Vier Jahre nach Kriegsbeginn: Olena Kurylo, das erste Gesicht des Ukraine-Konflikts, spricht über Friedenssehnsucht
Olena Kurylo: Vom Kriegsgesicht zur Friedensstimme nach vier Jahren

Vom ersten Kriegstag zur Symbolfigur: Olena Kurylos langer Weg

Sie wurde zum ersten Gesicht des Ukraine-Krieges, als ihr Bild am 24. Februar 2022 um die Welt ging. Olena Kurylo, heute 56 Jahre alt, erlitt gleich am ersten Tag des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine schwere Verletzungen durch Glassplitter einer explodierenden Rakete. Ihr Wohnhaus in der Stadt Tschuhujiw, etwa 40 Kilometer südöstlich von Charkiw gelegen, wurde direkt getroffen.

Der Albtraum wird Wirklichkeit

Bevor Wladimir Putins Truppen die Ukraine angriffen, hatte Olena Kurylo einen beunruhigenden Traum: Sie musste vor einem Bombenhagel fliehen. Als sie ihren Kollegen davon erzählte, lachten diese sie aus und fragten: „Was für ein Krieg denn?“ Nur wenige Tage später, am 24. Februar 2022, wurde dieser Albtraum grausame Realität. Russische Truppen griffen die Ukraine an, und eine Langstreckenrakete schlug direkt in Olena Kurylos Vorgarten ein.

Heute, nach vier Jahren Krieg, sagt sie der Londoner „Times“: „Wir reden gar nicht mehr von Sieg für die Ukraine. Wir beten nur noch für Frieden. Wir wollen, dass der Krieg hier und jetzt endet.“ Allerdings zeigt sie sich skeptisch gegenüber den von den USA vermittelten Friedensgesprächen zwischen Russland und der Ukraine. „Sie sind eine Farce“, erklärt sie deutlich.

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Der Moment, der alles veränderte

Den Augenblick, als 2022 ihre Fenster zersprangen und die Glassplitter auf sie zuflogen, sieht Olena Kurylo bis heute in Zeitlupe vor sich. Die Splitter trafen sie direkt im Rücken, an der Schulter und mitten im Gesicht. Blut lief in ihre Augen. „Ich will noch nicht sterben“, dachte sie in diesem Moment, wie sie später der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Sie schrie, verband sich notdürftig und rannte auf die Straße, wo sie überall verletzte Menschen sah – doch nirgendwo gab es Hilfe.

Während sie sich verzweifelt umschaute, drückte ein Fotograf der Presseagentur AFP auf den Auslöser. Dieses Bild von Olena Kurylo ging um die Welt und machte sie zur Symbolfigur des grausamen russischen Angriffskrieges, der sich vom ersten Tag an gegen ukrainische Zivilisten richtete.

Leben mit den Folgen

Nach dem Angriff auf ihr Wohnhaus floh Olena Kurylo mit ihrem Freund quer durch die Ukraine und weiter nach Polen. In Warschau ließ sie sich mehrfach am Auge operieren. Doch die Verwundungen durch die Glasscherben sind so schwerwiegend, dass sie trotz zahlreicher Operationen jeden Tag Schmerzen hat. Auf einem Auge ist sie fast blind, ihr fallen Zähne aus.

Journalisten, die sie am Tag des Angriffs fotografierten, helfen ihr dabei, Spenden für weitere Operationen zu sammeln. Trotz allem, was Olena Kurylo in ihrer Heimat erlebt hat, kehrt sie immer wieder in die Ukraine zurück. „Es ist mein Zuhause. Daran ändert der Krieg nichts“, betont sie.

Friedenssehnsucht und politische Realität

Olena Kurylo ist immer noch fassungslos über den Krieg. „Vier Jahre Krieg sind erschreckend. Vier Jahre, in denen sich Kinder nicht normal entwickeln können. Alles nur wegen der Ambitionen eines Mannes“, sagt sie und meint damit Kreml-Kriegsherr Wladimir Putin (73).

Im Gespräch mit dem „Dailystar“ sagte sie im vergangenen Jahr: „Der Krieg ist ein Krebstumor für die ganze Welt. Wir müssen handeln, um die weitere Ausbreitung dieses Tumors zu stoppen, bevor es zu spät ist.“ Ihre Worte spiegeln die Verzweiflung vieler Ukrainer wider, die nach vier Jahren Konflikt vor allem eines wollen: Frieden.

Ihre Geschichte steht exemplarisch für das Schicksal unzähliger Zivilisten, die unter diesem Krieg leiden. Während die politischen Verhandlungen stocken, bleibt Olena Kurylo mit ihren täglichen Schmerzen und der Sehnsucht nach einem Ende der Gewalt zurück – ein menschliches Gesicht in einem Konflikt, der längst zu einer globalen Krise geworden ist.

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