Rom – Nach einer selbst für seine Verhältnisse beispiellosen Schimpftirade im russischen Fernsehen hat sich Putins Chef-Propagandist Wladimir Solowjow (62) von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (rechtspopulistische „Fratelli d’Italia“) einen bösen Konter eingefangen. Solowjow reihte in seiner zur besten Sendezeit ausgestrahlten Propaganda-Show eine Beleidigung an die nächste: „Faschistische Schlampe“, „Ungeheuer“, „Vollidiotin“, „kleine, böse Frau“, „Miststück“, „Verräterin“ (gegenüber Trump, zu dem Meloni wegen des Irankriegs auf Distanz gegangen ist). Der Tiefpunkt seiner Entgleisungen: die Bezeichnung „PuttaMeloni“ (ein Wortspiel mit „puttana“, dem italienischen Wort für Hure).
Hintergründe der Eskalation
Der peinliche Auftritt hat eine doppelte Vorgeschichte. Aktuell nehmen die Russen Italien übel, dass die von Rechtspopulisten dominierte Regierung nicht wie die deutsche AfD, Österreichs FPÖ, Marine Le Pen oder der gerade abgewählte Viktor Orbán (62) vor Putin kuscht. Sondern gerade erst wieder bekräftigt hat, dass man fest an der Seite der angegriffenen Ukraine stehe und das Land auch militärisch unterstütze.
Italien war einst seine Wahlheimat
Zum anderen aber hat der Gift- und Galle-Auftritt persönliche Gründe: Solowjow hat die vielen Millionen, die er auf unerklärliche Weise angehäuft hat, am liebsten in Italien verjubelt, wo er sich am Comer See Luxus-Immobilien geleistet hat. Die hat der italienische Staat schon wenige Tage nach dem russischen Überfall konfisziert. Aktivisten kippten zudem rote Farbe in seinen Swimmingpool, um seine Mitverantwortung für das Morden des Kreml-Despoten und seiner Armee zu verdeutlichen. Die Bilder gingen um die Welt. Palmen, Seeblick – und ein Pool voller Kunstblut.
Solowjow ist mit EU-Sanktionen belegt, Einreisen in die Union sind ausgeschlossen. Also heißt es für den einstigen Jetsetter jetzt Datscha statt „Dolce Vita“ mit Seeblick und Palmen.
Italiens Reaktion
Italien reagierte, indem das Außenministerium den russischen Botschafter einbestellte. Aus allen politischen Lagern kommen Solidaritätsbekundungen für Meloni. Sie selbst kommentierte die vulgäre Schimpftirade betont ruhig: „Es werden sicherlich nicht diese Karikaturen sein, die uns vom Kurs abbringen.“ Anders als andere nehme die Regierung keine Befehle entgegen. „Wir haben nur einen Kompass: das Interesse Italiens. Und wir werden ihm weiterhin mit Stolz folgen, ganz zum Leidwesen der Propagandisten aller Couleur.“



