Die ohnehin fragile Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran gerät erneut ins Wanken. Nach iranischen Angriffen auf drei US-Zerstörer in der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus hat das US-Militär Vergeltungsschläge gegen Ziele in der Islamischen Republik durchgeführt. Das Regionalkommando der US-Streitkräfte für den Nahen Osten (Centcom) bestätigte die Angriffe auf der Plattform X. Das iranische Militär beschuldigte die USA daraufhin, die brüchige Waffenruhe verletzt zu haben.
US-Zerstörer unter Beschuss
Nach Darstellung des US-Militärs wurden die drei Lenkwaffenzerstörer am 7. Mai beim Durchqueren der Meerenge von iranischen Kräften angegriffen. Iranische Einheiten hätten mehrere Raketen abgefeuert sowie Drohnen und kleine Schnellboote eingesetzt. Es habe keine Treffer auf den US-Schiffen gegeben. Die US-Streitkräfte hätten die Bedrohungen neutralisiert und als Vergeltung iranische Militäreinrichtungen attackiert, darunter Raketen- und Drohnenabschussrampen, Kommandozentralen und Aufklärungsposten. Man strebe keine Eskalation an, werde aber die eigenen Kräfte schützen, hieß es.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Seerouten für den globalen Öl- und Flüssiggas-Export. Der Iran hat die Schifffahrt dort seit Beginn des Krieges durch Angriffe und Drohungen praktisch lahmgelegt. Die USA verhängten zudem eine Blockade für Schiffe, die aus iranischen Häfen auslaufen oder sie ansteuern. Trotz der Waffenruhe kam es in der Meerenge immer wieder zu Zwischenfällen.
Iran wirft USA Waffenruhe-Bruch vor
Das iranische Militär warf den USA vor, mit den Angriffen die von US-Präsident Donald Trump einseitig verlängerte Waffenruhe gebrochen zu haben. Laut dem regierungstreuen Sender Press TV habe das US-Militär einen iranischen Öltanker attackiert, der sich auf dem Weg von den iranischen Küstengewässern zur Straße von Hormus befand. Zudem hätten die USA mit Unterstützung „regionaler Länder“ Luftangriffe auf zivile Gebiete entlang der Küste und auf der Insel Gheschm geflogen. Die iranischen Streitkräfte hätten daraufhin US-Kriegsschiffe östlich der Meerenge angegriffen.
Die Waffenruhe im Iran-Krieg besteht seit gut einem Monat, doch die militärischen Spannungen sind nach wie vor hoch. Trump hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt, dass bald eine Einigung mit Teheran erzielt werden könnte, um den Krieg zu beenden.
Trump droht mit Eskalation
Trump forderte den Iran erneut ultimativ auf, eine Friedensvereinbarung zu unterzeichnen. Andernfalls werde das US-Militär iranische Einheiten künftig noch härter treffen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Der Iran werde „von WAHNSINNIGEN angeführt“ und würde Atomwaffen einsetzen, wenn er die Chance dazu bekäme – doch diese Gelegenheit werde er nie erhalten. Trump behauptete, den iranischen Angreifern sei schwerer Schaden zugefügt worden: „Ihre Boote sanken, ihre Raketen und Drohnen wurden abgeschossen. Sie fielen so wunderschön auf den Ozean herab, als ob ein Schmetterling in sein Grab fallen würde!“ Ein normales Land hätte die US-Zerstörer passieren lassen, aber der Iran sei kein normales Land. Die US-Schiffe würden sich nun wieder der Seeblockade gegen den Iran anschließen.
In einem Telefoninterview mit ABC News verglich Trump die Angriffe mit einer kleinen, spielerischen Ohrfeige. Vor Journalisten sagte er, es werde offensichtlich sein, wenn die Waffenruhe nicht mehr gelte – dann würde aus dem Iran viel Rauch aufsteigen, eine Anspielung auf ein massives Bombardement.
Auf der Suche nach einer diplomatischen Lösung
Zuletzt schien eine Einigung über ein Kriegsende näherzurücken. Trump hatte von sehr guten Gesprächen gesprochen und einen Deal in den kommenden Tagen für möglich gehalten. Auch am Donnerstagabend äußerte er sich optimistisch. Der Iran wies jedoch Berichte über eine bevorstehende Einigung als überzogen zurück. Ein US-Verhandlungsvorschlag werde geprüft, hieß es; man werde den pakistanischen Vermittlern eine Antwort übergeben.
Das Weiße Haus wartet laut Medienberichten auf eine Reaktion Irans auf eine einseitige Absichtserklärung mit 14 Punkten. Ziel ist es, einen Rahmen für zunächst 30-tägige Verhandlungen zu schaffen, um den Krieg zu beenden. Diskutiert werden unter anderem eine Lockerung der US-Sanktionen, Vereinbarungen zur Zukunft der Straße von Hormus und eine Grundlage für Gespräche über Irans umstrittenes Atomprogramm. Kriegsziel der USA ist es, den Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern – durch die vollständige Entfernung hoch angereicherten Urans aus dem Iran und den Abbau seiner Anreicherungskapazitäten. Der Iran beteuert seit Jahren, sein Atomprogramm diene ausschließlich zivilen Zwecken.



