Israel und Libanon: Waffenruhe nach sechswöchigem Konflikt - Wird der Frieden halten?
Israel-Libanon: Waffenruhe nach sechswöchigem Krieg

Waffenruhe zwischen Israel und Libanon nach intensivem Konflikt

Nach mehr als sechs Wochen heftiger Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon ist in der Nacht zum Freitag eine Waffenruhe in Kraft getreten. Der Konflikt forderte im Libanon mehr als 2.000 Todesopfer und vertrieb rund 1,2 Millionen Menschen aus ihren Heimatregionen. Die Zerstörungen in dem Land sind massiv, besonders im Südlibanon, in der Bekaa-Ebene und in den südlichen Vororten Beiruts.

Historische Vereinbarung unter US-Vermittlung

Bemerkenswert ist, dass es erstmals seit Jahrzehnten zu hochrangigen Kontakten zwischen offiziellen Vertretern Israels und des Libanon kam. Die Verhandlungen wurden von den Vereinigten Staaten vermittelt und führten zu einer schriftlichen Abmachung, die vom US-Außenministerium veröffentlicht wurde. Konkret sieht die Vereinbarung eine zunächst zehn Tage dauernde Waffenruhe vor, die bei Fortschritten in weiteren Gesprächen verlängert werden kann.

Die libanesische Regierung verpflichtet sich darin, mit internationaler Unterstützung die Hisbollah an Angriffen auf Israel zu hindern. Israel soll gleichzeitig offensive Militäreinsätze gegen Ziele im Libanon unterlassen, behält sich jedoch das Recht auf Selbstverteidigung gegen unmittelbare Bedrohungen vor. Besonders betont wird in dem Dokument, dass allein die libanesischen Sicherheitskräfte für die Souveränität und Verteidigung ihres Landes verantwortlich sind.

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Fragile Stabilität und politische Hintergründe

Bereits wenige Stunden nach Inkrafttreten der Waffenruhe warf die libanesische Armee Israel vor, mehrere Dörfer im Süden des Landes beschossen zu haben. Diese frühen Vorwürfe erinnern an ähnliche Vereinbarungen aus dem Jahr 2024, bei denen sich beide Seiten ständig gegenseitig Verstöße vorwarfen. Die Hisbollah erklärte am ersten Tag der Waffenruhe, ihre Kämpfer würden "ihre Hände am Abzug" behalten, blieb jedoch wachsam gegenüber möglichen Verratsaktionen des "Feindes".

Analysten wie Michael Young vom Carnegie Middle East Center sehen den Erfolg der Waffenruhe maßgeblich mit den parallelen Verhandlungen zwischen dem Iran, den USA und Israel verknüpft. "Sollte es zu einem Zusammenbruch der iranisch-amerikanischen Gespräche kommen, gäbe es für die Hisbollah sicherlich einen Anreiz, weiterzumachen", sagte Young der Deutschen Presse-Agentur. Die Hisbollah agiere nach iranischer Agenda und sei trotz militärischer Schwächung durch die langen Konflikte der vergangenen Jahre weiterhin ein bedeutender Akteur.

Politisches Kalkül und regionale Dynamiken

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte eine Feuerpause im Libanon noch vor wenigen Tagen abgelehnt, lenkte dann aber nach Angaben israelischer Beobachter auf Druck aus Washington ein. Die USA als wichtigster Verbündeter Israels benötigen die Waffenruhe für ihre Verhandlungen mit dem Iran. Der Iran hatte sogar gedroht, eine Anfang April vereinbarte Waffenruhe mit den USA platzen zu lassen, falls die israelischen Angriffe auf die Hisbollah fortgesetzt würden.

Ein Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden wertete die Vereinbarung zwischen Israel und dem Libanon laut der Nachrichtenagentur Fars bereits als Erfolg für Teheran. Einigen Experten zufolge hofft Netanjahu auch auf die Unterstützung von US-Präsident Donald Trump für den anstehenden Wahlkampf in Israel, wo spätestens im Oktober ein neues Parlament gewählt werden muss.

Unsicherheit in der Bevölkerung und Zukunftsperspektiven

Trotz der offiziellen Warnung des israelischen Militärs, sich nicht südlich des Litani-Flusses aufzuhalten, machten sich bereits am ersten Morgen der Waffenruhe Tausende vertriebene Libanesen auf den Weg in ihre Heimatorte. Viele zeigen sich jedoch skeptisch und wollen vorerst nicht zurückkehren, da sie der Feuerpause nicht trauen. Die großflächigen Zerstörungen in ihren Heimatregionen stellen zusätzlich eine immense Herausforderung dar.

Auch in Israel ist die Stimmung angespannt. Vertreter nordisraelischer Orte äußerten nach Verkündung der Waffenruhe, die Bewohner des Nordens fühlten sich "verraten". Laut aktuellen Angaben der israelischen Armee feuerte die Hisbollah in den vergangenen Wochen mehr als 8.000 Raketen, Mörsergranaten und Drohnen auf Israel ab, wobei es auch auf israelischer Seite zu Verletzten und Todesfällen kam.

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Die Frage nach einem dauerhaften Friedensabkommen bleibt komplex. Analyst Young betont: "Vieles hängt nun vom Erfolg des Hisbollah-Entwaffnungsprozesses in dem Land ab. Wir müssen abwarten, wie die Armee vorgeht, ob sie überhaupt dazu in der Lage ist." Die libanesische Armee wurde mit dieser Aufgabe beauftragt, doch viele Details sind noch unklar. Sollte Israel den Libanon nicht in der Lage sehen, die Hisbollah effektiv zu entwaffnen, könnte der Krieg nach Ansicht von Experten fortgesetzt werden.