Die Regional- und Kommunalwahlen in Großbritannien haben sich für die regierende Labour-Partei von Premierminister Keir Starmer zu einem Debakel entwickelt. Ersten Auszählungen zufolge muss Labour herbe Stimmverluste hinnehmen, während die rechtspopulistische Reform UK deutliche Zugewinne verbucht. Die Wahlen gelten als wichtiger Stimmungstest für die politische Stimmung im Land.
Deutliche Verluste für Labour, Gewinne für Reform UK
Nach der Auszählung von 29 Bezirken in England verzeichnete die Reform-Partei von Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage mehr als 200 gewonnene Mandate in kommunalen Gremien. Die Sozialdemokraten von Labour verloren hingegen mehr als 150 Sitze. Auch die oppositionellen Konservativen büßten Dutzende Mandate ein. In Newcastle under Lyme in den Midlands errang Reform UK sogar die absolute Mehrheit in einem Bezirksrat.
Erwartete Verluste in Schottland und Wales
Bei den Wahlen zu den Regionalparlamenten in Schottland und Wales begann die Auszählung erst am Freitag. Auch dort wird mit einem desaströsen Ergebnis für Labour gerechnet. Umfragen zufolge lagen die Unabhängigkeitsparteien SNP in Schottland und Plaid Cymru in Wales auf Kurs, stärkste Partei zu werden. Labour droht, auf den dritten Platz hinter Reform UK abzurutschen.
Die Labour-Abgeordnete Rebecca Long-Bailey bezeichnete die Ergebnisse als niederschmetternd. Nigel Farage erklärte hingegen, das bisherige Abschneiden übertreffe seine Erwartungen bei Weitem und stelle einen historischen Wandel in der britischen Politik dar. Analysten zufolge zeigen die Wahlen, dass sich das traditionelle Zweiparteiensystem zunehmend in eine Mehrparteiendemokratie aufspaltet.
Stimmungstest vor der nächsten Parlamentswahl
Die Wahlen von über 136 Kommunalvertretungen in England sowie der Regionalparlamente in Schottland und Wales gelten als wichtigster Stimmungstest vor der nächsten regulären Parlamentswahl im Jahr 2029. Starmer war 2024 mit dem Versprechen angetreten, nach Jahren des politischen Chaos für Stabilität zu sorgen. Seine bisherige Amtszeit war jedoch von zahlreichen Kurswechseln und Skandalen geprägt, darunter die Entlassung des britischen US-Botschafters Peter Mandelson wegen dessen Verbindungen zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Rücktrittsforderungen werden lauter
In Parteikreisen wird damit gerechnet, dass nach dieser Niederlage die Forderungen nach einem Rücktritt Starmers lauter werden. Energieminister Ed Miliband wies am Donnerstag jedoch einen Zeitungsbericht zurück, wonach er dem Premierminister geraten habe, einen Zeitplan für seinen Abgang vorzulegen. Die Debatte über die Zukunft von Premier Starmer dürfte durch das Wahldebakel weiter an Fahrt gewinnen.



