Eskalation im Grenzkonflikt: Pakistanische Luftangriffe fordern zahlreiche zivile Opfer
Im Schatten des Iran-Kriegs hat sich der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan dramatisch zugespitzt. Nach jüngsten pakistanischen Luftangriffen auf die afghanische Hauptstadt Kabul werfen die regierenden Taliban dem Nachbarland einen verheerenden Angriff auf eine zivile Einrichtung vor. Laut Angaben der Taliban-Regierung wurden bei dem Angriff auf eine Entzugsklinik für Drogenabhängige Hunderte Menschen getötet.
Massive Opferzahlen nach Angriff auf medizinische Einrichtung
Der stellvertretende Taliban-Sprecher Hamdullah Fitrat teilte auf der Plattform X mit, dass bei dem Angriff auf die Klinik etwa 400 Menschen den Tod gefunden hätten. Weitere 250 Personen seien verletzt worden. Die betroffene Einrichtung verfüge nach afghanischen Angaben über mehr als 2.000 Betten und diene der Behandlung von Drogenabhängigen.
Pakistan wies die Darstellung der Taliban umgehend zurück. Das pakistanische Informationsministerium erklärte auf X, man habe ausschließlich militärische Einrichtungen, Terrorunterstützungsinfrastruktur sowie Ausrüstungs- und Munitionslager in Kabul und der östlichen Provinz Nangarhar angegriffen. Die Angriffe würden "präzise" durchgeführt, um Kollateralschäden zu vermeiden.
UN-Sonderberichterstatter zeigt sich bestürzt
Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Afghanistan, Richard Bennett, äußerte sich in einem X-Post "bestürzt über jüngste Berichte über Luftangriffe Pakistans in Afghanistan und die daraus resultierenden zivilen Opfer". Die Angaben beider Konfliktparteien ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Fernsehbilder des afghanischen Senders Tolonews zeigten nach den Angriffen weiträumige Feuer- und Rauchsäulen sowie große Menschenmengen bei Bergungsarbeiten in zerstörten Anlagen. Die Bilder dokumentieren das Ausmaß der Zerstörung in der afghanischen Hauptstadt.
Anhaltender Grenzkonflikt mit zivilen Opfern
Bereits in den vergangenen Wochen hatte es mehrere pakistanische Luftangriffe auf afghanisches Territorium gegeben. Laut der UN-Hilfsmission in Afghanistan (Unama) wurden bis vergangenen Freitag in dem seit Ende Februar andauernden Konflikt mindestens 75 Zivilisten getötet und 193 verletzt. Afghanistan hatte seinerseits zuletzt auch Ziele in Pakistan angegriffen, darunter in der Hauptstadt Islamabad.
Pakistan wirft den in Kabul regierenden islamistischen Taliban vor, Terrorgruppen zu unterstützen - eine Anschuldigung, die die Taliban stets zurückweisen. Bereits im vergangenen Herbst war es zu gegenseitigen Angriffen gekommen, ohne dass bei verschiedenen Gesprächsrunden ein nachhaltiger Frieden erreicht werden konnte.
Diplomatische Bemühungen gescheitert
Die jüngste Eskalation folgte auf pakistanische Luftangriffe am 22. Februar in zwei afghanischen Provinzen. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif sprach Ende Februar von einem "offenen Krieg" zwischen beiden Ländern.
Zuletzt hatte China versucht, in dem Konflikt zu vermitteln. Auch die militärisch unterlegenen Taliban hatten auf einen Dialog gedrängt. Mit den neuerlichen Luftangriffen auf Kabul könnte sich die Situation jedoch grundlegend ändern. Der Sprecher der Taliban-Regierung, Sabiullah Mudschahid, sagte dem Sender Tolonews nach den jüngsten Angriffen, nun sei nicht die Zeit für Diplomatie. Afghanistan werde zurückschlagen.
Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan entwickelt sich damit zu einer ernsthaften regionalen Krise, die internationale Besorgnis hervorruft und die ohnehin fragile Sicherheitslage in der Region weiter destabilisiert.



