Wadephul in Israel: Solidarität im Krieg und Warnung vor Chaos im Iran
Wadephul in Israel: Solidarität und Warnung vor Iran-Chaos

Wadephul bei Krisenbesuch in Israel: Solidarität und deutliche Warnungen

Bei einem überraschenden Besuch mitten im Iran-Krieg hat sich der deutsche Außenminister Johann Wadephul hinter Israel gestellt, gleichzeitig aber eindringlich vor den Folgen eines möglichen Chaos im Iran gewarnt. Der CDU-Politiker reiste aus Sicherheitsgründen mit einem Militärtransportflugzeug A400M der Bundeswehr an, da die Bedrohungslage durch Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran und vom Libanon aus erhöht ist.

Warnung vor Zerfall und Forderungen an Teheran

Bei einer Pressekonferenz mit seinem israelischen Amtskollegen Gideon Saar in Jerusalem äußerte Wadephul klare Bedenken: „Niemand kann ein Interesse an Chaos oder Bürgerkrieg oder dem Zerfall Irans haben“, betonte der Minister. Die Auswirkungen wären erheblich und würden auch in Europa zu spüren sein. Gleichzeitig richtete er deutliche Forderungen an die iranische Führung:

  • Das militärische Nuklearprogramm muss überprüfbar beendet werden
  • Das ballistische Raketenprogramm ist einzustellen
  • Der Iran darf keine Gefahr mehr für seine Nachbarn darstellen
  • Die Unterstützung von Terrorgruppen wie Huthi, Hisbollah und Hamas muss beendet werden

Dennoch betonte Wadephul, dass die territoriale Integrität des Irans gewahrt bleiben müsse. Große Teile der Zivilbevölkerung hätten in den vergangenen Jahrzehnten stark unter der Unterdrückung gelitten.

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Raketenalarm während des Besuchs

Der Besuch, der aus Sicherheitsgründen bis zum letzten Moment geheim gehalten wurde, verlief nicht ohne Zwischenfälle. Kurz vor seinem Abflug musste Wadephul den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv wegen eines Raketenvoralarms verlassen und sich in Sicherheit bringen. Nach kurzer Zeit gab es Entwarnung, und der Minister konnte seine Reise fortsetzen. Beim Wiedereinsteigen zeigte er sich erleichtert mit den Worten: „Alles wohlauf hier!“ und einem Daumen nach oben.

Eindrücke von der Zerstörung in Beit Schemesch

Zu Beginn seines Israel-Besuchs informierte sich Wadephul in der Stadt Beit Schemesch westlich von Jerusalem über die verheerenden Folgen eines iranischen Raketenangriffs vom 1. März. Bei diesem Angriff, der als der mit der höchsten Opferzahl seit Kriegsbeginn gilt, wurden neun Menschen getötet und etwa 50 weitere verletzt.

Eine Überlebende namens Smadar schilderte dem Minister ihre traumatischen Erlebnisse: „Alles ist auf uns heruntergefallen. Es war dunkel, wir hatten keine Luft, um zu atmen“, berichtete die Frau, deren Ehemann bei dem Angriff ums Leben kam. Ihr Wohnhaus wurde vollständig zerstört, ebenso wie alle persönlichen Erinnerungen und Familienbilder.

Humanitäre Lage und politische Hintergründe

Insgesamt kamen bei den aktuellen Raketenangriffen aus dem Iran bislang 13 Menschen in Israel ums Leben. Das israelische Gesundheitsministerium meldete mehr als 2.300 Behandlungen in Krankenhäusern, darunter nicht nur durch Raketenangriffe Verletzte, sondern auch Menschen, die sich auf dem Weg in Schutzräume verletzten oder wegen durch die Angriffe ausgelöster Angstzustände behandelt wurden.

Vor seiner Israel-Reise hatte Wadephul auf Zypern mit Außenminister Konstantinos Kombos über die Konsequenzen des Krieges beraten. Zypern als geografisch nächster EU-Staat zur Krisenregion spielt eine besondere Rolle in der europäischen Wahrnehmung der Konflikte im Nahen Osten.

Deutsche Position und wirtschaftliche Sorgen

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bereits am Freitag die Ziele der USA und Israels unterstützt, die sich gegen das iranische Nuklear- und Raketenprogramm sowie Teherans Unterstützung von Terrorismus richten. Allerdings warnte Merz auch vor wachsenden Risiken mit zunehmender Dauer und Ausweitung der Kämpfe. Ein endloser Krieg sei nicht im deutschen Interesse.

In der Bundesregierung gibt es zudem konkrete wirtschaftliche Sorgen: Die sprunghaft gestiegenen Spritpreise infolge des Iran-Krieges und die hohen Energiepreise könnten die Wirtschaftsentwicklung negativ beeinflussen. Merz verwies auf mögliche weitreichende Folgen für Europa in den Bereichen Sicherheit, Energieversorgung und Migration.

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Wadephul forderte abschließend eine regionale Friedensordnung, die die Sicherheit der Staaten und Menschen in der Region gewährleistet, insbesondere der wichtigen Seewege als Handelsrouten. Sein Besuch unterstreicht die deutsche Solidarität mit Israel, zeigt aber gleichzeitig die komplexen Herausforderungen auf, die der Iran-Krieg für die internationale Gemeinschaft mit sich bringt.