Merz-Besuch im Weißen Haus: Warum es diesmal deutlich schwieriger wird
Merz in Washington: Schwieriger Besuch im Weißen Haus

Merz-Besuch im Weißen Haus: Warum es diesmal deutlich schwieriger wird

Der Antrittsbesuch von Bundeskanzler Friedrich Merz im Weißen Haus vor neun Monaten verlief ausgesprochen harmonisch und freundschaftlich. Als der CDU-Politiker im Juni vergangenen Jahres zu Gast war, überreichte er US-Präsident Donald Trump ein persönliches Gastgeschenk: eine goldgerahmte Kopie der Geburtsurkunde von Trumps Großvater Friedrich aus Kallstadt in der Pfalz, dazu einen Golfschläger. Trump erwiderte mit Schmeicheleien, nannte Merz einen „respektierten“ und „guten Mann“ und versprach eine großartige Beziehung zu Deutschland. Kontroverse Themen blieben damals außen vor.

Rückkehr in krisengeschüttelten Zeiten

Wenn Merz nun am Dienstagvormittag ins Oval Office zurückkehrt, dürfte die Atmosphäre deutlich angespannter sein. Ein Hauptgrund ist der brandaktuelle Konflikt: Seit Samstag befinden sich die USA im Krieg mit dem Iran, nachdem sie gemeinsam mit Israel Angriffe gestartet haben. Merz und andere europäische Führungspersönlichkeiten zeigen sich gegenüber diesen Militäraktionen mit einer gewissen Zurückhaltung.

In einer Stellungnahme am Sonntag im Kanzleramt vermied der Kanzler zwar direkte Kritik an den USA und Israel, mahnte jedoch deutlich: „Das ist nicht ohne Risiko.“ Er verwies auf unklare Eskalationsgefahren in der Region und fragte, ob externe Militärschläge überhaupt einen politischen Wandel im Iran ermöglichen könnten.

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Transatlantische Spannungen nehmen zu

Bereits am Vortag hatte Merz in einer gemeinsamen Erklärung mit dem britischen Premierminister Keir Starmer und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron vermieden, sich eindeutig hinter die Angriffe zu stellen. Diese Haltung stieß im Trump-Lager auf scharfe Kritik. Der republikanische Senator Lindsey Graham, ein enger Vertrauter Trumps, äußerte seinen Ärger auf X: „Ihr seid erbärmlich verweichlicht und habt Euren Willen verloren, gegen das Böse anzugehen, soweit es nicht vor Eurer Haustür liegt.“

Interessanterweise hatte Graham den Kanzler auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor zwei Wochen noch für seine klare Haltung im Iran-Konflikt gelobt. Merz hatte damals während einer Indien-Reise im Januar erklärt, dass das iranische Regime faktisch am Ende sei, wenn es sich nur noch mit Gewalt an der Macht halten könne. Diese Aussage wurde von Graham als historisch bedeutsam gewürdigt.

Europäische Beteiligung und weitere Konfliktthemen

Am Sonntagabend folgte eine gemeinsame Erklärung Deutschlands, Großbritanniens und Frankreichs, in der sich die Länder „militärische Defensivmaßnahmen“ vorbehalten. Graham bezeichnete diesen Schritt prompt als „Game Changer“ und zeigte sich erfreut über die mögliche Beteiligung Europas am Kampfgeschehen.

Dennoch planten Trump und der israelische Ministerpräsident den Angriff auf den Iran ursprünglich ganz ohne ihre europäischen Verbündeten – ein weiteres Zeichen für die wachsende Kluft in den transatlantischen Beziehungen. Merz hatte diese Spaltung auf der Münchner Sicherheitskonferenz schonungslos beschrieben, gleichzeitig aber für einen Neustart geworben.

Neben dem Iran-Konflikt stehen in Washington zwei weitere heikle Themen auf der Agenda:

  • Der Zollstreit zwischen den USA und der EU hat sich wieder verschärft, nachdem das Oberste US-Gericht Trump untersagte, Notstandszölle zu verhängen. Der Präsident kündigte an, alternative Wege zu nutzen, um seine Handelspolitik durchzusetzen.
  • Die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland unter US-Vermittlung kommen nicht voran. Die europäischen Verbündeten sind zwar eingebunden, spielen aber keine maßgebliche Rolle.

Ausblick auf den Besuch

Als Merz vor neun Monaten aus Washington zurückreiste, strahlte er Zuversicht aus und bezeichnete sich als „unverbesserlichen Optimisten“ in Bezug auf Amerika. Dass der Kanzler nach dem aktuellen Treffen ähnlich unbeschwert zurückkehrt, erscheint angesichts der komplexen Lage und der vielen Konfliktthemen eher unwahrscheinlich. Die transatlantischen Beziehungen stehen vor einer harten Bewährungsprobe.

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