Podcast-Interview enthüllt: Iraner fürchten Mullahs mehr als Luftangriffe
Während in Deutschland die Debatte über die völkerrechtliche Einordnung des Iran-Krieges tobt, offenbart ein aktuelles Podcast-Interview die ganz andere Realität der Menschen in Teheran. Im RONZHEIMER-Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer schildert Moderator Michel Abdollahi (44) eindringliche Berichte aus seinem Kontaktnetzwerk im Iran.
„Die dürfen nicht aufhören, bis die weg sind“
Abdollahi zitiert direkte Aussagen seiner Kontakte: „Die dürfen nicht aufhören, bis die weg sind“ – gemeint sind die israelisch-amerikanischen Luftangriffe auf Ziele des iranischen Regimes. Die Begründung der Iraner sei erschütternd: „Wenn sie aufhören, schalten die Mullahs das Internet wieder aus – und dann werden sie richtig säubern.“
Laut Abdollahi habe sich nach der brutalen Niederschlagung der Proteste im Januar etwas Grundlegendes verändert. Viele Iraner hätten ihre Angst verloren und dächten nur noch: „Was soll denn noch Schlimmeres passieren?“ Es gehe ihnen um das große Ganze, und sie seien bereit, dafür Opfer zu bringen. Nach rund fünf Jahrzehnten erfolgloser Diplomatie und Sanktionen herrsche das Gefühl vor, dass „alles versucht“ worden sei.
Regimewechsel ungewiss – Revolutionen entstehen im Kopf
Doch Abdollahi warnt auch vor falscher Gewissheit. Der Iran befinde sich aktuell an einem entscheidenden Wendepunkt, aber „niemand kann eine seriöse Antwort geben auf die Frage: Was passiert morgen in diesem Land?“ Ob es neue Protestimpulse geben werde, bleibe offen.
Der Moderator betont: „Revolutionen entstehen nicht am Reißbrett, sondern im Kopf.“ Entscheidend sei der Moment, in dem Menschen ihre Angst überwinden und sich anschließen. „Irgendwann empfindest du, dass du keine Angst mehr hast, und sagst: Ich schließe mich diesen Leuten jetzt an.“ Dann könne aus 10.000 plötzlich 100.000 werden – und schließlich Millionen.
Solche Momente habe es im Iran bereits mehrfach gegeben, doch jedes Mal schlug das Regime brutal zurück. In diesem Kontext rückt für Abdollahi Reza Pahlavi (64), Sohn des letzten Schahs, in den Fokus. Er bezeichnet Pahlavi als die „einzige Opposition“ und unterstützt ihn deshalb. Allerdings macht Abdollahi klar: „Revolutionen sind nicht zu planen.“ Entscheidend sei, ob ein Aufruf – etwa von Pahlavi oder einer vereinigten Opposition – im richtigen Moment komme und den Funken wirklich überspringen lasse.
Das Interview zeigt eine Bevölkerung, die zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankt, aber bereit ist, für einen Wandel zu kämpfen – ungeachtet der Gefahren durch Luftangriffe oder Regime-Gewalt.



