Ukraine-Gespräche in Genf enden abrupt ohne greifbares Ergebnis
Die zweitägigen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in Genf sind unerwartet schnell und ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gegangen. Nach knapp zweistündigen Gesprächen am zweiten Tag verließ die russische Delegation den Verhandlungsort, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass berichtete. Die Gesprächsrunde unter Vermittlung der USA brachte keine öffentlich bekannten Fortschritte.
Atmosphäre als "sehr angespannt" beschrieben
Der Moskauer Delegationsleiter Wladimir Medinski, ehemaliger Kulturminister und derzeitiger Berater von Kremlchef Wladimir Putin, kündigte lediglich ein weiteres Treffen in naher Zukunft an. Er beschrieb die Verhandlungen als schwierig, aber sachlich. Interessanterweise bezeichneten Moskauer Staatsmedien die Atmosphäre in Genf sogar als "sehr angespannt".
Im Kontrast dazu schrieb der US-Sondergesandte Steve Witkoff auf X, die Bemühungen von Präsident Donald Trump, beide Seiten zusammenzubringen, hätten "bedeutsame Fortschritte" gebracht. Diese widersprüchlichen Darstellungen unterstreichen die Komplexität der diplomatischen Lage.
Selenskyj beklagt russische Verzögerungstaktik
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte bereits vor dem zweiten Verhandlungstag auf Telegram geschrieben, dass Russland versuche, die Verhandlungen zu verzögern, obwohl diese sich bereits in der Endphase befinden könnten. Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow bestätigte zwar intensive und substanzielle Gespräche, blieb aber in seinen Aussagen vage: "Es gibt Fortschritte, aber in dieser Phase können keine Details bekanntgegeben werden."
Nächster Schritt sei laut Umjerow, ein "Niveau an Übereinstimmung" zu erreichen, um den Präsidenten Lösungen vorlegen zu können. Kommende Woche, am 24. Februar, geht der von Putin befohlene Angriffskrieg gegen die Ukraine in das fünfte Jahr.
Die Rolle des russischen Chefunterhändlers Medinski
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der russische Verhandlungsführer Wladimir Medinski, der bereits bei früheren Gesprächen in Istanbul 2022 und 2025 die russische Delegation geleitet hatte. Der als politischer Beobachter des US-Nachrichtenportals "Axios" gut informierte Journalist Barak Ravid berichtete, der politische Teil der Gespräche stecke in einer Sackgasse - Grund dafür seien Positionen des Moskauer Verhandlungsführers.
Medinski, der aus der Zentralukraine stammt, wird nachgesagt, in vorherigen Verhandlungsrunden längere historische Vorträge zur Geschichte der Ukraine aus Moskauer Sicht gehalten zu haben. Selenskyj kommentierte dies mit den Worten: "Fantasieplaudereien zu historischen Themen haben für sie (die Russen) größere Bedeutung."
Selenskyj offen für Referendum zu Frontlinie
In einem Interview mit "Axios" warnte Selenskyj die US-Führung davor, der Ukraine eine Friedensregelung aufzuzwingen, die von der Bevölkerung nicht akzeptiert werde. Die Ukraine werde keine weiteren Gebiete preisgeben, aber der Staatschef könne sich vorstellen, dass seine Landsleute einem Einfrieren des Konflikts an der aktuellen Frontlinie zustimmen würden.
"Ich denke, dass die Menschen das in einem Referendum akzeptieren würden", sagte Selenskyj. Ein solcher Volksentscheid könnte parallel zu Präsidentschaftswahlen abgehalten werden. Einen von Russland geforderten Abzug ukrainischer Truppen aus den noch von ihnen gehaltenen Teilen der östlichen Gebiete Luhansk und Donezk lehnte Selenskyj jedoch kategorisch ab.
Diplomatische Hintergründe und Perspektiven
Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 mit westlicher Hilfe gegen die russische Invasion. Seit Trumps Amtsantritt im Januar 2025 versucht das Weiße Haus, die Ukraine und Russland über Verhandlungen und Druck zu einem Ende des Krieges zu bewegen. Bei den von den USA vermittelten Bemühungen um ein Kriegsende hatten sich Russen und Ukrainer zuletzt im Januar und Februar in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten getroffen.
Der ukrainische Staatschef will die strittigen Gebietsfragen bevorzugt bei einem direkten Gipfeltreffen mit Putin lösen. Er habe seiner Delegation Anweisung gegeben, diese Frage in Genf anzusprechen. Der Kreml lehnt einen solchen Gipfel zwar nicht direkt ab, sprach aber mehrfach davon, dass ein derartiges Treffen entsprechend vorbereitet werden müsse - und lässt kein Interesse an konkreten Vorbereitungen erkennen.
Die abrupt beendeten Genfer Gespräche zeigen deutlich, wie weit die Positionen der Konfliktparteien noch auseinanderliegen. Während die USA Fortschritte vermelden, bleiben konkrete Ergebnisse aus, und die Atmosphäre wird als angespannt beschrieben. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die angekündigten weiteren Treffen tatsächlich zu einer diplomatischen Lösung führen können.



