USA zwischen militärischer Drohung und diplomatischen Gesprächen mit Iran
Die US-Regierung hat dem Iran mit noch härteren militärischen Angriffen gedroht, sollte die Führung in Teheran nicht nachgeben. Regierungssprecherin Karoline Leavitt betonte, dass Präsident Donald Trump bereit sei, den Iran "härter zu treffen als je zuvor", falls die iranische Führung nicht erkenne, dass sie militärisch besiegt wurde. Gleichzeitig bestätigte sie, dass weiterhin "produktive" diplomatische Gespräche auf verschiedenen Ebenen stattfinden.
Israelische Erwartungen an Waffenruhe und militärische Priorisierung
Israel rechnet Medienberichten zufolge damit, dass Trump bereits am Wochenende im Alleingang eine Waffenruhe mit dem Iran verkünden könnte. Der israelische TV-Sender N12 nannte als möglichen Zeitpunkt diesen Samstag, während das Nachrichtenportal "ynet" von spätestens Mitte nächster Woche spricht. Vor diesem Hintergrund verstärkt die israelische Armee ihre Angriffe im Iran, um vor einer möglichen Waffenruhe noch möglichst viele militärische Ziele zu erreichen.
In einer Sitzung mit Regierungschef Benjamin Netanjahu wurde laut N12 eine "Priorisierung von Zielen" beschlossen, die Israel vor einer möglichen Waffenruhe unbedingt erreichen will. Auch die "New York Times" berichtete unter Berufung auf israelische Regierungsvertreter, dass Israels Armee so viele Schlüsselziele wie möglich angreife, weil befürchtet werde, dass die USA ein baldiges Kriegsende durchsetzen wollen.
Diplomatische Initiativen und iranische Skepsis
Offiziell dementiert die politische und militärische Führung der Islamischen Republik jegliche Art von Verhandlungen mit den USA. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen im Nachbarland Pakistan, das neben Ägypten und der Türkei als Vermittler auftritt, stehen die USA und der Iran jedoch hinsichtlich eines möglichen Kriegsendes in Kontakt. Ägypten bestätigte am Mittwoch zudem, dass es einen Entwurf der USA für einen Plan zur Beendigung des Krieges gebe und dieser der iranischen Seite übermittelt worden sei.
Das Weiße Haus hielt sich bedeckt zu Einzelheiten des Plans. Regierungssprecherin Leavitt sagte, sie habe Berichte über einen 15-Punkte-Plan gesehen, fügte aber hinzu: "Das Weiße Haus hat diesen vollständigen Plan nie bestätigt." Sie warnte Reporter bei einer Pressekonferenz davor, über "spekulative" Punkte oder Pläne aus anonymen Quellen zu berichten, räumte jedoch ein, dass manche der berichteten Aspekte stimmten.
Machtverhältnisse in Teheran und regionale Spannungen
Unklar bleibt weiterhin, mit wem die USA genau sprechen und wer in Teheran derzeit überhaupt die Entscheidungen trifft. Der oberste Führer Modschtaba Chamenei, der sich noch immer nicht in der Öffentlichkeit gezeigt hat, der neue Sicherheitschef, Präsident, oder die Revolutionsgarden als Elitestreitmacht des Landes könnten potenzielle Ansprechpartner sein.
In Teheran herrscht vor dem Hintergrund der betonten Verhandlungsbereitschaft der USA vor allem tiefe Skepsis. Viele in der Führung fürchten, Washington wolle von möglichen militärischen Plänen ablenken – etwa für einen Einsatz auf der Ölinsel Charg im Persischen Golf oder in der für den globalen Öl- und Gashandel zentralen Straße von Hormus.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi warnte laut der Nachrichtenagentur Isna "alle Länder, dass das Eindringen ausländischer Streitkräfte in den Bereich der Straße von Hormus nur zu weiteren militärischen Spannungen führen wird". Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf warnte auf X vor einer möglichen "Besetzung einer iranischen Insel" durch "Feinde" mit Unterstützung eines Staates in der Region.
Handelsroute als Druckmittel und deutsche Position
Ein Sprecher des Zentralkommandos der iranischen Streitkräfte hatte zuvor erklärt, die Lage in der Meerenge werde nicht mehr so werden wie vor dem Krieg. Allen Schiffen mit Verbindungen zu den USA oder Israel bleibe die Passage untersagt, so der Sprecher: "Die Entscheidung über die Erteilung einer Transitgenehmigung liegt bei uns."
Sollte es zu einer Waffenruhe kommen, wäre Deutschland laut Verteidigungsminister Boris Pistorius bereit, einen Beitrag zur Friedenssicherung zu leisten. "Dieser Krieg ist eine Katastrophe für die Volkswirtschaften der Welt", sagte der SPD-Politiker bei einem Besuch in Canberra. "Wenn wir zu einer Waffenruhe kommen, werden wir jeden Einsatz für eine Absicherung des Friedens diskutieren, insbesondere um den freien Seeverkehr in der Straße von Hormus abzusichern."
Im vergangenen Jahr hatte Trump nach zwölf Tagen Krieg mit dem Iran eine Waffenruhe verkündet. Anschließend warf er sowohl der iranischen als auch der israelischen Seite vor, dagegen verstoßen zu haben. Einen letzten Einsatz israelischer Kampfjets im Iran stoppte er damals laut Medienberichten im Gespräch mit Netanjahu rigoros.



