Ukraine-Krieg: Genfer Friedensgespräche enden abrupt ohne greifbares Ergebnis
Ukraine-Gespräche in Genf enden ohne Ergebnis

Ukraine-Krieg: Genfer Friedensgespräche enden abrupt ohne greifbares Ergebnis

Die intensiven Bemühungen um ein Ende des seit fast vier Jahren andauernden Ukraine-Krieges haben in Genf einen unerwartet schnellen Abschluss gefunden. Nach nur zwei Tagen Verhandlungen trennten sich die Delegationen aus Moskau und Kiew am Mittwoch ohne konkrete Vereinbarungen. Die russische Delegation verließ den Ort des Treffens bereits nach knapp zweistündigen Gesprächen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass berichtete.

Schwierige Atmosphäre und unterschiedliche Bewertungen

Der Moskauer Delegationsleiter Wladimir Medinski, ein ehemaliger Kulturminister und enger Berater von Kremlchef Wladimir Putin, bezeichnete die Gespräche als „schwierig, aber sachlich“. Er kündigte ein weiteres Treffen in naher Zukunft an. Die Moskauer Staatsmedien beschrieben die Atmosphäre in Genf hingegen als „sehr angespannt“.

Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow bestätigte das Ende des zweitägigen Treffens und sprach von intensiven und substanziellen Gesprächen. „Es gibt Fortschritte, aber in dieser Phase können keine Details bekanntgegeben werden“, erklärte der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates. Der nächste Schritt sei, ein „Niveau an Übereinstimmung“ zu erreichen, um den Präsidenten Lösungen vorlegen zu können.

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Selenskyj kritisiert russische Verzögerungstaktik

Vor dem zweiten Verhandlungstag hatte der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj auf Telegram geschrieben, dass Russland versuche, die Verhandlungen zu verzögern, obwohl diese bereits in der Endphase sein könnten. „Gestern gab es Treffen, die nicht einfach waren, und wir können festhalten, dass Russland versucht, die Verhandlungen zu verzögern“, so Selenskyj.

In einem Interview mit dem US-Nachrichtenportal „Axios“ warnte Selenskyj die US-Führung davor, der Ukraine eine Friedensregelung aufzuzwingen, die von der Bevölkerung nicht akzeptiert werde. Die Ukraine werde keine weiteren Gebiete preisgeben. Er könne sich aber vorstellen, dass seine Landsleute einem Einfrieren des Konflikts an der aktuellen Frontlinie zustimmten. „Ich denke, dass die Menschen das in einem Referendum akzeptieren würden“, sagte Selenskyj.

Die Rolle des russischen Chefunterhändlers Medinski

In Genf leitete Wladimir Medinski (55) die russische Delegation, wie bereits bei früheren Gesprächen in Istanbul 2022 und 2025. Der als politischer Beobachter gut informierte Journalist Barak Ravid schrieb auf X, der politische Teil der Gespräche stecke in einer Sackgasse, was auf Positionen des Moskauer Verhandlungsführers zurückzuführen sei.

Dem aus der Zentralukraine stammenden Ex-Kulturminister Medinski wird nachgesagt, in vorherigen Verhandlungsrunden längere historische Vorträge zur Geschichte der Ukraine aus Moskauer Sicht gehalten zu haben. Selenskyj äußerte sich dazu: „Fantasieplaudereien zu historischen Themen haben für sie (die Russen) größere Bedeutung.“

Medinski gilt nicht als einflussreiche Figur im Moskauer Machtapparat, ist aber ein treuer Verfechter von Putins Linie. Er ist einer der Autoren neuer Schulbücher in Geschichte, die von Experten als propagandistisch und antiwestlich eingestuft werden. Mit Medinski sind politische Forderungen des Kremls an die Ukraine verbunden, darunter eine moskaufreundliche Regierung, sicherheitspolitische Neutralität und ein besonderer Status für die russische Sprache.

Strittige Gebietsfragen und Gipfelperspektiven

Selenskyj lehnte einen von Russland geforderten Abzug ukrainischer Truppen aus den noch von ihnen gehaltenen Teilen der östlichen Gebiete Luhansk und Donezk entschieden ab. „Emotional werden die Menschen das niemals verzeihen. Niemals“, sagte der Staatschef. Selenskyj zufolge hat seine Regierung mit den Amerikanern vereinbart, dass jedes Abkommen eine Zustimmung der ukrainischen Bevölkerung per Referendum erfordert.

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Der ukrainische Staatschef will die strittigen Gebietsfragen bevorzugt bei einem direkten Gipfeltreffen mit Putin lösen. Er habe seiner Delegation Anweisung gegeben, diese Frage in Genf anzusprechen. Der Kreml lehnt einen solchen Gipfel zwar nicht direkt ab, sprach aber mehrfach davon, dass ein derartiges Treffen entsprechend vorbereitet werden müsse – und lässt kein Interesse an konkreten Vorbereitungen erkennen.

Hintergrund und internationale Vermittlung

Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 mit westlicher Hilfe gegen die russische Invasion. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Januar 2025 versucht das Weiße Haus, die Ukraine und Russland über Verhandlungen und Druck zu einem Ende des Krieges zu bewegen. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff schrieb auf X, die Anstrengungen von Präsident Trump, beide Seiten zusammenzubringen, hätten „bedeutsame Fortschritte“ gebracht.

Bei den von den USA vermittelten Bemühungen um ein Kriegsende hatten sich Russen und Ukrainer zuletzt im Januar und Februar in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten getroffen. Daran nahmen von Moskauer Seite vor allem Militärs und Geheimdienstoffiziere teil. Kommende Woche, am 24. Februar, geht der von Putin befohlene Angriffskrieg gegen das Nachbarland in das fünfte Jahr.