Merz trifft Trump: Krieg im Nahen Osten dominiert schwieriges Gipfeltreffen
Washington – Drei Tage nach den gemeinsamen Angriffen der USA und Israels auf den Iran ist Bundeskanzler Friedrich Merz in der amerikanischen Hauptstadt Washington eingetroffen. Sein Besuch im Weißen Haus bei US-Präsident Donald Trump steht ganz im Zeichen des eskalierenden Krieges im Nahen Osten, der sich inzwischen weit über die Grenzen des Irans hinaus ausgeweitet hat und große Teile der Region erfasst.
Es handelt sich um den zweiten Besuch des CDU-Kanzlers im Weißen Haus seit seinem Amtsantritt vor zehn Monaten. Während das erste Treffen im vergangenen Juni noch ausgesprochen harmonisch verlief und Trump Merz als „respektierten“ und „guten Mann“ bezeichnete, dürfte die aktuelle Begegnung deutlich schwieriger werden. Die transatlantischen Beziehungen stehen unter erheblicher Belastung.
Das Treffen: Von Oval Office bis gemeinsamen Mittagessen
Für das heutige Treffen sind zunächst 30 Minuten im berüchtigten Oval Office angesetzt – jenem mit Gold verzierten Büro des Präsidenten im Westflügel des Weißen Hauses, in dem Trump bereits andere Staatsgäste wie den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj oder den südafrikanischen Staatschef Cyril Ramaphosa vorführen ließ. Erfahrungsgemäß können solche Termine jedoch deutlich länger dauern als geplant. Im Anschluss ist ein gemeinsames Mittagessen von Merz und Trump vorgesehen.
Der Zeitpunkt könnte kaum brisanter sein: Nur drei Tage zuvor hatten die USA und Israel ihre Angriffe auf den Iran intensiviert, die sich mittlerweile zu einem ausgewachsenen Regionalkrieg entwickelt haben.
Trump zum Iran-Krieg: „Wir prügeln sie windelweich“
Das klar dominierende Thema des Treffens wird der Krieg gegen den Iran sein. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte zuvor erklärt, die USA wollten die iranische Raketenbedrohung und die Marine des Landes zerstören. Der Iran dürfe unter keinen Umständen Atomwaffen besitzen. Bereits jetzt wurden Teile der iranischen Führungsriege getötet sowie militärische Stützpunkte, Atomanlagen und Waffensysteme zerstört.
„Wir prügeln sie windelweich“, sagte Trump am Montag in einer deutlichen Kampfansage. Der US-Präsident gab an, den Krieg in vier bis fünf Wochen beenden zu wollen, räumte aber gleichzeitig ein, dass es möglicherweise länger dauern könnte. „Wir haben noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen“, erklärte er dem Sender CNN. „Die große Welle kommt bald.“
Sowohl Trump als auch Hegseth haben sich in den letzten Tagen über mangelnde Unterstützung durch die europäischen Verbündeten beschwert. Trump zeigte sich insbesondere vom britischen Premierminister Keir Starmer enttäuscht, der die Nutzung britischer Stützpunkte durch die US-Armee zu spät genehmigt habe. Hegseth kritisierte die „traditionellen Verbündeten“ insgesamt, die sich empört zeigten und „beim Einsatz von Gewalt nur zögern und zaudern“.
Merz zum Iran-Krieg: „Das ist nicht ohne Risiko“
Für Bundeskanzler Merz könnte das Treffen daher ungemütlich werden. Zwar hat er Verständnis für die Angriffe geäußert, sich aber nicht klar hinter sie gestellt. Auf direkte Kritik an den beiden wichtigen Verbündeten USA und Israel verzichtete er zwar, mahnte jedoch: „Das ist nicht ohne Risiko.“
Man wisse nicht, zu welcher Eskalation in der Region die harten iranischen Gegenschläge führen würden, so Merz. Es sei zudem unklar, ob durch Militärschläge von außen überhaupt ein politischer Wandel von innen heraus ermöglicht werden könne. Der Kanzler verwies dabei auf die US-Interventionen in Afghanistan, im Irak und in Libyen, die nicht zu den erhofften Zielen geführt hätten.
Diese zurückhaltende Position steht in interessantem Kontrast zu früheren Äußerungen des Kanzlers. Im Januar hatte Merz selbst ein Ende der iranischen Führung vorhergesagt und die Militärschläge gegen den Iran im vergangenen Jahr sehr deutlich unterstützt. „Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht für uns alle“, sagte er damals im ZDF.
Weitere Konfliktthemen: Zollstreit und Ukraine-Krieg
Neben dem Iran-Krieg gibt es weitere konkrete Themen mit erheblichem Konfliktpotenzial, die Merz mit Trump besprechen könnte – sofern neben dem dominierenden Nahost-Konflikt überhaupt Zeit dafür bleibt.
Der Zollstreit zwischen den USA und der EU hat sich wieder zugespitzt, nachdem das Oberste US-Gericht Trump untersagt hat, unter Berufung auf ein Notstandsgesetz Zölle auf den Import von Waren aus vielen Ländern zu verhängen. Daraufhin hatte der US-Präsident angekündigt, nun andere Wege gehen zu wollen, um seine protektionistische Zollpolitik weiterhin durchzusetzen.
Und dann ist da noch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Bemühungen um ein Kriegsende unter Vermittlung der USA kommen nicht vom Fleck, und die europäischen Verbündeten sind an den direkten Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland nicht beteiligt. Dies würde Merz gerne ändern. Er wünsche sich „eine noch engere transatlantische Kooperation“ im Verhandlungsprozess, sagte er vor seiner Abreise nach Washington. Zudem forderte er mehr Druck und Sanktionen, um Russland zu Kompromissen zu bewegen.
Wie es um die Beziehungen zwischen den USA und Europa bestellt ist, hatte Merz zuletzt auf der Münchner Sicherheitskonferenz ziemlich schonungslos beschrieben – auch wenn er gleichzeitig für einen Neustart der transatlantischen Partnerschaft warb. Die „Kluft“ zwischen beiden Seiten sei deutlich sichtbar geworden. Diese Kluft wird sich bei seinem aktuellen Washington-Besuch vermutlich noch vertiefen.



