Gavin Newsom enthüllt persönliche und politische Abgründe in Autobiografie
Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom, einer der prominentesten Trump-Widersacher der US-Demokraten, hat im Alter von 58 Jahren seine lang erwarteten Memoiren veröffentlicht. Das autobiografische Werk mit dem deutschen Titel »Mein Leben für die Demokratie« bietet intime Einblicke in private Krisen und die politische Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump.
Trumps Wahlsieg als »schlimmster Albtraum«
Newsom beschreibt detailliert sein Entsetzen über den Wahlsieg Donald Trumps im Jahr 2016. Gemeinsam mit seiner Frau Jennifer Siebel habe er diesen Moment als persönlichen Albtraum erlebt. Der Gouverneur charakterisiert Trumps Gesichtsausdruck nach dem Sieg als den eines Mannes, »der nicht glauben kann, dass der Betrug, den er am amerikanischen Volk verübt hat, tatsächlich erfolgreich gewesen ist«.
In einer späteren Passage schildert Newsom sein erstes persönliches Treffen mit Trump im November 2018, kurz nach seiner eigenen Wahl zum Gouverneur Kaliforniens. Während eines gemeinsamen Fluges zur Besichtigung von Waldbrandschäden gesteht Newsom eine gewisse Faszination für seinen politischen Widersacher ein. »In Trumps Gegenwart ging es mir nicht anders als jedem anderen«, schreibt er und betont die Wirkung von Trumps Amt und seiner rhetorischen Fähigkeiten.
Persönliche Krisen und politischer Aufstieg
Neben der politischen Auseinandersetzung gewährt Newsom schonungslose Einblicke in seine persönlichen Herausforderungen:
- Seine lebenslange Lesestörung, die ihn seit der Kindheit begleitet
- Alkoholprobleme, die seinen frühen Werdegang prägten
- Das Scheitern seiner ersten Ehe nach nur vier Jahren
- Eine kurze Affäre mit einer Mitarbeiterin, die mit seinem Vize-Stabschef verheiratet war – von Newsom selbst als »dümmste und auch kürzeste Affäre« bezeichnet
Der Demokrat betont in seinem Buch und begleitenden Social-Media-Beiträgen: »Kein Leben verläuft geradlinig«. Seine Memoiren widmete er bewusst seiner zweiten Ehefrau Jennifer Siebel und den vier gemeinsamen Kindern.
Privilegierte Herkunft und politische Ambitionen
Kritiker werfen Newsom vor, sein privilegiertes Aufwachsen in den Memoiren zu verharmlosen. Sein Vater William Newsom war ein einflussreicher Jurist mit engen Verbindungen zum Getty-Ölkonzern. Die Scheidung seiner Eltern und der frühe Tod seiner Mutter im Alter von 55 Jahren prägten jedoch ebenfalls seine Jugend.
Newsoms politische Karriere verlief von Bürgermeister San Franciscos zum Gouverneur Kaliforniens, wo er seit 2019 amtiert. Als einer der lautstärksten Trump-Gegner wird er seit Jahren als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat für die Wahl 2028 gehandelt. Seine Memoiren positionieren ihn deutlich als Verteidiger demokratischer Werte und scharfen Kritiker des Trumpismus.
Das Buch, das mit Unterstützung eines Ghostwriters entstand, ist aktuell auf Werbetour in den USA und erscheint parallel in deutscher Übersetzung beim Verlag S. Fischer. Es dokumentiert nicht nur eine persönliche Entwicklung, sondern auch die tiefe Spaltung der amerikanischen Politik in der Trump-Ära.



