Trump verlängert Waffenruhe im Iran-Krieg - Keine Entspannung in Sicht
Die von den USA einseitig verlängerte Waffenruhe im Iran-Krieg hat die angespannte Lage im Nahen Osten nicht entschärft. US-Präsident Donald Trump erklärte überraschend in letzter Minute die Verlängerung der Feuerpause auf unbestimmte Zeit, doch der Iran zeigt sich äußerst skeptisch und droht mit weiteren Eskalationen.
Iranische Revolutionsgarden bleiben in höchster Alarmbereitschaft
Die iranischen Streitkräfte befinden sich nach eigenen Angaben auf dem „Höhepunkt der Bereitschaft“ zur Fortsetzung der Kampfhandlungen. In einer offiziellen Erklärung der mächtigen Revolutionsgarden hieß es, dass in einer neuen Eskalationsphase „vernichtende und für den Feind unvorstellbare Schläge“ gegen verbleibende Vermögenswerte in der Region ausgeführt werden könnten.
Ein Berater des iranischen Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf äußerte den Verdacht, dass Trumps Verlängerung der Waffenruhe eine List sein könnte, um „Zeit für einen Überraschungsangriff zu gewinnen“. Der Iran vermutet hinter der amerikanischen Geste strategisches Kalkül und weist darauf hin, dass die fortgesetzte US-Seeblockade iranischer Häfen als kriegerischer Akt zu werten sei.
Angespannte Lage in der Straße von Hormus
Wie explosiv die Situation bleibt, zeigen aktuelle Vorfälle in der strategisch wichtigen Meerenge:
- Irans Streitkräfte haben nach eigenen Angaben drei Frachtschiffe angegriffen und manövrierunfähig gemacht
- Die Containerschiffe „Epaminondas“ (Liberia-Flagge), „MSC Francesca“ (Panama-Flagge) und „Euphoria“ (angeblich griechischer Besitz) wurden attackiert
- Zwei der Schiffe wurden beschlagnahmt und in iranische Gewässer gebracht
Der Iran kündigte an, die für den globalen Ölhandel entscheidende Straße von Hormus nicht freizugeben, solange die US-Blockade andauert. Notfalls werde sie mit Gewalt durchbrochen, meldete die Nachrichtenagentur Tasnim, das Sprachrohr der Revolutionsgarden.
Drohungen gegen Golfstaaten und Ölmärkte
Ein Kommandeur der Revolutionsgarden nannte laut der Agentur Fars konkrete Ziele für den Fall weiterer Eskalation:
- Ölfelder in benachbarten Golfstaaten
- Raffinerien in der Region
Diese würden ins Visier genommen, falls die Staaten den USA und Israel weiterhin erlauben würden, „ihr Territorium zu nutzen“. An den Ölmärkten zeichnet sich vor diesem Hintergrund keine echte Entspannung ab. Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete zuletzt 99 Dollar pro Barrel, nachdem sie kurzzeitig über die 100-Dollar-Marke gestiegen war.
Wirtschaftliche Auswirkungen und internationale Reaktionen
Die deutsche Bundesregierung hat ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr aufgrund der Folgen des Iran-Kriegs halbiert. Erwartet wird nun ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von nur noch 0,5 Prozent, nachdem im Januar noch mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet worden war.
US-Finanzminister Scott Bessent betonte die Wirksamkeit der amerikanischen Seeblockade: „Die Beschränkung des iranischen Seehandels zielt direkt auf die wichtigsten Einnahmequellen des Regimes ab“. Die Lager auf der für den Ölhandel wichtigen Insel Charg würden in wenigen Tagen voll sein, was zur Stilllegung von Ölfeldern führen müsse.
Unklar bleibt vorerst die Haltung Israels. Vonseiten des Büros von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gab es zunächst keine Reaktion auf Trumps Ankündigung. Israel und die USA hatten den Krieg gemeinsam am 28. Februar begonnen.
Trumps Begründung und Ausblick
Der US-Präsident begründete seine Entscheidung mit der tiefen Spaltung der iranischen Führung. Er werde die Feuerpause verlängern, bis aus dem Iran ein „geeinten Vorschlag“ zur Beilegung des Konflikts komme. Am Vortag hatte Trump eine Verlängerung der Waffenruhe noch als „sehr unwahrscheinlich“ bezeichnet.
Ohne die Verlängerung wäre die Waffenruhe laut Trump in der deutschen Nacht zum Donnerstag ausgelaufen. Das US-Regionalkommando Centcom betonte auf X, man bleibe weiterhin einsatzbereit. Beide Seiten sehen eine weitere Eskalation als jederzeit möglich an.



