Wadephul bei Krisenbesuch in Israel: Solidarität und Warnung vor Chaos im Iran
Wadephul in Israel: Solidarität und Warnung vor Chaos im Iran

Wadephul bei Krisenbesuch in Israel: Solidarität und Warnung vor Chaos im Iran

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul hat Israel inmitten des anhaltenden Iran-Krieges einen unangekündigten Solidaritätsbesuch abgestattet. Bei einem Treffen mit seinem israelischen Amtskollegen Gideon Saar in Jerusalem bekräftigte der CDU-Politiker die Unterstützung Deutschlands, äußerte jedoch zugleich deutliche Warnungen vor den möglichen Folgen des Konflikts für die Region und Europa.

Warnung vor Chaos und Forderungen an Teheran

„Niemand kann ein Interesse an Chaos oder Bürgerkrieg oder dem Zerfall Irans haben“, betonte Wadephul während einer gemeinsamen Pressekonferenz. „Die Auswirkungen wären erheblich und würden wir auch in Europa zu spüren bekommen.“ Der Minister forderte von Teheran ein überprüfbares Ende des militärischen Nuklearprogramms und des ballistischen Raketenprogramms. Zudem müsse der Iran künftig keine Gefahr mehr für seine Nachbarn darstellen und die „Unterstützung von Terrorhandlangern wie Huthi, Hisbollah und Hamas“ einstellen.

Gleichzeitig betonte Wadephul die Notwendigkeit, die territoriale Integrität des Irans zu wahren. Große Teile der Zivilbevölkerung hätten in den vergangenen Jahrzehnten stark unter der Unterdrückung gelitten. „Wir brauchen eine regionale Friedensordnung, die die Sicherheit der Staaten und Menschen in der Region, insbesondere der Seewege, die wichtige Handelswege sind, gewährleistet“, forderte der Außenminister.

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Risikoreise mit Raketenalarm und Sicherheitsvorkehrungen

Der Besuch war aus Sicherheitsgründen bis zum letzten Moment geheim gehalten worden. Wadephul ist der erste europäische Außenminister, der Israel seit Kriegsbeginn am 28. Februar besucht. Aufgrund der erhöhten Gefährdungslage durch andauernde Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran und vom Libanon reiste der Minister nicht mit einem üblichen Regierungsflugzeug, sondern mit einem Militär-Transportflugzeug der Bundeswehr vom Typ A400M an.

Während seines Aufenthalts gab es tatsächlich Raketenalarm in Israel. Kurz vor seinem Abflug musste Wadephul das Flugzeug am internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv wegen eines Voralarms verlassen und sich in Sicherheit bringen. Nach kurzer Entwarnung kehrte er zurück und signalisierte mit den Worten „Alles wohlauf hier!“ und einem Daumen nach oben Gelassenheit. In der Stadt Beit Schemesch gingen währenddessen Trümmerteile nieder.

Eindrücke von der Zerstörung und menschliches Leid

Zu Beginn seines Besuchs informierte sich Wadephul in Beit Schemesch westlich von Jerusalem über die verheerenden Zerstörungen durch einen iranischen Raketenangriff vom 1. März. Bei diesem Angriff wurden neun Menschen getötet und etwa 50 weitere verletzt – es handelt sich um den folgenschwersten Vorfall in Israel seit Kriegsbeginn.

Eine Frau namens Smadar schilderte dem Minister eindrücklich ihre Erlebnisse: Bei dem Angriff mit einer ballistischen Rakete sei ihr Wohnhaus zerstört und ein Schutzraum voll getroffen worden. Sie konnte ihre Kinder retten, doch ihr Ehemann kam ums Leben. „Alles ist auf uns heruntergefallen. Es war dunkel, wir hatten keine Luft, um zu atmen“, berichtete sie unter Tränen. „Alles ist weg, die Erinnerungen, die Bilder, alles ist verbrannt.“

Insgesamt kamen in Israel bei den aktuellen Raketenangriffen bislang 13 Menschen ums Leben. Das israelische Gesundheitsministerium meldete mehr als 2.300 Behandlungen in Krankenhäusern, darunter Verletzte durch Raketenangriffe, Personen mit Verletzungen auf dem Weg zu Schutzräumen und Menschen mit durch die Angriffe ausgelösten Angstzuständen.

Vorgespräche auf Zypern und Warnungen aus Berlin

Vor seinem Israel-Besuch hatte Wadephul auf Zypern mit seinem Kollegen Konstantinos Kombos über die Konsequenzen des Krieges beraten. Die Mittelmeerinsel ist als geografisch nächster EU-Staat zur Krisenregion besonders betroffen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bereits am Freitag gewarnt, dass die Bundesregierung zwar die Ziele der USA und Israels bezüglich des iranischen Nuklear- und Raketenprogramms teile, jedoch mit zunehmender Dauer des Konflikts wachsende Risiken sehe. Ein endloser Krieg sei nicht im deutschen Interesse. Merz verwies auf mögliche weitreichende Folgen für Europa in den Bereichen Sicherheit, Energieversorgung und Migration.

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In der Bundesregierung gibt es zudem Sorgen angesichts der sprunghaft gestiegenen Spritpreise infolge des Iran-Krieges und der Befürchtung, dass hohe Energiepreise die Wirtschaftsentwicklung negativ beeinflussen könnten.