Merz bei Trump: Zölle, Iran und die Kunst der diplomatischen Balance
Merz bei Trump: Zölle, Iran und diplomatische Balance

Merz bei Trump: Zölle, Iran und die Kunst der diplomatischen Balance

Washington (USA) – Die Atmosphäre im Oval Office des Weißen Hauses war aufgekratzt, als Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) auf US-Präsident Donald Trump (79) traf. Es handelte sich bereits um den dritten Besuch des deutschen Regierungschefs innerhalb von nur neun Monaten, was die Bedeutung der deutsch-amerikanischen Beziehungen unterstreicht.

Die Stimmung im Oval Office

Friedrich Merz ließ sich nicht unterkriegen und setzte gleich zu Beginn des Treffens seine wichtigsten Punkte gekonnt in Szene. Besonders bei dem heiklen Thema der US-Zölle meldete er frühzeitig und geschickt Redebedarf an. Donald Trump zeigte sich erkennbar um eine positive Atmosphäre bemüht und schätzt Merz offensichtlich weiterhin sehr. Er lobte ausdrücklich dessen „tollen Job“ in der Migrations- und Energiepolitik und wies darauf hin, dass es mit der früheren Kanzlerin Angela Merkel (70) in diesen Fragen Differenzen gegeben habe.

Merz verzog an dieser Stelle keine Miene – wohl auch, weil er ahnte, dass die anwesenden deutschen Journalisten nur darauf warteten. Als Trump die Regierungschefs von Spanien und Großbritannien kritisierte, ließ sich der Bundeskanzler nicht dazu verleiten, sie zu verteidigen. Eine kluge Entscheidung, denn in Washington soll er vor allem deutsche Interessen vertreten.

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Personelle Unterschiede und strategische Ausrichtung

Auch personell fielen Unterschiede auf: Während sich Merz’ Anfang des Jahres entlassener früherer Büroleiter Jacob Schrot bei der ersten Washington-Visite wie ein Minister in erster Reihe präsentierte, hielt sich Nachfolger Philipp Birkenmaier diesmal diskret im Hintergrund. Die Botschaft war klar: Ich bin hier nicht die Hauptperson.

Donald Trump fuhr dagegen mit einer größeren Delegation auf, darunter mehrere Minister und Vize JD Vance. Merz reiste vergleichsweise schlank mit Außenpolitik-Experte Günter Sautter und Regierungssprecher Stefan Kornelius an. Trotz der angespannten Lage durch den Iran-Krieg wirkte Trump auffallend gut gelaunt und bemühte sich sogar um Fairness, als er die Journalisten aufrief.

Klare Worte zum Iran und vage Strategien

Friedrich Merz fand klare Worte mit Blick auf Teheran. Er hoffe, dass gerade das Richtige geschehe, um am Ende im Iran eine neue Regierung einzusetzen, „die Frieden und Freiheit“ zurückbringe. Nach seinem Eindruck gibt es in Washington jedoch keinen konkreten Plan für die Zeit nach einem möglichen Sturz des Regimes. Es existiere keine wirklich ausformulierte Strategie über die zukünftige zivile Führung des Irans.

Donald Trump hatte zuvor gesagt: „Viele der Leute, die wir im Auge hatten, sind tot.“ Er wünsche sich aber jemanden, „der gerade beliebt ist – falls es so jemanden überhaupt gibt“. Damit bleiben die Überlegungen für eine Zeit danach vage, eine klare Strategie ist bislang nicht erkennbar.

Ukraine-Verhandlungen und der Druck auf Russland

Immerhin erkannte Donald Trump an, dass die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland trotz der Krise im Iran weiter eine „sehr hohe Priorität“ haben müssten. Hinter den Kulissen verfolgt Friedrich Merz ein klares Ziel: Er will Trump dazu bewegen, von Selenskyj keine zu großen Gebietsabtretungen im Zuge eines Diktatfriedens zu verlangen.

Merz betonte, er habe sich hinter verschlossenen Türen dafür ausgesprochen, stattdessen den Druck auf Russland zu erhöhen. Der Ausgang dieser diplomatischen Bemühungen bleibt jedoch offen.

Der Konflikt um die US-Zölle

Als ein Journalist Donald Trump auf die umstrittenen US-Zölle ansprach, reagierte der Präsident zunächst mit einem Scherz: „Wir sollten Deutschland sehr hart treffen.“ Dann knuffte er Friedrich Merz ans Bein – eine Geste, die sich als Signal verstehen lässt, dass er das Stoppschild aus Berlin sehr wohl registriert hat: 15 Prozent, sonst drohen Gegenzölle.

Merz sagte nach dem Treffen, er habe diese Botschaft klar „überbracht“. Damit wäre schon ein kleiner diplomatischer Erfolg erzielt, auch wenn die endgültige Lösung noch aussteht. Die wiederholten Besuche von Merz in Washington zeigen, dass beide Seiten trotz unterschiedlicher Ansätze an einem konstruktiven Dialog interessiert sind.

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