Israelische Reservisten im Dauereinsatz: Krieg als ständiger Begleiter des Lebens
Israelische Reservisten: Krieg als ständiger Begleiter

Israelische Soldaten im Dauereinsatz: Wenn der Krieg zum Lebensrhythmus wird

In Tel Aviv sprach BILD mit israelischen Soldaten, für die Krieg und Tod zu einem ständigen Teil ihres Alltags geworden sind. Die jungen Männer bereiten sich auf ihre nächsten Einsätze vor – einer im Gaza-Streifen, der andere im Libanon.

Der erschöpfte Landwirt: Siebter Einsatz seit Armeezeit

N. (29) ist ein kräftiger, junger Mann aus Zentral-Israel, dessen Gesicht von Sorgenfalten gezeichnet ist. Die Hände des Landwirts sind von harter Arbeit rissig. Im Mai wird er erneut als Reservist eingezogen – zum siebten Mal seit seiner regulären Armeezeit und zum vierten Mal seit den Terrorangriffen vom 7. Oktober 2023.

„Ich kann das auch machen, kein Problem. Aber ich werde müde. Ich will endlich, dass wir die Arbeit richtig machen und in Ruhe leben können“, sagt er mit einem Lachen, das seine erschöpften Augen nicht verbergen kann.

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Einen Monat lang wird er in Gaza in eroberten Kellern und Erdlöchern schlafen, während seine Freundin um sein Leben bangt. Einen engen Freund hat er bereits bei einem Einsatz verloren. Mit den Worten „die Arbeit richtig machen“ meint er, dass die Armee die Hamas so weit zerstören soll, dass er nicht weiterhin jedes Jahr in den Krieg muss.

Die Tunnel von Gaza: Ein endloser Untergrundkrieg

N. wird wieder Tunnel sprengen müssen. Ein Großteil der von der Hamas gegrabenen Unterwelt bestehe noch, erklärt er. „Der Boden da ist so nah am Meer sandig. Da kann ein Hamas-Mann mit einer Schaufel am Tag viel schaffen.“

Der Landwirt spielt sogar mit dem Gedanken auszuwandern – vielleicht nach Spanien, um dort mit seiner Freundin eine Farm zu betreiben. Er würde gerne Schafe großziehen, ohne kämpfen zu müssen.

Der junge Soldat: Vor dem Einsatz im Libanon

D. (21) ist Soldat einer Spezialeinheit aus Tel Aviv und befindet sich noch in seiner dreijährigen Wehrdienstzeit. Er soll kommende Woche in den Libanon geschickt werden. Am Wochenende vor seinem Einsatz will er es noch einmal „richtig krachen lassen“ und eine Frau daten.

„Ich muss in den Krieg. Wenn ich das jetzt nicht mache, kann ich es vielleicht nie mehr“, sagt er – und meint damit, dass er sterben könnte.

Bodenoffensive im Libanon steht bevor

Laut der amerikanischen Nachrichtenseite „Axios“ plant Israel tatsächlich eine Bodenoffensive im Norden. Die Hisbollah hatte Israel in den vergangenen Tagen massiv beschossen, was nun ein Ende haben soll. Auch der israelische Sender „N12“ berichtet, dass eine Bodenoffensive sehr wahrscheinlich sei.

Der erfahrene Soldat N., der auch mehrmals im Libanon im Einsatz war, erklärt: „Wenigstens gibt es da nicht so viele Tunnel, der Boden ist steinig. Nachts darf absolut kein Licht nach draußen dringen, sonst schießt die Hisbollah sofort Raketen. Aber es ist ein wunderschönes Land, viel schöner als Gaza.“

Die Struktur der israelischen Armee

Israel verfügt über eine stehende Armee von etwa 170.000 Männern und Frauen, die sich aus Berufssoldaten und Wehrpflichtigen zusammensetzt. Dazu kommen rund 460.000 Reservisten, die bei Bedarf eingezogen werden.

In den vergangenen Jahren nach dem Hamas-Einfall am 7. Oktober war die Belastung der Reservisten, die von ihren Arbeitgebern freigestellt werden müssen, extrem hoch. Man versucht jetzt, ihre jährliche Dienstzeit auf zweieinhalb Monate zu begrenzen.

Zum Vergleich: Deutschland mit etwa achtmal so vielen Einwohnern wie Israel hat etwa 180.000 Berufssoldaten und nur 36.000 Reservisten.

Die militärische Herausforderung

Nach Einschätzung israelischer Militärs reichen die Luftschläge offenbar nicht aus, um der Bedrohung durch die radikal-islamische Hisbollah-Miliz zu begegnen. Die jüngsten Raketenangriffe der Hisbollah haben die Situation weiter verschärft.

Für Soldaten wie N. und D. bedeutet dies, dass sie weiterhin regelmäßig aus ihrem zivilen Leben gerissen werden – ein Zustand, der für viele israelische Reservisten zur traurigen Normalität geworden ist.

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