Libanon vor historischer Entscheidung: Bürgerkrieg oder Krieg mit Israel?
Libanon vor Entscheidung: Bürgerkrieg oder Krieg mit Israel?

Libanon vor historischer Entscheidung: Bürgerkrieg oder Krieg mit Israel?

Der Libanon steuert auf eine Katastrophe zu, deren Ausmaß viele Beobachter unterschätzen. Seit Oktober 2023 hat sich die Situation kontinuierlich verschärft, und nach aktuellen Berichten aus dem Kriegsgebiet scheint dem Land nur noch eine Wahl zwischen zwei verheerenden Szenarien zu bleiben: einem Bürgerkrieg gegen die Hisbollah oder einem umfassenden Krieg mit Israel.

Israels klare Ziele und die Realität vor Ort

Die israelische Regierung hat mehrfach erklärt, die geschwächte Hisbollah-Miliz endgültig "eliminieren" zu wollen. Zu den konkreten Forderungen gehören die vollständige Entwaffnung der Miliz sowie die Einrichtung einer Pufferzone im Südlibanon entlang der israelischen Grenze – möglicherweise bis zum Litani-Fluss, was etwa 25 Kilometer tief ins libanesische Landesinnere reichen würde. Selbst wenn der Krieg mit dem Iran beendet sein sollte, wird Israel voraussichtlich nicht von diesen Zielen abrücken.

In den vergangenen zwei Wochen hat die israelische Armee bereits Hunderte Ziele der Hisbollah angegriffen, wobei Dutzende Kämpfer getötet wurden. Besonders massive Luftschläge trafen die Hochburg der Miliz in Beirut, das schiitische Viertel Dahieh. Obwohl die libanesische Regierung Anfang März alle militärischen Aktivitäten der Hisbollah offiziell verboten hat, sieht die Realität anders aus: Die tief in der Gesellschaft verwurzelte Miliz feuert weiterhin Drohnen und Raketen auf Nordisrael und liefert sich im Südlibanon Gefechte mit der israelischen Armee.

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Die gespaltene libanesische Führung

Die libanesischen Streitkräfte greifen bislang kaum ein. Der Oberbefehlshaber der Armee, General Rodolph Haykal, hat öffentlich erklärt, er wolle keine militärische Konfrontation mit der Hisbollah riskieren, da die Einheit des Landes in Gefahr sei. Premierminister Nawaf Salam fordert zwar ein Eingreifen des Militärs, kann sich damit bislang jedoch nicht durchsetzen – auch weil Präsident Joseph Aoun auf Zurückhaltung drängt.

Dabei war die Aufgabe eigentlich klar: Schon nach dem Waffenstillstand mit Israel Ende 2024 sollte die libanesische Armee – unterstützt von den im Land stationierten UN-Friedenstruppen – die Hisbollah entwaffnen. Angesichts der weiterhin vorhandenen Kämpfer und Waffen der Miliz im Südlibanon lässt sich nur ein Fazit ziehen: Diese Mission ist spektakulär gescheitert.

Dramatische humanitäre Lage

Gleichzeitig verschärft sich die humanitäre Situation im Libanon dramatisch. Mehr als 700.000 Menschen mussten in den vergangenen Wochen wegen der Kämpfe ihre Häuser verlassen. Damit ist inzwischen etwa jeder neunte Bewohner des Landes auf der Flucht. Viele dieser Menschen lebten bereits zuvor in Armut und sehen heute keinerlei Perspektive mehr.

Seit Jahren hoffen viele Christen, Drusen und auch Teile der sunnitischen Bevölkerung auf ein Ende der Hisbollah. Zu oft hat die Miliz den gesamten Libanon in Konflikte hineingezogen. Allein seit Oktober 2023 haben die Kämpfe Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe verursacht und Hunderttausende Menschen vertrieben.

Drei mögliche Szenarien für die Zukunft

Die Lage spitzt sich nun auf eine entscheidende Weichenstellung zu:

  1. Bürgerkriegsszenario: Wenn sich die libanesische Armee und andere Kräfte im Land gegen die Hisbollah stellen, droht ein Bürgerkrieg, in dem die Miliz um ihr Überleben kämpfen würde.
  2. Kriegsausweitung: Wenn der Staat weiter zögert, wird Israel den Krieg im Libanon ausweiten und dabei deutlich mehr Infrastruktur zerstören als bisher.
  3. Diplomatische Lösung: Im Rahmen eines möglichen Friedensabkommens zwischen dem israelisch-amerikanischen Bündnis und dem Iran könnte die Auflösung aller iranischen Stellvertreterorganisationen vereinbart werden – und damit auch das Ende der finanziellen Unterstützung für die Hisbollah.

Das dritte Szenario würde die Miliz massiv schwächen und möglicherweise sogar ihr Ende einleiten. Doch von einer solchen diplomatischen Lösung ist die Region derzeit weit entfernt. Der Libanon steht somit vor einer historischen Entscheidung, deren Konsequenzen das Land und die gesamte Region nachhaltig prägen werden.

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