Bundestagspräsidentin Klöckner besucht als erste deutsche Politikerin den Gazastreifen
Klöckner besucht als erste deutsche Politikerin Gazastreifen

Historischer Besuch im Gazastreifen: Klöckner als erste deutsche Politikerin vor Ort

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat als erste deutsche Politikerin seit dem verheerenden Terrorüberfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 den Gazastreifen besucht. Die CDU-Politikerin hielt sich etwa eine Stunde in dem von israelischen Streitkräften kontrollierten Teil des Küstenstreifens auf, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen. Der Besuch fand im Rahmen einer dreitägigen Israel-Reise statt, zu der Klöckner auf Einladung der Knesset, des israelischen Parlaments, angereist war.

Komplexe Vorbereitungen und Sicherheitsvorkehrungen

Dem historischen Besuch gingen langwierige diplomatische Verhandlungen voraus. Noch am Vorabend war unklar, ob Israel die notwendige Genehmigung erteilen würde. Aufgrund der angespannten Sicherheitslage musste Klöckner während ihres Aufenthalts im Gazastreifen eine Schutzweste und einen Helm tragen und wurde von israelischen Soldaten begleitet. Die mitreisenden Journalisten konnten nicht in den Gazastreifen mitkommen.

Klöckner begrüßte ausdrücklich, dass Israel erstmals einer parlamentarischen Beobachterin Zugang zu der umkämpften Region ermöglicht habe. Sie appellierte an die israelische Regierung, diesen Weg der Öffnung weiterzugehen. Die im Friedensplan festgelegte gelbe Linie, die das von Israel kontrollierte Gebiet abgrenzt, bezeichnete sie als temporäre Demarkationslinie, die nicht zu einer dauerhaften Barriere werden dürfe.

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Politische Kontroversen und Kritik

Die Reise stieß bei Oppositionsparteien auf deutliche Kritik. Die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner bemängelte im Gespräch mit dem "Spiegel", Klöckner nehme durch den einseitigen Besuch nur einen eingeschränkten Ausschnitt der Realität wahr. Sie forderte, auch die palästinensische Perspektive einzubeziehen.

Adis Ahmetović, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, hatte den geplanten Besuch bereits im Vorfeld scharf kritisiert. Ein möglicher Besuch in Begleitung der israelischen Armee wäre seiner Ansicht nach ein "eklatantes Signal" gewesen. Er verwies auf die massive Zerstörung in Gaza, die Vertreibung von über einer Million Menschen und Experten-Schätzungen von mehr als 100.000 Toten.

Klöckners Rechtfertigung und weitere Stationen

Klöckner wies die Kritik zurück und betonte die begrenzte Zeit ihres Aufenthalts. "Ich war keine zwei Tage hier. Man muss sehen, dass man da nicht alles reinbekommt", erklärte sie. Die Bundestagspräsidentin hob hervor, sie habe in Jerusalem auch mit der Opposition gesprochen und Kontakt zu israelischen palästinensischen NGOs gehabt.

Gleichzeitig machte sich Klöckner keine Illusionen über die Beschränkungen ihres Besuchs. "Mir ist sehr bewusst, dass das israelische Militär sehr genau überlegt, wo wir hinfahren, was wir auch zu sehen bekommen", räumte sie ein. Ihr seien gezielt Siedlungen gezeigt worden, die weniger stark zerstört waren, weil dort auch Geiseln festgehalten worden seien.

Als Freundin Israels sei es ihr wichtig gewesen, sich einen eigenen Blick zu verschaffen - auch an Orten, "wo vielleicht zuerst auch Israel selbst nicht wollte, dass wir hinschauen".

Emotionale Begegnungen und Gedenken

Ein besonders bewegender Moment der Reise war Klöckners Besuch der Erinnerungsstätte auf dem Gelände des Supernova-Festivals. Dort hatte die Hamas am 7. Oktober etwa 400 Festivalbesucher getötet und mehr als 40 verschleppt. Die Mutter einer später verstorbenen jungen Frau erzählte Klöckner unter Tränen von ihrer Tochter. "Niemand kann erfühlen, wie groß ihre Schmerzen sind", tröstete Klöckner die trauernde Frau.

Die Bundesregierung äußerte sich nicht zu der Reise. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es lediglich: "Reisevorhaben beziehungsweise Reisen anderer Verfassungsorgane, die sich ein Bild vor Ort machen möchten, kommentiert die Bundesregierung grundsätzlich nicht."

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