Fünf wichtige Erkenntnisse aus dem Washington-Besuch von Kanzler Merz bei US-Präsident Trump
Merz bei Trump: Fünf Lehren aus dem Washington-Besuch

Fünf wichtige Erkenntnisse aus dem Washington-Besuch von Kanzler Merz bei US-Präsident Trump

Ein fester Händedruck, ein freundschaftlicher Klaps aufs Knie und zahlreiche warmherzige Worte prägten die Begegnung. Trotz aller inhaltlichen Differenzen und transatlantischen Verwerfungen, die von Handelszöllen über Grönland bis hin zur Ukraine-Politik reichen, verstehen sich US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz weiterhin ausgezeichnet. Dies gehört zu den zentralen Erkenntnissen aus den dreieinhalb Stunden, die der deutsche Regierungschef am Dienstag im Weißen Haus verbrachte. Sein dritter USA-Besuch als Kanzler verlief jedoch nicht vollkommen reibungslos. Hier sind fünf wesentliche Lehren aus insgesamt 22 Stunden in der amerikanischen Hauptstadt.

Merz und Trump pflegen persönlich gute Beziehungen

Ein „sehr erfolgreicher Mann“, ein „ausgezeichneter Anführer“, der einen „großartigen Job“ mache – wie bereits beim Antrittsbesuch im Juni vergangenen Jahres überschüttete Trump den Kanzler mit Lobeshymnen. Besonders betonte er, was ihm an Merz gefällt: Dass dieser „ziemlich das Gegenteil“ seiner Vorvorgängerin Angela Merkel (CDU) sei, mit der Trump während seiner ersten Amtszeit zu tun hatte. Deutschland war damals Trumps bevorzugter Gegner, weil es billiges russisches Gas über die Nord-Stream-Pipeline bezog, nicht genug für Verteidigungsausgaben investieren wollte und Hunderttausende Flüchtlinge aufnahm. Bei Merz sei dies nun anders, erklärte der US-Präsident.

Der Bundeskanzler scheint sich als einer von vier bevorzugten europäischen Partnern Trumps zu etablieren – neben der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb und dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Trump verzichtet auf deutsche Militärhilfe gegen Iran

Die deutsche Haltung zum Iran-Konflikt findet Trump „großartig“, und auf Forderungen nach einer militärischen Beteiligung verzichtet er ausdrücklich. „Wir fordern sie nicht auf, Bodentruppen zu entsenden oder irgendetwas in dieser Art zu tun.“ Merz sagte nach dem Treffen im Oval Office, es seien bisher weder von Israel noch von den USA irgendwelche Wünsche nach militärischer Unterstützung geäußert worden.

Der Kanzler hatte bereits vor der Reise deutlich gemacht, dass für ihn eine militärische Beteiligung nicht in Frage komme. Kritik an dem amerikanischen Angriff hatte er vor seiner Reise zwar vermieden, sich aber auch nicht klar dahinter gestellt und stattdessen auf potenzielle Risiken hingewiesen. Trumps Verständnis für die deutsche Position war daher nicht unbedingt zu erwarten.

Merz schützt europäische Partner nicht öffentlich

Harte Attacken richtete Trump jedoch gegen Großbritannien und Spanien. Der britische Premierminister Keir Starmer hatte ihm zunächst die Nutzung einer Militärbasis verweigert und erst am Sonntagabend eingelenkt. Trump nannte dieses Verhalten „schockierend“.

Noch härter ging er mit Spanien ins Gericht, das den USA die Nutzung amerikanischer Stützpunkte auf seinem Territorium für Luftangriffe untersagte. „Sie waren unfreundlich.“ Deshalb habe er seinen Finanzminister Scott Bessent angewiesen, „alle Deals“ mit Madrid einzustellen. Welche konkreten Abkommen Trump meinte, blieb zunächst unklar.

Merz verzichtete auf offener Bühne darauf, die beiden Verbündeten in Schutz zu nehmen. Auf Nachfrage stimmte er sogar in die Kritik an Spanien ein – allerdings nur mit Blick auf die Weigerung des Landes, sich an das gemeinsam vereinbarte Ziel zu den NATO-Verteidigungsausgaben zu halten.

Mit einer scharfen Reaktion hätte er eine offene Konfrontation mit Trump riskiert. Hinter verschlossenen Türen habe er jedoch dagegengehalten, berichtete Merz später in der ARD. „Ich habe ihm sehr deutlich gesagt: Du kannst hier keinen isolierten Vertrag mit Deutschland abschließen oder einen Vertrag mit ganz Europa, aber Spanien nicht.“

Ukraine: Europa will zurück an den Verhandlungstisch

Bei den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über ein mögliches Kriegsende vermitteln die USA derzeit allein, während Europa an der Seitenlinie steht. Merz will dies ändern und hat Trump dies auch unmissverständlich klargemacht: „Wir sind nicht bereit, ein Abkommen zu akzeptieren, das über unsere Köpfe hinweg verhandelt wird.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Ob Trump darauf eingehen wird, bleibt offen. Eine direkte Reaktion ist aus dem Treffen mit Merz nicht überliefert. Ob der Kanzler mit seinem Appell Erfolg hatte, wird sich erst zeigen, wenn die Unterhändler wieder zusammensitzen.

Im Zollstreit zwischen EU und USA gibt es keine Fortschritte

Keine Fortschritte gab es im Hinblick auf den Zollstreit zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten. Trump bekräftigte seine Absicht, einen weltweiten Zoll auf Importe in die USA von 15 Prozent einzuführen. Zudem untersuche seine Regierung weiterhin die Möglichkeit, unterschiedliche Zölle für verschiedene Länder zu erheben.

Dem europäischen Unmut darüber versuchte Trump mit einem Scherz zu begegnen. An den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer gewandt sagte er: „Wie behandeln wir Deutschland? Ich denke, bei denen solltest du sehr, sehr hart zuschlagen.“ Dabei gab der US-Präsident Merz einen Klaps aufs Knie.

Der Kanzler schwieg zu diesem Thema lieber. Insgesamt ist er erneut mit der Strategie ins Oval Office gegangen: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Von den 33 Minuten Redezeit vor den laufenden Kameras hatte Merz nur drei Minuten für sich beansprucht.