Nahost-Konflikt: Erste Rückholflüge für gestrandete Deutsche gestartet
Die Eskalation des Nahost-Konflikts hat für Zehntausende deutsche Urlauber dramatische Folgen. Nach der Schließung zahlreicher Lufträume in der Region sitzen Reisende an Flughäfen fest oder harren auf Kreuzfahrtschiffen aus. Die Bundesregierung hat nun erste Evakuierungsmaßnahmen für besonders schutzbedürftige Personen eingeleitet.
Notfallpläne für Kinder, Kranke und Schwangere
Außenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte an, dass ein erster Rückholflug nach Maskat im Oman starten soll. Von dort sollen vor allem Kinder, ältere Menschen, Kranke und schwangere Frauen nach Deutschland gebracht werden. „Wir müssen schauen, wen wir dort mitnehmen können“, erklärte Wadephul im Interview mit Welt TV.
Die Evakuierung gestaltet sich jedoch kompliziert: Die Passagiere müssen zunächst aus den Vereinigten Arabischen Emiraten über Land in den Oman reisen. Das Auswärtige Amt hat sein Personal vor Ort verstärkt, doch die logistischen Herausforderungen bleiben enorm. „Es hängt natürlich auch davon ab: Wer schafft diesen Landweg. Wer kann sich ein Fahrzeug besorgen“, so der Außenminister.
Erste Linienflüge erreichen Deutschland
Bereits am Dienstag konnten erste Urlauber mit regulären Linienflügen nach Deutschland zurückkehren. Eine Maschine der Fluggesellschaft Emirates aus Dubai landete in Frankfurt am Main, ein weiterer Flieger erreichte München. An Bord waren laut Tui-Sprecher etwa 200 Gäste des Reisekonzerns.
Die Erleichterung bei den Rückkehrern war überwältigend. „Wir wussten nicht, ob wir wieder rauskommen“, berichtete eine junge Frau unter Tränen, die auf einem Kreuzfahrtschiff festsaß, als die Angriffe begannen. Familien fielen sich erleichtert in die Arme.
Kritik und Forderungen nach Ausweitung der Aktion
Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetovic fordert eine Erweiterung des Kreises der Evakuierten. „Wir sprechen über Zehntausende deutsche Staatsangehörige in der Region. Es müssen weitere Unterstützungspläne folgen“, sagte er dem Magazin „Focus“. Besonders dringlich sei die Situation junger Menschen, die für ein Freiwilliges Soziales Jahr vor Ort seien – teilweise sogar im Auftrag der Bundesregierung.
Ein Familienvater schilderte die schwierige Situation: „Ich glaube, wir hatten Glück, weil wir den Kleinen dabei hatten.“ Sein Sohn sei quasi die Eintrittskarte in den Flughafen gewesen, während Freunde der Familie lediglich auf einer Warteliste landeten.
Weitere Evakuierungsflüge in Planung
Laut Lufthansa soll ein Airbus A340-300 in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag die ersten besonders schutzbedürftigen Personen nach Deutschland bringen. Weitere Flüge sind in den kommenden Tagen geplant. Wadephul zeigte sich optimistisch: „Ich bin guter Dinge, dass wir jetzt in den nächsten Tagen vorankommen“, so dass „die allermeisten der deutschen Touristen endlich zurückkommen können nach Deutschland“.
Für alle anderen deutschen Staatsbürger außerhalb der besonders hilfsbedürftigen Gruppe bleibt entweder ein längerer Aufenthalt oder die Möglichkeit, direkt von den Vereinigten Arabischen Emiraten aus nach Deutschland zu fliegen.
Internationale Lage bleibt angespannt
Der Konflikt eskalierte am Samstagmorgen, als Israel und die USA mit Luft- und Raketenangriffen auf den Iran begannen. Teheran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel sowie auf Ziele in der Golfregion. Unklar bleibt, wann der Krieg endet und die Lufträume wieder vollständig geöffnet werden.
Auch andere Länder haben mittlerweile mit der Evakuierung ihrer Staatsbürger aus der Region begonnen. Die Situation für die noch vor Ort verbliebenen Deutschen bleibt angespannt, während die Bundesregierung ihre Rückholbemühungen intensiviert.



