Kanzler Merz in Norwegen: Raumfahrt, Arktis-Übung und Energie im Fokus jenseits des Polarkreises
Merz in Norwegen: Raumfahrt, Arktis-Übung und Energie

Kanzler Merz auf Mission im hohen Norden Norwegens

Es ist eine ungewöhnliche Reise: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Norwegen besucht, doch statt in der Hauptstadt Oslo zu verweilen, führte ihn sein Weg direkt in den hohen Norden jenseits des Polarkreises. Am Donnerstagabend traf er mit einem Truppentransporter der Luftwaffe in Andenes auf der Insel Andoya ein, einem kleinen Ort mit nur etwa 2.500 Einwohnern. Die üblichen Regierungsmaschinen vom Typ A340 wären für die Landung auf dem lokalen Flughafen schlichtweg zu groß gewesen.

Strategische Partnerschaft und Raumfahrtambitionen

Gleich nach seiner Ankunft kam Merz mit Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre zu einem Vier-Augen-Gespräch zusammen. Dabei würdigte der Kanzler die strategische Partnerschaft mit Norwegen als "äußerst gut" und betonte das "Potenzial für die Zukunft". Ein zentraler Grund für den Besuch in Andenes ist der Andøya Space Port, der seit 2023 als neuer europäischer Zugang zum Weltraum dient. Seit den 1960er Jahren starten von hier bereits Forschungsraketen und -ballons.

Das deutsche Startup Isar Aerospace schickte vor etwa einem Jahr die Orbitalrakete "Spectrum" von diesem Standort aus in den Himmel, die für den Transport erdnaher Satelliten konzipiert ist. Nach nur 30 Sekunden stürzte sie jedoch ab. Ein neuer Testflug ist für den 19. März geplant, sofern das Wetter mitspielt. Das große Interesse der europäischen Raumfahrtindustrie erklärt sich aus der weitgehenden Unfähigkeit Europas, Satelliten mit eigener Technik ins All zu befördern. Derzeit wird die Mehrheit europäischer Satelliten vom US-Unternehmen Space X des Milliardärs Elon Musk transportiert.

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Militärische Präsenz in der Arktis

Von Andenes aus flog Merz am Nachmittag mit einem Militärtransporter vom Typ A400M zum Militärstützpunkt Bardufoss. Dort informierte er sich gemeinsam mit Støre und dem kanadischen Premierminister Mark Carney über die Nato-Übung Cold Response. An dieser Übung nehmen nach Angaben der norwegischen Streitkräfte mehr als 32.500 Soldaten aus 14 Nato-Staaten in Norwegen und Finnland teil, darunter 1.600 Bundeswehrsoldaten.

Die Übung gewinnt in diesem Jahr besondere Bedeutung durch den Konflikt zwischen den USA und Europa um Grönland. US-Präsident Donald Trump begründet seine Ansprüche auf die zu Dänemark gehörende Insel mit Sicherheitsdefiziten, was die Europäer als vorgeschoben ansehen. Als Reaktion darauf will Europa mehr Präsenz in der Arktis zeigen. Die Mission "Arctic Sentry", an der Deutschland mit Kampfjets und Luftbetankung beteiligt ist, sowie die Übung Cold Response sollen hier ein deutliches Zeichen setzen. Die US-Streitkräfte sind zwar beteiligt, allerdings nur in geringem Umfang.

Rüstungsprojekt und Energieversorgung

Bei dem Treffen der drei Regierungschefs stand auch ein milliardenschweres Rüstungsprojekt auf der Agenda. Deutschland und Norwegen kooperieren bereits beim Bau von 73 Meter langen U-Booten und streben nun eine Beteiligung Kanadas an. Die Regierung in Ottawa plant, in den kommenden Jahren vier ältere U-Boote zu ersetzen. Zu den Bewerbern um den Auftrag gehört auch Südkorea. Eine Entscheidung der kanadischen Regierung wird in Kürze erwartet.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Energieversorgung in Zeiten steigender Öl- und Gaspreise aufgrund des Iran-Kriegs. Nach Angaben der Bundesnetzagentur stammten im vergangenen Jahr 44 Prozent der deutschen Erdgasimporte aus Norwegen. Das Statistische Bundesamt gibt den Anteil der Öl-Importe für 2025 mit 16,6 Prozent an. Bei den Gesprächen ging es weniger um Preisverhandlungen, sondern vielmehr darum, wie Energieknappheit vermieden werden kann.

Interessant ist zudem die unterschiedliche Bewertung des Iran-Krieges: Norwegen nimmt hier eine noch kritischere Haltung als Deutschland ein. Ministerpräsident Støre bezeichnete die Angriffe Israels und der USA noch am selben Tag als völkerrechtswidrig, während die Bundesregierung bislang auf eine rechtliche Einordnung verzichtete.

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