US-Marine beschlagnahmt dritten Öltanker im Indischen Ozean
Die Vereinigten Staaten haben nach eigenen Angaben einen weiteren Öltanker im Indischen Ozean beschlagnahmt. Es handelt sich dabei bereits um das dritte Schiff, das in diesem Monat von US-Streitkräften abgefangen wurde. Der Tanker mit dem Namen Bertha wurde von der Karibik bis in den Indischen Ozean verfolgt, bevor es zum Zugriff kam.
Hintergrund der Beschlagnahmung
Das Pentagon erklärte am Dienstag im Onlinedienst X, dass mit dem Schiff gegen die von US-Präsident Donald Trump verhängte Ölblockade verstoßen worden sei. Diese Blockade richtet sich speziell gegen sanktionierte Schiffe in der Karibik. Das Kriegsministerium wird illegalen Akteuren und ihren Stellvertretern die Bewegungsfreiheit im maritimen Bereich verweigern, fügte das Verteidigungsministerium in seiner Stellungnahme hinzu.
In der Nacht zum 24. Februar 2026 führten US-Streitkräfte eine sogenannte right-of-visit-Operation durch, bei der der Tanker ohne Zwischenfälle im Verantwortungsbereich des INDOPACOM-Kommandos geentert wurde. Die Veröffentlichung entsprechender Aufnahmen durch das Department of Defense unterstreicht die Bedeutung dieser Aktion.
Politische und wirtschaftliche Dimensionen
Seit Dezember hat die Trump-Regierung eine Blockade gegen sanktionierte Öltanker verhängt, die nach Venezuela oder von dort unterwegs sind. Insgesamt handelt es sich bei der Bertha bereits um das zehnte Schiff, das seit dieser Anordnung beschlagnahmt wurde. Allerdings machen diese Tanker nur einen winzigen Bruchteil der sogenannten Schattenflotte aus, die weltweit unterwegs ist, um Sanktionen zu umgehen.
Nach Angaben eines ranghohen Offiziers der US-Küstenwache umfasst diese Flotte bis zu 800 Schiffe. Die jüngsten Beschlagnahmungen stehen im Zusammenhang mit dem wachsenden Interesse der USA an den großen Ölvorkommen Venezuelas. Seit dem US-Angriff auf Venezuela und der Gefangennahme des linksnationalistischen Staatschefs Nicolás Maduro Anfang Januar hat Präsident Trump mehrfach Investitionen in dem südamerikanischen Land gefordert.
Reaktionen der Energiekonzerne
Bei einem Treffen mit den Chefs von US-Energiekonzernen am 10. Januar drängte Trump die Unternehmen zu Investitionen in Höhe von 100 Milliarden Dollar in Venezuela. Die Reaktionen fielen jedoch zurückhaltend aus. Besonders skeptisch äußerte sich der Chef von ExxonMobil, Darren Woods, woraufhin Trump ankündigte, dem Konzern voraussichtlich keine Lizenz erteilen zu wollen.
Die Skepsis der Konzerne begründet sich mit mehreren Faktoren:
- Die Förderinfrastruktur in Venezuela gilt als marode
- Politische Instabilität und mangelnde Sicherheit
- Vergangene Enteignungen durch linksgerichtete Regierungen
Venezuela wird derzeit von Maduros früherer Stellvertreterin Delcy Rodríguez als Übergangspräsidentin geführt. Neuwahlen sind vorerst nicht geplant. Wie genau die USA die von Trump angesprochene Kontrolle über Venezuela ausüben wollen, bleibt unklar.
Institutionelle Veränderungen
Interessant ist zudem, dass die Trump-Regierung seit einiger Zeit verlangt, das Verteidigungsministerium als Kriegsministerium zu bezeichnen. Für eine solche Namensänderung wäre zwar die Zustimmung des Kongresses notwendig, doch Präsident Trump zeigt sich wenig bereit, diese formale Hürde zu akzeptieren. Diese Entwicklung unterstreicht den zunehmend martialischen Charakter der amerikanischen Außenpolitik unter der aktuellen Administration.



