Die Lage am Morgen: Rubio soll kitten, was Trump zertrümmert hat. Von Mathieu von Rohr. Heute geht es um die Probleme von Labour bei den britischen Kommunalwahlen. Außerdem: Die USA bombardieren erneut Ziele im Iran, US-Außenminister Rubio reist nach Rom. Und: Ein Kreuzfahrtschiff mit einem Hantavirus-Ausbruch sorgt für Panik.
Ist Starmer der nächste britische Premier, der aufgeben muss?
In England, Schottland und Wales wurde gewählt – und die Frage, die diesen Freitag in Westminster gestellt wird, lautet: War es das bereits mit Keir Starmer? Zwar sind es nur Regional- und Kommunalwahlen. Doch Starmers Gegnern gelten sie als Referendum über den Premier. In Schottland und Wales wählten die Bürger neue Regionalparlamente. In England stimmten die Menschen über Tausende Sitze in Bezirksräten und über einige Bürgermeisterposten ab.
Die Auszählungen liefen die ganze Nacht, manche Ergebnisse dürften erst gegen Mittag vorliegen. Erwartet werden schwere Verluste für Starmers Labour-Partei. Die Umfragen hatten angekündigt: Labour werde bei weißen Arbeitern massiv Stimmen an die rechtspopulistische Reform UK von Nigel Farage verlieren – und in den Städten an die Grünen. Mit der Konkurrenz durch Liberaldemokraten und Walisische Nationalisten ist Großbritannien dabei, sich vom alten Zwei-Parteien-System zu verabschieden. Die Briten haben heute fünf konkurrierende Parteien.
Farage hat aus Reform eine politische Maschine gemacht – die einzige Partei mit realistischen Chancen auf Platz eins oder zwei in allen drei Landesteilen. Nun zeigt sich, ob die Wähler ihr auch die Verantwortung in den Rathäusern anvertrauen. Wenn ja, beginnt heute der Wahlkampf um die nächste Unterhauswahl. Je nachdem, wie schlimm das Ergebnis für Labour ausfällt, könnte es Starmer das Amt kosten. Die Hürde für eine Absetzung ist hoch: 81 der 403 Labour-Abgeordneten im Parlament, ein Fünftel, müssten schriftlich einen Gegenkandidaten nominieren. Dann gibt es eine Urwahl, bei der Starmer automatisch auf dem Stimmzettel steht.
Starmer regiert seit knapp zwei Jahren und hat sein Versprechen nicht halten können, Großbritannien aus dem Tory-Chaos zu führen. Je nach Ausmaß der Verluste sind drei Verläufe denkbar: Er bleibt, weil kein klarer Nachfolger bereitsteht. Er organisiert bis zum Parteitag im September selbst einen Übergang. Oder die 81 Abgeordneten, die einen Gegenkandidaten nominieren müssten, finden sich – dann wäre er der erste Labour-Premier seit Tony Blair 2007, der unter dem Druck der eigenen Partei geht.
Die USA bombardieren Iran – und sagen, es sei kein Krieg
Die USA bombardierten in der Nacht auf Freitag iranische Militäranlagen – während Donald Trump zugleich betonte, dies sei keine Wiederaufnahme des Kriegs. Weiterhin gilt: Ceci n'est pas une guerre – ein Krieg, der keiner sein darf. Auf der Insel Qeshm und in Bandar-e Abbas waren in der Nacht Explosionen zu hören, zuvor sollen die iranischen Streitkräfte in der Straße von Hormus amerikanische Zerstörer angegriffen haben.
Wer in dieser Nacht das Feuer eröffnet hat, ist bislang nicht eindeutig geklärt – fest steht, dass es die schwerste Eskalation seit Beginn der vier Wochen alten Waffenruhe ist. Gleichzeitig laufen die durch Pakistan vermittelten Verhandlungen zwischen Iran und den USA weiter. Iranische Regierungsvertreter berichteten der „New York Times“ von einem neuen Plan zur Beendigung des Kriegs: 30 Tage Waffenruhe, Aufhebung der amerikanischen Hafenblockade, freie Schifffahrt durch die Straße von Hormus, anschließend Verhandlungen über alles Weitere. Der Knackpunkt im 30-Tage-Plan ist die alte Frage, an der schon die Verhandlungen in Pakistan im April gescheitert sind: Was geschieht mit Irans Nuklearprogramm und seinem Bestand an hochangereichertem Uran?
Eine vertrauliche CIA-Analyse, die der „Washington Post“ zugespielt wurde, zieht eine für die USA desaströse Bilanz des Kriegs: Iran könne die amerikanische Seeblockade noch drei bis vier Monate durchhalten, bevor die wirtschaftliche Lage kritisch werde. Und: Trotz Wochen amerikanisch-israelischer Bombardements verfüge das Regime weiter über rund 75 Prozent seiner mobilen Raketenwerfer und etwa 70 Prozent seines Vorkriegsbestands an Raketen. Trump hatte am Mittwoch im Oval Office erklärt, Irans Raketen seien „größtenteils zerstört“, übrig seien „vielleicht 18, 19 Prozent“.
