Merz in Washington: Strategie für die Trump-Show vor dem Hintergrund der Nahost-Eskalation
Merz in Washington: Strategie für die Trump-Show

Merz in Washington: Strategie für die Trump-Show vor dem Hintergrund der Nahost-Eskalation

Hochspannung in der deutschen Delegation in Washington: Um 17 Uhr deutscher Zeit empfängt US-Präsident Donald Trump (79) Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) im Weißen Haus. Die Visite wurde nach Informationen seit Monaten geplant, wobei die ursprüngliche Idee von den Amerikanern stammt.

Neue Realität durch Nahost-Krise

Als der Termin gegen Weihnachten festgezurrt wurde, konnten beide Seiten noch nicht ahnen, dass neben Zollkrise und Ukraine-Krieg ein drittes Großthema die Visite dominieren würde: die Eskalation in Nahost. Jetzt ist der Kanzler der erste Staatslenker, den Trump seit Beginn der Kampfhandlungen empfängt. Auf diese neue Situation muss sich Merz seit dem Wochenende einstellen – da flogen die ersten Raketen auf Teheran.

Der gemeinsame Auftritt der beiden im Weißen Haus ist zugleich auch die erste Pressekonferenz des US-Präsidenten seit Beginn der Kriegshandlungen. Das bedeutet: Merz muss damit rechnen, dass er – noch mehr als bei seiner ersten Visite im Juni 2025 – nur eine Nebenrolle vor dem Kamin im Oval Office spielen dürfte. Erwartet wird einmal mehr eine große Trump-Show.

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Deutsche Fragen zur Eskalation im Nahen Osten

In deutschen Delegationskreisen gibt es Zweifel, ob es einen überzeugenden Plan hinter dem amerikanisch-israelischen Angriff gibt. Merz selbst hat diese Fragen bei seinem Auftritt im Kanzleramt am Sonntag thematisiert. Die zentralen Anliegen der Deutschen lauten:

  • Wo ist der Punkt, an dem die Kampfhandlungen wieder beendet werden?
  • Wie kann sichergestellt werden, dass das iranische Nuklearprogramm wirklich dauerhaft an sein Ende kommt?
  • Wie lassen sich die explodierenden Spritpreise eindämmen?

Die Deutschen können sich vorstellen, dass Trump ein Angebot zum „gemeinsamen Nachdenken“ über den Iran zu schätzen wissen könnte.

Merz‘ Strategie für das Treffen

Merz‘ Strategie könnte also sein: Bei der großen, öffentlichen Pressekonferenz überlässt er Trump die Bühne. Beim gemeinsamen Mittagessen im kleinen Kreise packt der Kanzler „seine“ Themen dann auf den Tisch. Denn eigentlich hatte Merz mit seinem Gastgeber über die neuesten Verwicklungen im Zollkonflikt sprechen wollen.

Trump plant nach dem Supreme-Court-Urteil neue, teils höhere Zölle, aber mehr als 15 Prozent wollen Deutschland und Europa auf keinen Fall zahlen. Weiteren Gesprächsbedarf hat Merz mit Blick auf die Verhandlungen zwischen Amerika, Russland und Ukraine. Kernpunkt seiner Kritik: Dass die Europäer dabei noch nicht mal am Katzentisch sitzen, obwohl vor allem ihre Sicherheitsinteressen berührt sind.

Für all das dürfte realistischerweise aber nun wohl nur Zeit beim Mittagessen im „Cabinet Room“ mit Trump bleiben. Es schließt sich an die – geplante – halbe Stunde im Oval Office an. Denn Merz will mit seinem Gastgeber vertraulich reden. Leichter gesagt als getan in der aktuellen geopolitischen Lage.

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