Europäische Länder legen Beweise vor: Nawalny durch Nervengift ermordet
Zwei Jahre nach dem Tod des prominenten Kremlkritikers Alexej Nawalny haben Deutschland und vier weitere europäische Staaten auf der Münchner Sicherheitskonferenz eindeutige Beweise vorgelegt. Die Analyse von sterblichen Überresten belegt, dass Nawalny mit einem extrem starken Nervengift getötet wurde, das in russischer Gefangenschaft verabreicht wurde.
Internationale Präsentation mit Nawalnys Witwe
Bei einem gemeinsamen Auftritt am Rande der Sicherheitskonferenz präsentierten Außenminister Johann Wadephul gemeinsam mit Kollegen aus Großbritannien, Frankreich, Schweden und den Niederlanden sowie Nawalnys Witwe Julia die neuen Erkenntnisse. Wadephul erklärte deutlich: „Alexej Nawalny wurde in russischer Gefangenschaft vergiftet.“
Julia Nawalnaja nutzte die Gelegenheit, um erneut schwere Vorwürfe gegen den russischen Präsidenten zu erheben. „Nun haben wir den Beweis, dass Kremlchef Wladimir Putin ein Mörder ist“, sagte sie in ihrer teils auf Russisch gehaltenen Rede. Bereits vor zwei Jahren hatte sie auf derselben Konferenz zum Kampf gegen den russischen Machtapparat aufgerufen.
Hochgiftige Substanz aus Pfeilgiftfröschen
Die toxikologische Analyse ergab das Vorhandensein von Epibaditin, einem Nervengift, das 200-mal stärker wirkt als Morphium. Diese Substanz kommt natürlicherweise im Hautdrüsensekret von Baumsteigerfröschen in Ecuador vor, sogenannten Pfeilgiftfröschen, lässt sich aber auch im Labor herstellen.
Die Wirkungsweise des Giftes ist besonders tückisch:
- Am effektivsten wirkt Epibaditin bei Injektion ins Blut
- Auch bei oraler Aufnahme zeigt es tödliche Wirkung
- Der Tod tritt durch Atemstillstand ein
Politische Forderungen und internationale Reaktionen
Die europäischen Außenminister forderten gemeinsam mit Nawalnaja Konsequenzen für Putin. Allerdings bleiben praktische Maßnahmen schwierig, da bereits bestehende internationale Haftbefehle gegen den Kremlchef aufgrund fehlender Zugriffsmöglichkeiten folgenlos blieben.
Die britische Außenministerin Yvette Cooper zitierte Nawalnys eigene Worte: „Wir müssen das tun, was sie fürchten. Sagt die Wahrheit, verbreitet die Wahrheit. Das ist die mächtigste Waffe.“ Schwedens Außenministerin Maria Stenergard betonte, dies sei ein wichtiger Schritt, um Russland zur Rechenschaft zu ziehen und dessen fortwährende Lügen aufzudecken.
Russische Reaktion und historischer Kontext
Das russische Außenministerium wies die Vorwürfe umgehend zurück. Sprecherin Maria Sacharowa bezeichnete die Veröffentlichung als „Informationskampagne mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit von den drängenden Problemen des Westens abzulenken“.
Nawalnys politische Bedeutung lässt sich an seiner Karriere ablesen:
- Bei der Moskauer Oberbürgermeister-Wahl 2013 erreichte er trotz massiver Behinderungen 27 Prozent gegen den Putin-Vertrauten Sergej Sobjanin
- 2020 überlebte er eine erste Vergiftung und wurde in der Berliner Charité behandelt
- Nach seiner Rückkehr nach Russland wurde er sofort verhaftet und zu langen Haftstrafen verurteilt
- Am 16. Februar 2024 starb er in einer Strafkolonie nördlich des Polarkreises im Alter von 47 Jahren
Internationale Konsequenzen und Chemiewaffenabkommen
Wadephul kritisierte scharf, dass Putin seine Verpflichtungen nach dem Chemiewaffenübereinkommen ignoriere. Da das Gift Epibaditin in Russland nicht natürlich vorkommt und nur im Labor hergestellt werden kann, wurde der Generaldirektor der Organisation für das Verbot chemischer Waffen über die Erkenntnisse informiert.
„Die russischen Behörden hatten die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel, Nawalny das Gift zu verabreichen“, stellte Wadephul klar. Der niederländische Außenminister David van Weel ergänzte: „Die Mühlen der Gerechtigkeit mahlen zwar vielleicht langsam, aber entschlossen für Nawalny.“
Die detaillierte Analyse dauerte aufgrund der komplexen Verfahren zwei Jahre, wie Wadephul auf Nachfrage erklärte. Die Veröffentlichung zum zweiten Todestag sei bewusst gewählt worden, um zu zeigen, dass Putin fürchten müsse, „dass so etwas nicht unter der Decke bleibt“.



