Fünf Lehren aus Merz' Washington-Besuch: Persönliche Chemie mit Trump hält trotz transatlantischer Spannungen
Merz in Washington: Fünf Lehren aus dem Trump-Besuch

Fünf Lehren aus Merz' Washington-Besuch: Persönliche Chemie mit Trump hält trotz transatlantischer Spannungen

Washington - Ein fester Händedruck, ein freundschaftlicher Klaps aufs Knie und zahlreiche warme Worte prägten das Zusammentreffen von Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump im Oval Office. Trotz erheblicher inhaltlicher Differenzen und tiefgreifender Verwerfungen in den transatlantischen Beziehungen kommen die beiden Staatsmänner nach wie vor gut miteinander aus. Dies gehört zu den zentralen Erkenntnissen aus den dreieinhalb Stunden, die der Kanzler am Dienstag im Weißen Haus verbrachte. Sein dritter USA-Besuch als Regierungschef verlief jedoch nicht vollständig reibungslos. Hier sind fünf wesentliche Lehren aus insgesamt 22 Stunden in der amerikanischen Hauptstadt.

Merz und Trump: Eine funktionierende persönliche Beziehung

Trump umschmeichelte den Kanzler erneut als „sehr erfolgreichen Mann“, „ausgezeichneten Anführer“ und lobte seinen „großartigen Job“. Besonders betonte der US-Präsident, dass Merz „ziemlich das Gegenteil“ seiner Vorvorgängerin Angela Merkel sei, mit der Trump während seiner ersten Amtszeit zahlreiche Konflikte austrug. Deutschland galt damals als Trumps Lieblingsgegner aufgrund des Bezugs billigen russischen Gases über die Nord-Stream-Pipeline, unzureichender Militärausgaben und der Aufnahme Hunderttausender Flüchtlinge. Merz scheint sich nun als einer von vier bevorzugten europäischen Partnern Trumps zu etablieren, neben Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Finnlands Präsident Alexander Stubb und Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban.

Keine deutschen Truppen für den Iran-Konflikt

Die deutsche Haltung zum Iran-Krieg findet bei Trump ausdrückliche Zustimmung. Der US-Präsident verzichtet auf Forderungen nach einer militärischen Beteiligung Deutschlands. „Wir fordern sie nicht auf, Bodentruppen zu entsenden oder irgendetwas in der Art zu tun“, erklärte Trump. Kanzler Merz betonte nach dem Treffen, dass bisher weder aus Israel noch aus den USA konkrete Wünsche nach Militärhilfe geäußert worden seien. Bereits vor seiner Reise hatte Merz deutlich gemacht, dass eine militärische Beteiligung für Deutschland nicht in Frage komme. Trumps Verständnis für diese Position war daher keineswegs selbstverständlich.

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Merz schützt europäische Partner nicht öffentlich

Trump startete harte Attacken gegen Großbritannien und Spanien. Den britischen Premierminister Keir Starmer kritisierte er scharf dafür, zunächst die Nutzung einer Militärbasis verweigert zu haben, was Trump als „schockierend“ bezeichnete. Noch härter ging er mit Spanien ins Gericht, das den USA die Nutzung amerikanischer Stützpunkte auf seinem Territorium für Luftangriffe untersagte. „Sie waren unfreundlich“, so Trump, der daraufhin seinen Finanzminister anwies, „alle Deals“ mit Madrid einzustellen. Welche Abkommen genau gemeint waren, blieb zunächst unklar. Merz verzichtete öffentlich darauf, die beiden Verbündeten in Schutz zu nehmen. Auf Nachfrage stimmte er sogar in die Kritik an Spanien ein, allerdings nur bezogen auf dessen Weigerung, sich an die vereinbarten Nato-Verteidigungsausgaben zu halten. Hinter verschlossenen Türen habe er jedoch deutlich widersprochen, wie Merz später in der ARD berichtete: „Ich habe ihm sehr deutlich gesagt: Du kannst hier keinen isolierten Vertrag mit Deutschland abschließen oder einen Vertrag mit ganz Europa, aber Spanien nicht.“

Ukraine: Europa drängt zurück an den Verhandlungstisch

Bei den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über ein mögliches Kriegsende agieren die USA derzeit allein, während Europa an der Seitenlinie steht. Merz will diese Situation ändern und hat Trump gegenüber deutlich gemacht: „Wir sind nicht bereit, ein Abkommen zu akzeptieren, das über unsere Köpfe hinweg verhandelt wird.“ Ob Trump dieser Forderung nachkommen wird, bleibt offen. Eine direkte Reaktion des US-Präsidenten ist aus dem Treffen nicht überliefert. Der Erfolg von Merz' Appell wird sich erst zeigen, wenn die Unterhändler wieder zusammensitzen.

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Keine Fortschritte im Zollstreit zwischen EU und USA

Im Zollstreit zwischen der Europäischen Union und den USA gab es keine nennenswerten Fortschritte. Trump bekräftigte seine Absicht, einen weltweiten Zoll auf Importe in die USA von 15 Prozent einzuführen. Zudem prüfe seine Regierung weiterhin die Möglichkeit, unterschiedliche Zölle für verschiedene Länder zu erheben. Dem europäischen Unmut begegnete Trump mit einem scheinbar scherzhaften Kommentar, der jedoch ernste Untertöne hatte. An den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer gewandt, sagte er: „Wie behandeln wir Deutschland? Ich denke, bei denen solltest du sehr, sehr hart zuschlagen.“ Dabei gab Trump Merz einen Klaps aufs Knie. Der Kanzler schwieg zu diesem Thema lieber. Insgesamt verfolgte Merz im Oval Office erneut die Strategie: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Von den 33 Minuten Redezeit vor laufenden Kameras beanspruchte Merz nur drei Minuten für sich.