Putins Drohnenangriff verwüstet Geburtsklinik in Odesa
In der Nacht zum Samstag um 1.30 Uhr schlug eine russische Kamikaze-Drohne in das Dach der Geburtsklinik No.5 in der ukrainischen Hafenstadt Odesa ein. Die Explosion richtete massive Zerstörungen an, doch alle 27 Mediziner, 32 Frauen und Mütter sowie ihre 22 Babys überlebten das Bombardement wie durch ein Wunder. Die Geburtshelferin Natalia (34), die seit Jahren in der Klinik arbeitet, berichtet über die dramatischen Ereignisse und die Folgen des Angriffs.
Evakuierung in letzter Sekunde rettet Leben
Natalia war zufällig nicht vor Ort, als die Drohne einschlug, stand aber in ständigem Kontakt mit ihren Kollegen. „Während des Alarms wurden alle sofort in den Schutzraum gebracht. Man hörte eine Explosion“, schildert die Geburtshelferin die dramatischen Minuten. Der Klinikdirektor Ihor Shpak erklärte gegenüber ukrainischen Medien, dass sich unter den evakuierten Neugeborenen auch Zwillinge mit niedrigem Geburtsgewicht befanden, die künstlich beatmet werden mussten. Dank der speziell ausgestatteten Neugeborenen-Intensivstation im Schutzraum konnte die lebenswichtige Beatmung ohne Unterbrechung fortgesetzt werden.
Zerstörung und Aufräumarbeiten
Die Ärztin Viktoria (38), die während des Angriffs in der Klinik war, half gemeinsam mit Kollegen, das durch die Explosion ausgelöste Feuer zu löschen. Videoaufnahmen zeigen das Ausmaß der Verwüstung:
- Eingestürzte Wände und herabgefallene Deckenplatten
- Aus den Rahmen gesprungene Fenster
- Überall verstreute Trümmerteile und Glassplitter
- Zerstörte medizinische Geräte und Einrichtungen
Die Klinik, deren Fassade erst kürzlich renoviert worden war, ist vorerst nicht mehr nutzbar. „Ein Großteil der Arbeiten war fast abgeschlossen. Jetzt muss alles wieder repariert werden“, berichtet Natalia resigniert.
Folgen für Mitarbeiter und Patientinnen
Die Zerstörung trifft das medizinische Personal besonders hart. Viele Kollegen sind nun ohne Arbeit, darunter Hebammen, Pflegehilfskräfte, Krankenschwestern und Ärzte, deren Einkommen von der Anzahl der Geburten abhing. „Die Stationen, die teils in Eigenarbeit aufgebaut wurden, sind zerstört“, erklärt Natalia. Auch die erst kürzlich eröffnete postoperative und operative Abteilung wurde beschädigt.
Der reguläre Betrieb kann voraussichtlich erst in drei Monaten wieder aufgenommen werden. Während einige Ärzte mit ihren Patientinnen in benachbarte Entbindungskliniken ausweichen können, sucht das restliche Personal nach Lösungen. Natalia selbst arbeitet als unabhängige Geburtshelferin nun mit einem anderen Krankenhaus zusammen.
Historischer Kontext und aktuelle Lage
Der Angriff auf die Geburtsklinik erinnert an die Gräueltaten von Butscha vor vier Jahren, als russische Soldaten ein Massaker an Zivilisten verübten. Der Krieg in der Ukraine zeigt damit erneut seine brutale Realität, die auch vor medizinischen Einrichtungen und den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft nicht Halt macht. Trotz der schrecklichen Zerstörung gibt der Umstand, dass alle Insassen überlebten, einen kleinen Hoffnungsschimmer inmitten der täglichen Horrormeldungen aus dem Kriegsgebiet.