Trump nannte Meloni feige – jetzt schickt er Rubio zum Reparieren
Marco Rubio muss heute eine Beziehung kitten, die sein eigener Präsident öffentlich zertrümmert hat. Donald Trump nannte Italien Ende April „keine Hilfe“ im Irankrieg, weil Rom amerikanischen Militärflugzeugen den Zugang zu italienischen Stützpunkten verweigerte. Kurz darauf kündigte Trump öffentlich an, einen US-Truppenabzug aus Italien zu prüfen. Rund 12.000 amerikanische Soldaten sind dort stationiert; nur in Deutschland sind es mehr.
Giorgia Meloni hatte Trumps Verhalten im Irankrieg „inakzeptabel“ genannt – konkret seine Drohung, eine „ganze Zivilisation“ sterben zu lassen, und seine Angriffe auf den US-amerikanischen Papst Leo XIV. Trump revanchierte sich mit dem Satz, er habe geglaubt, Meloni habe „Mut“, sich aber geirrt. Das Verhältnis ist nicht ganz so beschädigt wie das zwischen Merz und Trump – aber ziemlich angeknackst.
Was Rubio heute in Rom gelingen kann, ist begrenzt. Er kann freundliche Worte sprechen, vielleicht Trumps Drohungen relativieren. Doch er kann nicht ändern, woran sein Präsident glaubt: dass Bündnispartner Vasallen sind, blinden Gehorsam leisten müssen – und ansonsten bestraft werden. Gestern schon hatte Rubio ein unentspanntes Zusammentreffen: Er machte dem Papst seine Aufwartung, einem Lieblingsfeind seines Chefs. Ein mittlerweile virales Video zeigt, wie der katholische US-Außenminister dem amerikanischen Papst als Präsent einen winzigen American Football aus Kristallglas überreicht – den Leo XIV. eher ungerührt entgegennimmt. „Okay“, sagt der.
Putin verabschiedet sich aus der Gegenwart
Wladimir Putin feiert mit seinem Land am 9. Mai den Sieg über Hitlerdeutschland. Der Sieg über die Ukraine der Gegenwart bleibt aus. Der Kremlherr zieht sich in die Vergangenheit zurück.
Verlierer des Tages: Passagiere der MV „Hondius“
Verlierer des Tages sind die Passagiere der MV „Hondius“, einem luxuriösen Expeditions-Kreuzfahrtschiff, das am 1. April in Ushuaia, Argentinien, zu einer Vogelbeobachtungsreise ausgelaufen ist und am Sonntag in Teneriffa einlaufen soll. An Bord: ursprünglich rund 150 Menschen aus 28 Ländern. Inzwischen gibt es drei Tote, fünf bestätigte Fälle des Hantavirus, weltweit werden Infektionsketten nachverfolgt – und die WHO versichert, dies sei nicht der Beginn einer neuen Pandemie.
Das Hantavirus überträgt sich normalerweise von Nagetieren auf Menschen. An Bord der MV „Hondius“ wurde nun zum ersten Mal überhaupt eine Übertragung von Mensch zu Mensch dokumentiert. Auf Teneriffa, wo das Schiff am Sonntag trotz allem einlaufen soll, halten Anwohner die geplante Ankunft für rücksichtslos. Die verbliebenen Passagiere warten auf ihre Heimreise mit anschließender 45-tägiger Isolation. Weltweit wird bereits nach Mitreisenden gesucht, die Ende April auf Saint Helena ausgestiegen und über Johannesburg, Amsterdam und andere Drehkreuze in alle Welt gereist waren.
Trotz der beruhigenden Worte der WHO werden Erinnerungen an die Coronapandemie wach. Besonders heftig ist die Stimmung in Spanien: Dort kommt das Trauma der Lockdowns wieder hoch.
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
US-Gericht erklärt Trumps globalen Zehn-Prozent-Zoll für unrechtmäßig: Nächster juristischer Rückschlag für den US-Präsidenten. Donald Trumps weltweiter Zoll von zehn Prozent ist laut einem Handelsgericht nicht zulässig. Nun soll es Rückzahlungen geben – und zwar schnell. Der SC Freiburg steht im Endspiel der Europa League: Unter den Augen von Joachim Löw bestrafte Lukas Kübler ein dezimiertes Team aus Braga. Bei den Fans brachen alle Dämme, auch die Spieler wurden emotional. FBI-Chef verschenkte Custom-Whiskey-Flaschen – mit Logo seiner Behörde: Kash Patel steht in der Kritik, weil er laut Medienberichten angeblich gern tief ins Glas schaut – was dieser bestreitet. Da kommt eine neue Enthüllung für den FBI-Leiter zur Unzeit: Dieses Mal geht es um ganze Flaschen.
Heute bei SPIEGEL Extra: Die Spätzlepresse muss vorher ins Tiefkühlfach. Dann gelingt das Spaghettieis. Wer hat's erfunden? Ein Mannheimer Teenager! 1969 nahm sich Dario Fontanella im väterlichen Eiscafé eine Spätzlepresse und legte los. Sie möchten auch? Dann befolgen Sie diese Tipps.



