Bundeskanzler Friedrich Merz steckt in einem historischen Umfragetief. Noch nie war seine Beliebtheit so gering wie derzeit. Politologin Ursula Münch hat dafür eine klare Erklärung: Das Problem liegt nicht allein an Merz selbst, sondern auch an seiner Wirkung auf die Wählerschaft – insbesondere auf Frauen.
Altmodischer Auftritt als Hindernis
In einem Interview mit dem SPIEGEL erklärte Münch, dass Merz' Stil als Oppositionsführer von großen Ankündigungen geprägt war, die nun als Kanzler nicht eingelöst werden können. „Merz wirkt altmodisch – und nicht im positiven Sinne“, sagte die Politologin. Dieser Eindruck sei besonders bei Wählerinnen ausgeprägt, die sich von seiner konservativen Art abgestoßen fühlten.
Frauen als entscheidende Wählergruppe
Münch betont, dass die Unzufriedenheit mit Merz nicht nur auf politische Inhalte zurückgeht. „Es ist die Art, wie er auftritt und kommuniziert. Das wirkt auf viele Frauen veraltet und wenig empathisch.“ Dies sei ein strukturelles Problem, das die CDU insgesamt betreffe. Die Partei habe es schwer, weibliche Wähler zu mobilisieren, solange Merz das Gesicht der Regierung sei.
Die Umfragewerte des Kanzlers sind in den letzten Wochen kontinuierlich gesunken. Laut aktuellen Erhebungen würde die Union derzeit nur noch knapp über 20 Prozent der Stimmen erhalten. Merz persönlich liegt in der Kanzlerfrage weit hinter dem Kandidaten der SPD. „Die Menschen erwarten Führung und klare Ansagen, aber Merz liefert oft nur leere Versprechungen“, so Münch.
Oppositionszeit wirkt nach
Ein weiterer Faktor sei Merz' Vergangenheit als Oppositionsführer. „Damals konnte er große Reden schwingen und Forderungen stellen, ohne liefern zu müssen. Jetzt als Kanzler ist das anders“, erklärt die Expertin. Die Wähler hätten bemerkt, dass viele seiner Ankündigungen nicht umgesetzt werden konnten. Dies führe zu Frustration und sinkender Zustimmung.
Die Politologin rät Merz, sein Auftreten zu überdenken. „Er muss zeigen, dass er modern und nahbar ist. Das fehlt ihm bislang.“ Ob der Kanzler diesen Rat beherzigt, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die nächsten Wochen werden entscheidend für seine politische Zukunft sein.



