Weltweite Solidaritätswelle für iranische Freiheitsbewegung erreicht München
Bei einem international koordinierten Aktionstag am Samstag gingen rund eine Million Menschen in mehreren Ländern auf die Straße, um ihre Unterstützung für die Freiheitsbewegung im Iran zu demonstrieren. Die beeindruckendste Kundgebung fand dabei in München statt, wo laut Polizeiangaben bis zu 250.000 Demonstranten die Theresienwiese in ein riesiges Fahnenmeer verwandelten.
Rekordkundgebung in der bayerischen Landeshauptstadt
Die Münchner Demonstration markierte die größte Solidaritätskundgebung für Freiheit im Iran, die es jemals in Deutschland gegeben hat. Unter den Teilnehmern befanden sich zahlreiche Exil-Iraner aus ganz Europa, die mit grün-weiß-roten Fahnen und Transparenten ihre Verbundenheit mit der Protestbewegung in ihrer Heimat zeigten. Die Polizei zählte bereits am Nachmittag über 200.000 Teilnehmer, wobei die endgültige Zahl auf bis zu 250.000 geschätzt wurde.
Internationale Dimension der Proteste
Neben München fanden in zahlreichen weiteren Metropolen weltweit bedeutende Demonstrationen statt. In der kanadischen Stadt Toronto versammelten sich Medienberichten zufolge etwa 350.000 Menschen. Weitere zehntausende Demonstranten gingen in London, Vancouver und Sydney auf die Straße. In Los Angeles, einem Zentrum der iranischen Diaspora in den USA, füllten tausende Menschen die Straßen im Stadtteil Westwood, der aufgrund der großen iranischen Gemeinde auch als "Tehrangeles" bekannt ist.
Reza Pahlavi als zentrale Figur
Zu dem globalen Aktionstag hatte Reza Pahlavi aufgerufen, der seit Jahrzehnten im Exil lebende Sohn des 1979 gestürzten Schahs von Persien. Der 65-jährige Pahlavi gilt als bekannteste Stimme der iranischen Protestbewegung außerhalb des Landes. Bei seinem Auftritt in München wurde er von der Menge mit begeistertem Jubel empfangen. Viele Demonstranten zeigten Plakate mit seinem Konterfei.
"Wir kämpfen für Freiheit, für Gerechtigkeit und für Gleichheit", erklärte Pahlavi in seiner Rede. Diese Werte seien für Menschen in der westlichen Welt gewöhnlich, doch im Iran würden sie seit Jahrzehnten unterdrückt. Pahlavi bekräftigte sein Ziel, den Iran in eine demokratische Zukunft mit freien Wahlen zu führen, und dankte für die internationale Solidarität: "Wir sind nicht allein."
Politische Forderungen und Redner
Unter den weiteren Rednern befand sich der Publizist Michel Friedman, der der iranischen Regierung vorwarf, "den Islam, den Koran zu missbrauchen". Seit 47 Jahren würden im Iran im Namen Gottes Millionen Menschen unterdrückt, während die Welt zuschaue. Friedman forderte die Isolation der iranischen Machthaber und ein Ende der Handelsbeziehungen. "Ein Regime, das für Terrorismus steht, gehört abgesetzt", rief er und fügte hinzu: "Der Iran mit diesem Regime darf niemals Atomwaffen haben."
Der republikanische US-Senator Lindsey Graham trug bei seinem Auftritt eine Kappe mit der Aufschrift "Make Iran Great Again", eine Abwandlung des bekannten Trump-Slogans.
Hintergrund der jüngsten Entwicklungen
Anfang Januar hatte der iranische Sicherheitsapparat Massenproteste im Land gewaltsam niedergeschlagen. Nach Schätzungen von Aktivisten kamen dabei etwa 7.000 Menschen ums Leben. Zwar sind die Demonstrationen im Iran angesichts der brutalen Repressionen inzwischen weitgehend verstummt, doch am Samstag waren in Teheran erneut Protestrufe aus Wohnhäusern zu hören. "Tod dem Diktator" hallte es über die Dächer der Hauptstadt.
Strategischer Zeitpunkt während Sicherheitskonferenz
Der Zeitpunkt der Großdemonstration war bewusst gewählt, da parallel die Münchner Sicherheitskonferenz stattfand, zu der politische und sicherheitspolitische Entscheidungsträger aus aller Welt angereist waren. Pahlavi, der eigens für die Konferenz nach München gereist war, erklärte vor Journalisten: "Dies ist eine klare Botschaft an die Führer der westlichen Demokratien, sich mit dem iranischen Volk zu solidarisieren."
Er sprach von einer "Stunde tiefer Gefahr" und betonte, die Welt müsse sich entscheiden, ob sie sich mit dem iranischen Volk solidarisiere oder erneut von einer iranischen Führung beschwichtigen lasse, die über 40.000 ihrer eigenen Bürger massakriert habe. Die genaue Zahl der Todesopfer bei der Niederschlagung der jüngsten Proteste ist offiziell nicht bekannt.
Weitere Demonstrationen in München
Neben der Großkundgebung waren für das Wochenende laut Kreisverwaltungsreferat mehr als 15 weitere Versammlungen im Zusammenhang mit der Sicherheitskonferenz angemeldet worden. Die Münchner Sicherheitskonferenz, die am Sonntag endete, gilt als weltweit wichtigstes Expertentreffen zur Sicherheitspolitik. Nach Angaben der Konferenzleitung wurden mehr als 60 Staats- und Regierungschefs sowie etwa 100 Außen- und Verteidigungsminister erwartet.
Pahlavi betonte in seinen Ausführungen die globale Dimension des Konflikts: "Es geht um die globale Sicherheit in unserer Zeit. Seit fast einem halben Jahrhundert agiert die Islamische Republik als revolutionäres Unternehmen, exportiert Instabilität durch Stellvertreter, untergräbt die Souveränität ihrer Nachbarn, schürt Konflikte in verschiedenen Regionen und treibt ihre nuklearen Ambitionen voran." Doch etwas Unumkehrbares habe sich verändert: "Der Kampf in meinem Land ist heute kein Kampf zwischen Reform und Revolution. Es ist ein Kampf zwischen Besatzung und Befreiung."



