in einer Fernsehansprache bekannt. Hintergrund dieser umstrittenen Maßnahme ist der seit einem Monat andauernde Iran-Krieg, der das Land in eine tiefe Krise gestürzt hat.
Kontrollposten gegen Proteste und Jugendliche als Freiwillige
Es gebe „eine sehr große Anzahl an Freiwilligen“ unter der Jugend, die zur „Widerstandsfront gegen den großen Tyrannen beitragen“ wollten, sagte Nadali. Mit dem „großen Tyrannen“ meint die iranische Führung die USA. Die Minderjährigen sollen sicherheitsrelevante Informationen sammeln und auf Patrouille gehen, um mögliche Proteste gegen die Islamische Republik zu unterbinden.
Die Maßnahme hängt mit dem verstärkten Sicherheitsaufgebot in Teheran zusammen. Seit Kriegsbeginn haben die Behörden dort zahlreiche Kontrollposten eingerichtet, die vor allem von den sogenannten Bassidsch-Milizen durchgeführt werden. Diese brutale paramilitärische Freiwilligentruppe hat landesweit schätzungsweise rund 600.000 Mitglieder und war bereits in der Vergangenheit für gewaltsame Niederschlagungen von Protesten verantwortlich.
Historischer Kontext: Proteste und gewaltsame Unterdrückung
Ende 2025 und Anfang 2026 gab es landesweite Proteste gegen das Regime, ausgelöst durch Inflation, Wirtschaftskrise und politische Repression. Diese wurden mit großer Gewalt niedergeschlagen – auch von Bassidsch-Milizen. Berichte sprechen von zehntausenden Toten sowie massiven Verhaftungen und Internet-Blackouts, die die Bevölkerung isolierten und einschüchterten.
Iran stark destabilisiert durch Angriffe und innere Unruhen
Seit Ende Februar greifen Israel und die USA gezielt iranische Militär- und Regimeanlagen an, während der Iran mit Raketen und Drohnen zurückschlägt. Dabei greift Teheran nicht nur Israel an, sondern auch US-Stützpunkte im Nahen Osten sowie etliche Golf-Staaten, was die regionale Spannung weiter erhöht.
Innenpolitisch haben die Angriffe der USA und Israels das Land stark destabilisiert. Nach der Tötung des langjährigen Ober-Mullahs Ali Chamenei kam es zu einem Machtwechsel hin zu seinem Sohn Mojtaba Chamenei. Der neue Ober-Mullah wurde jedoch seit Beginn der Angriffe auf den Iran weder gesehen noch gehört, was Spekulationen über interne Machtkämpfe nährt.
Wirtschaftliche Auswirkungen und globale Folgen
Sanktionen, Krieg und strukturelle Probleme treiben Inflation und Armut derweil weiter an, während die Versorgung im Land und die Währung stark unter Druck stehen. Gleichzeitig wirkt sich der Konflikt international aus: steigende Energiepreise, gestörte Lieferketten und Unsicherheit auf den Märkten zeigen, wie stark der Iran-Konflikt globale Folgen hat.
Im Fokus steht auch die Straße von Hormus, eine zentrale Ölroute, die vom Iran größtenteils blockiert wird – nur wenige Tanker wurden seit Beginn des Krieges durchgelassen. Dabei handelt es sich vor allem um Schiffe von mit dem Iran verbündeten Ländern, was die wirtschaftliche Isolation des Landes unterstreicht.
Die Entscheidung, Kinder ab zwölf Jahren in Sicherheitspatrouillen einzusetzen, unterstreicht die verzweifelte Lage des Regimes, das auf jede verfügbare Ressource zurückgreift, um seine Kontrolle aufrechtzuerhalten. Kritiker warnen vor den langfristigen psychologischen und sozialen Auswirkungen auf die betroffenen Jugendlichen, die in einen Konflikt hineingezogen werden, der weit über ihre Jahre hinausgeht.



