Siko 2026: Massenprotest für Iran und sicherheitspolitische Debatten in München
Vom 13. bis 15. Februar 2026 fand in München die 62. Münchner Sicherheitskonferenz statt, ein internationales Forum für Sicherheits- und Außenpolitik im Hotel Bayerischer Hof. Parallel dazu erlebte die Stadt eine der größten Demonstrationen der letzten Jahrzehnte.
Friedliche Großdemo mit bis zu 250.000 Teilnehmern
Am Samstag, dem 14. Februar, versammelten sich auf der Theresienwiese nach Polizeiangaben bis zu 250.000 Menschen zu einer friedlichen Kundgebung unter dem Motto "Menschenrechte und Freiheit für Iran". Die Veranstaltung, organisiert vom Verein The Munich Circle, verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle. Thomas Schelshorn, Leiter der Pressestelle der Polizei München, bezeichnete die Versammlung als "sehr friedlich" und meldete bis 16:30 Uhr keine Festnahmen.
Höhepunkt der Demo war der Auftritt von Reza Pahlavi, dem Sohn des 1979 gestürzten Schahs, der vor der Menge ankündigte, den "Übergang" im Iran zu einer demokratischen Zukunft führen zu wollen. Trotz strömenden Regens harrten tausende Teilnehmer bis in den späten Nachmittag aus, was zu erheblichen Verkehrsbehinderungen im Umfeld der Theresienwiese führte. Die Polizei warnte vor Sperrungen an U- und S-Bahnhöfen und riet zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.
Selenskyj mahnt zu mehr Tempo bei der Ukraine-Hilfe
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nutzte seinen Auftritt auf der Sicherheitskonferenz, um den Westen zu mehr Geschwindigkeit bei der Unterstützung seines Landes aufzurufen. Er betonte, Russland habe seine Angriffswaffen massiv weiterentwickelt, und forderte insbesondere weitere Raketen für die Flugabwehr, um die Zerstörung des ukrainischen Energienetzes zu stoppen. Selenskyj warnte: "Je länger der Krieg dauert, umso gefährlicher wird Putin."
Merz und Macron diskutieren europäischen Atomschirm
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte in seiner Eröffnungsrede Gespräche mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über eine europäische nukleare Abschreckung an. Merz betonte jedoch Deutschlands Verpflichtung zum Verzicht auf Atomwaffen gemäß dem Zwei-Plus-Vier-Vertrag. Nato-Generalsekretär Mark Rutte äußerte sich zurückhaltend zu einem europäischen Atomschirm und verwies auf die überlegene Stärke der USA.
Weitere sicherheitspolitische Highlights
- US-Außenminister Rubio schlug in seiner Rede versöhnliche Töne an und betonte die gemeinsamen Werte zwischen USA und Europa, verteidigte aber zugleich die Politik von Präsident Trump.
- Julia Nawalnaja, Witwe des russischen Oppositionsführers Alexei Nawalny, beschuldigte den Kreml der Ermordung ihres Mannes mit Nervengift.
- Proteste gegen die Sicherheitskonferenz fanden auch in der Innenstadt statt, darunter eine Kundgebung am Marienplatz mit etwa 2.000 Teilnehmern, bei der linke Gruppen gegen Aufrüstung demonstrierten.
- Ein Unfall auf der Autobahn 9 bei Paunzhausen stoppte eine Kolonne der Bereitschaftspolizei auf dem Weg nach München, wobei acht Fahrzeuge verwickelt und mehrere Beamte leicht verletzt wurden.
Hintergrund und Rahmenbedingungen
Die Münchner Sicherheitskonferenz zog zahlreiche Spitzenpolitiker aus aller Welt an und führte zu umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen, einschließlich Sperrungen rund um den Promenadeplatz und Beeinträchtigungen im öffentlichen Nahverkehr. Die Demonstrationen, darunter auch kleinere Aktionen von Gruppen wie Greenpeace, unterstreichen die kontroverse Natur der Veranstaltung. Mit bis zu 250.000 Teilnehmern übertraf die Iran-Demo die meisten Proteste der letzten Jahrzehnte in München, vergleichbar nur mit großen Anti-AfD-Demos im Jahr 2025.
Insgesamt bot die Siko 2026 eine Plattform für intensive Debatten über globale Sicherheitsfragen, während die Straßen Münchens von friedlichem, aber massivem Protest geprägt waren.



