CHE-Analyse: AfD-Pläne gefährden Hochschulautonomie in Sachsen-Anhalt
AfD-Pläne bedrohen Hochschulautonomie

Magdeburg/Gütersloh - Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt die Hochschulpolitik maßgeblich bestimmen, hätte dies einer Analyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung zufolge gravierende Folgen. „Die hochschulpolitischen Vorstellungen der AfD Sachsen-Anhalt würden Hochschulautonomie, Wissenschaftsfreiheit und institutionelle Handlungsfähigkeit der Hochschulen des Landes erheblich einschränken“, so das CHE. Die Studienbedingungen würden sich verschlechtern und die Abwanderung qualifizierter Forscher würde begünstigt.

Gefahr für Mitspracherechte und internationale Abschlüsse

Die Experten des CHE bezogen parlamentarische Initiativen der AfD-Landtagsfraktion sowie Passagen des kürzlich beschlossenen Regierungsprogramms des AfD-Landesverbandes in ihre Untersuchung ein. Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung bezeichnet sich als gemeinnützigen und politisch unabhängigen Think-Tank für die Hochschullandschaft. In Sachsen-Anhalt gibt es zwei Universitäten in Halle und Magdeburg sowie fünf staatliche Hochschulen.

Die AfD plane die Abschaffung interner Mitspracherechte etwa für Studierende und fordere die Abkehr vom Bologna-System mit international anschlussfähigen Abschlüssen. Sie wolle Einfluss nehmen auf Forschungsschwerpunkte, Lehrangebote und Mittelverteilungen. Außerdem würde die AfD nach Einschätzung des CHE in die Ergebnisoffenheit wissenschaftlicher Arbeit eingreifen. „Gefördert würden vor allem diejenigen Ansätze, die politisch erwünscht sind; unter Druck gerieten jene, die von der AfD als 'ideologisch' markiert werden.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Rückschritt ins letzte Jahrhundert befürchtet

„Die Hochschulpolitik der AfD Sachsen-Anhalt will den Rückwärtsgang einlegen. Damit würden die Hochschulen wieder im letzten Jahrhundert landen“, erklärte Ulrich Müller, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter politische Analysen beim CHE. „Aber in einer Gegenwart, die von Umbrüchen und globalen Herausforderungen geprägt ist, sind überholte Konzepte der Vergangenheit und übergriffige ideologische Einflussnahme die falsche Antwort.“

Das CHE empfiehlt, politische Entwicklungen stärker im Risikomanagement zu berücksichtigen, juristische Vorsorge zu treffen und abgestimmt zu handeln. Außerdem komme es auf gute Wissenschaftskommunikation an, um die gesellschaftliche Legitimierung von Hochschulen zu stärken. Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Derzeit liegt die AfD in Umfragen mit knapp 40 Prozent als stärkste Kraft deutlich vor der CDU. Die AfD formuliert das Ziel, künftig allein regieren zu wollen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration