US-Vizepräsident Vance nimmt Europa in die Pflicht: „Wünschen uns deutlich mehr“
In einer scharfen Stellungnahme hat US-Vizepräsident JD Vance (41) Europa vorgeworfen, sich selbst im Weg zu stehen. In einem exklusiven Interview mit dem konservativen Sender Fox News aus Washington polterte der Republikaner: „Es ist nicht so, dass wir unsere Verbündeten nicht respektieren. Es ist vielmehr so, dass sie sich selbst vielfach sabotieren.“ Diese klare Ansage richtet sich direkt an die transatlantischen Partner und fällt in eine hitzige Debatte über eine mögliche Entfremdung zwischen den USA und Europa.
Vance betont Wunsch nach starkem Europa, sieht aber mangelnde Initiative
Der Vizepräsident unterstrich zwar, dass die US-Regierung sich ein starkes Europa wünsche, doch hinter den Kulissen brodelt es offenbar. Vance stellte unmissverständlich klar, dass es nicht daran liege, dass die USA Europa nicht „mögen“. Allerdings sei seiner Meinung nach ohne den entscheidenden Druck aus Washington – insbesondere durch Präsident Donald Trump (79) – wenig passiert. Erst die Trump-Regierung habe die Nato-Partner dazu bewegt, ihre Verteidigungsausgaben signifikant zu erhöhen und verstärkt in den Grenzschutz gegen illegale Migration zu investieren.
„Wir haben also große Fortschritte erzielt, aber offen gestanden wünschen wir uns von unseren europäischen Verbündeten deutlich mehr“, forderte Vance unverblümt und machte damit deutlich, dass die Erwartungen aus Amerika noch lange nicht erfüllt sind.
Rückblick auf kontroverse Auftritte und europäische Reaktionen
Die aktuelle Aufregung ist nicht das erste Mal, dass Vance für kontroverse Aussagen sorgt. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich der US-Vizepräsident bei der Münchner Sicherheitskonferenz in einer für viele europäische Verbündete verstörenden Rede über den Zustand der Demokratie in Europa beklagt. Er kritisierte dabei mangelnde Meinungsfreiheit und die Ausgrenzung der Opposition. Am Rande der Konferenz traf er sich sogar demonstrativ mit AfD-Chefin Alice Weidel (47), was zusätzlich für Irritationen sorgte.
Über den diesjährigen Auftritt von Außenminister Marco Rubio (54) bei derselben Konferenz zeigte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) kaum weniger verwundert – insbesondere über den stehenden Applaus. „Also ich war nicht im Saal und ich hätte mich auch, wenn ich da gewesen wäre, schwergetan, dann aufzustehen“, sagte Merz im Podcast „Machtwechsel“. Die Rede sei Trump in einer freundlicheren Verpackung gewesen. „Es ist nicht ganz so konfrontativ wie Vance letztes Jahr. Aber es ist halt die Weltsicht der jetzigen amerikanischen Administration, und davon unterscheidet sich Marco Rubio in der Sache wenig“, erklärte der deutsche Kanzler.
Innenpolitische Spekulationen über die Präsidentschaftswahl 2028
Parallel zu den außenpolitischen Spannungen brodelt es auch innenpolitisch in den USA. Seit längerem wird spekuliert, ob bereits ein Machtkampf für die Präsidentschaftswahl 2028 im Gange ist – angeblich zwischen JD Vance und Außenminister Marco Rubio. Vance winkte jedoch ab und zeigte sich genervt von den entsprechenden Schlagzeilen: „Ich finde es so interessant, dass die Medien einen Konflikt herbeischreiben wollen, wo es einfach keinen gibt“, sagte er bei Fox News.
Weder er noch Rubio haben offiziell ihre Kandidatur angekündigt, doch beide gelten in US-Medien als Favoriten für die Zeit nach Trump. Vance gab sich dabei staatsmännisch: Er habe die Wähler um das Amt gebeten, das er jetzt innehat, und das wolle er bestmöglich ausfüllen. „Über den nächsten Job machen wir uns irgendwann in der Zukunft Gedanken“, so der Vizepräsident.
Die Wahl 2028 ist zwar noch rund zwei Jahre entfernt, doch in Amerika beginnt der Wahlkampf traditionell früh. Präsident Donald Trump zeigte sich gelassen und betonte, er müsse sich „keine Sorgen machen“, wer ihn ersetzen werde. Sowohl Vance als auch Rubio seien „fantastisch“. Rubio selbst hatte im Dezember im Magazin Vanity Fair klargemacht: Sollte Vance antreten, „wird er unser Kandidat sein, und ich werde einer der Ersten sein, die ihn unterstützen“.
Vance hat zuletzt kaum Zweifel daran gelassen, dass er sich selbst für einen Topkandidaten hält. Trump nannte ihn bereits den „wahrscheinlichsten“ Nachfolger im Lager von Maga („Make America Great Again“). Und Trump selbst? Offiziell darf er laut Verfassung nicht noch einmal antreten, doch wie so oft lässt er eine Tür einen Spalt offen. Er würde es nach eigenen Worten „gerne tun“.



