Ukrainische Verhandlungsführer schlagen 'Donnyland' für umkämpfte Donbass-Region vor
In den jüngsten Gesprächen über den Krieg in der Ukraine haben ukrainische Unterhändler offenbar einen ungewöhnlichen Vorschlag gemacht: Einen umkämpften Teil der ostukrainischen Donbass-Region soll in »Donnyland« umbenannt werden. Dieser Begriff, der als Anspielung auf den US-Präsidenten Donald Trump gedacht ist und zugleich an »Disneyland« erinnert, wurde laut einem Bericht der »New York Times« in Verhandlungskreisen eingeführt. Vier mit den Gesprächen vertraute Personen, die anonym bleiben wollten, bestätigten dies der US-Zeitung.
Strategischer Versuch, Trump auf die Seite der Ukraine zu ziehen
Ein ukrainischer Unterhändler habe den Begriff erstmals erwähnt, teils im Scherz, im Rahmen eines Versuchs, die Trump-Regierung zu härterem Widerstand gegen russische Gebietsansprüche zu bewegen. Drei weitere Quellen schilderten der »New York Times«, dass dies eine »globale Realität« widerspiegele, in der Regierungen gezielt an Trumps »Eitelkeit« appellieren, um die Macht der USA auf ihre Seite zu ziehen. Bislang habe sich diese Initiative für die Ukraine jedoch noch nicht ausgezahlt, heißt es in dem Bericht. Dennoch sei »Donnyland« in den Verhandlungen weiter verwendet worden, obwohl unklar bleibt, ob der Begriff in offiziellen Dokumenten festgehalten wurde.
Friedensrat und territoriale Streitigkeiten als zentrale Punkte
Die Unterhändler brachten zudem die Möglichkeit ins Spiel, dass Trumps umstrittener »Friedensrat« eine Rolle bei der Verwaltung des Gebiets übernehmen könnte. Weder Russland noch die Ukraine seien diesem Gremium bislang beigetreten. Da Russland bislang keiner für die Ukraine akzeptablen Vereinbarung zugestimmt habe, sei das Schicksal von »Donnyland« zu einem der zentralen Streitpunkte der Verhandlungen geworden. Seit dem Treffen von Trump und Kremlchef Wladimir Putin in Alaska im August 2025 habe Washington mehrfach signalisiert, einen Deal mittragen zu können, bei dem sich die Ukraine bis zur Verwaltungsgrenze der Oblast Doneck zurückzieht – einer der beiden Provinzen im Donbass. Kritiker werten ein solches Szenario als weitreichendes Entgegenkommen gegenüber Moskau.
Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Verhandlungen
Wie es bei den Ukraineverhandlungen weitergeht, bleibt offen. Die wichtigsten US-Unterhändler, Steve Witkoff und Jared Kushner, seien in letzter Zeit auf den Irankrieg fokussiert gewesen, berichtet die »New York Times«. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte zwar, er erwarte einen baldigen Besuch der beiden in der Ukraine. Andererseits habe eine Quelle der Zeitung angedeutet, dass die US-Unterhändler Fortschritte abwarten und auch Moskau besuchen wollen würden.
Kreative Ideen: Chatbot-Nationalhymne und Flagge für 'Donnyland'
Schließlich berichtet die »New York Times« über einen weiteren Einfall eines ukrainischen Unterhändlers: Er habe von einem bekannten Chatbot eine Nationalhymne von »Donnyland« komponieren und eine Flagge in den Farben Grün und Gold erstellen lassen. Ob die US-Seite diese kreativen Vorschläge zu sehen bekommen habe, sei jedoch unklar. Diese unkonventionellen Ansätze unterstreichen die verzweifelten Bemühungen der Ukraine, in den komplexen Friedensgesprächen neue Wege zu beschreiten und internationale Unterstützung zu sichern.



