Gedenkfeiern in Iran: Regimekritische Sprechchöre trotz brutaler Niederschlagung der Proteste
In Iran sind bei landesweiten Gedenkfeiern für die Todesopfer der niedergeschlagenen Proteste erneut regimekritische Sprechchöre zu hören gewesen. Die iranischen Behörden hatten die Proteste zuvor brutal niederschlagen lassen, doch die Menschen demonstrieren weiterhin ihren Unmut.
Parolen gegen die Führung in Abadan und Maschhad
In der westiranischen Stadt Abadan hielt eine Menschenmenge Blumen und Fotos hoch, während sie laut der Nachrichtenagentur AFP in Online-Netzwerken sichtbare Videos Parolen wie "Tod für Chamenei" und "Lang lebe der Schah" rief. Ayatollah Ali Chamenei ist das geistliche Oberhaupt des Iran, während der Schah 1979 durch die Islamische Revolution gestürzt wurde. Bereits am Vortag hatte es ähnliche regierungskritische Sprechchöre in verschiedenen Teilen des Landes gegeben.
Ein weiteres Video aus Abadan zeigt, wie Menschen panisch davonlaufen, während Schüsse zu hören sind. Ob mit scharfer Munition geschossen wurde, bleibt zunächst unklar. In der nordöstlichen Stadt Maschhad skandierte eine Menschenmenge: "Ein Mensch wurde getötet, Tausende stehen hinter ihm". Auch in anderen Regionen fanden Gedenkversammlungen statt, die von Solidaritätsbekundungen geprägt waren.
Hintergrund der Proteste und internationale Reaktionen
Die regierungskritischen Proteste in Iran hatten am 8. und 9. Januar ihren Höhepunkt erreicht und wurden von den iranischen Behörden gewaltsam unterdrückt. Die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation Hrana bestätigte inzwischen mindestens 7010 Todesopfer, die meisten davon Demonstranten. Mehr als 53.845 Menschen wurden festgenommen, was die Brutalität der Niederschlagung unterstreicht.
Am Wochenende gingen in mehreren Städten weltweit Tausende Menschen auf die Straße, um gegen die Führung in Teheran zu demonstrieren. In München nahmen an einer Demonstration am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz nach Polizeiangaben rund 250.000 Menschen teil. Bei der Kundgebung trat der Sohn des letzten Schahs, Reza Pahlavi, auf und bekundete seinen Willen, den "Übergang zu einer säkularen, demokratischen Zukunft" Irans anzuführen.
Die anhaltenden Gedenkfeiern und Proteste zeigen, dass die Unruhen im Land trotz der gewaltsamen Unterdrückung durch das Regime nicht abklingen. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen mit Sorge, während die iranische Bevölkerung weiterhin für ihre Rechte und Freiheiten kämpft.



