Kritische Rettungsmission im Iran: USA im Wettlauf gegen die Zeit
Kritische Rettungsmission im Iran: USA im Wettlauf

Kritische Rettungsmission im Iran: USA im Wettlauf gegen die Zeit

Im Iran läuft die dramatische Suche nach einem vermissten Besatzungsmitglied eines abgeschossenen US-Kampfjets. Das US-Militär hat Medienberichten zufolge Spezialkräfte in den Süden des Landes geschickt, um eine Gefangennahme des Waffenoffiziers der F-15E durch den Iran zu verhindern. Iranische Medien berichten von hohen Geldsummen, die für die Ergreifung versprochen worden sein sollen.

Trump in Erklärungsnot

US-Präsident Donald Trump äußerte sich zu der Rettungsmission im Iran bislang nur zurückhaltend. Auf die Frage der britischen Zeitung The Independent, was er tun würde, falls das vermisste Crew-Mitglied von Iranern gefangengenommen oder verletzt werden sollte, antwortete Trump: „Nun, das kann ich nicht kommentieren, weil - wir hoffen, dass das nicht passieren wird.“

Der Abschuss des Kampfjets widerlegt Aussagen von US-Präsident Trump, der in den vergangenen Wochen des Krieges immer wieder suggeriert hatte, dass US-Flugzeuge im iranischen Luftraum keine Angriffe mehr fürchten müssten. Die USA hätten die Lufthoheit erlangt, hieß es. Die militärischen Fähigkeiten Teherans seien bereits nahezu vernichtet.

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„Kritische Mission“ für die USA

Sollte der Iran das Besatzungsmitglied zuerst finden, wäre das „ein großer Gewinn“ für Teheran, sagte Laurel Rapp, Direktorin des Nordamerika-Programms der Denkfabrik Chatham House, der BBC. Der Iran hätte dann „ein sehr starkes Druckmittel“. Rapp sprach deshalb von einer „kritischen Mission“ für die US-Streitkräfte.

Sollte das Crew-Mitglied in Gefangenschaft geraten und sollten Bilder davon veröffentlicht werden, könnte das die ohnehin schon kritische Haltung der amerikanischen Öffentlichkeit zum Krieg weiter negativ beeinflussen, sagte Rapp, die in der Vergangenheit für das US-Außenministerium tätig war. „Wenn solche Bilder auftauchen würden, hätte das aus amerikanischer Sicht eine enorm verändernde Wirkung“, erklärte sie.

Kopfgelder und mögliche Szenarien

Im Iran wurde von Kopfgeldern in Höhe von bis zu 100.000 US-Dollar berichtet (umgerechnet rund 87.000 Euro) - in den jeweiligen Provinzen ist das im Extremfall das Tausendfache des monatlichen Durchschnittseinkommens. Hamidreza Azizi, Experte für iranische Sicherheitsfragen am German Institute for International and Security Affairs, sagte der New York Times, er sehe zwei mögliche Vorgehensweisen, sollte dem Iran die Ergreifung des Besatzungsmitglieds gelingen.

  • Falls die Gefangennahme geheim bleibe, könnte der Iran hinter verschlossenen Türen mit den USA verhandeln und Zugeständnisse einfordern.
  • Oder der Gefangene könnte öffentlich vor Kameras präsentiert werden - das hält der Experte für wahrscheinlicher: „Sie wollen unbedingt dieses Bild eines Sieges vermitteln und zugleich Trump demütigen.“

Angriffe dauern an

Dass der Iran auch fünf Wochen nach Beginn des Krieges immer noch angreifen und in der Region Schäden anrichten kann, zeigte sich auch im Verlauf des Samstags. Wegen neuerlichen Raketenangriffen mussten sich in Israels Küstenmetropole Tel Aviv zur Mittagszeit sowie am Nachmittag etliche Menschen in Schutzräume begeben. Die Polizei meldete mehrere Einschläge. Dem israelischen Rettungsdienst Magen David Adom zufolge wurden insgesamt fünf Menschen verletzt.

Israelischen Medien zufolge setzte der Iran bei den Raketenangriffen erneut international weitgehend geächtete Streumunition ein. Der Pilot des Kampfflugzeugs konnte übereinstimmenden Medienberichten zufolge gerettet werden. Zwei an den Rettungsmaßnahmen beteiligte Black-Hawk-Hubschrauber wurden demnach ebenfalls vom Iran getroffen.

Einschlag in der Nähe von iranischem AKW

Die Internationale Energieagentur (IAEA) teilte unterdessen auf der Plattform X mit, sie sei vom Iran über den Angriff auf das Atomkraftwerk Buschehr informiert worden. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna schlug ein Geschoss nahe dem Grenzzaun des Kraftwerks ein. Als Folge der Explosion und herumfliegender Splitter sei ein Mitarbeiter des Sicherheitspersonals getötet und ein Nebengebäude beschädigt worden.

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Schäden an den Hauptbereichen des Kraftwerks habe es nicht gegeben, der Betrieb sei nicht beeinträchtigt. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete zudem unter Berufung auf das Gouverneursamt von Luftangriffen auf die Sonderwirtschaftszone der Petrochemie in Mahschahr. Getroffen wurden demnach die Petrochemieunternehmen Fadschr 1 und 2, Ridschal und Amirkabir. Es sei sehr wahrscheinlich, dass es Tote und Verletzte gegeben habe.

Auch ein für Waren und Reisende wichtiger Grenzübergang zum Irak sei Ziel eines amerikanisch-israelischen Luftangriffs gewesen, berichtete Tasnim. Die staatliche irakische Nachrichtenagentur INA berichtete, bei dem Angriff seien eine Person getötet und fünf Menschen verletzt worden. Der Grenzübergang sei gesperrt worden.