Bayern geht trotz Trump-Zöllen eigene Wege mit US-Partnerschaft
In einer bemerkenswerten politischen Initiative hat Bayern eine formelle Partnerschaft mit dem US-Bundesstaat South Carolina vereinbart – und das trotz der angespannten Zollsituation unter der Trump-Regierung. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) traf sich während seiner USA-Reise mit Gouverneur Henry McMaster, einem bekannten Trump-Unterstützer, um die Zusammenarbeit auf lokaler Ebene zu vertiefen.
Symbolträchtiges Treffen im State House
Das Treffen im South Carolina State House begann mit einer symbolischen Geste: Der Sprecher des Repräsentantenhauses überreichte Söder ein goldenes Zepter, das normalerweise vor dem Rednerpult im Plenarsaal hängt. „Wir möchten gute Verbindungen mit South Carolina aufbauen“, erklärte Söder gegenüber McMaster und betonte das Ziel gemeinsamen wirtschaftlichen und technologischen Wachstums.
Der Ministerpräsident sprach dabei offen die „guten, aber nicht immer einfachen Beziehungen“ an – eine klare Anspielung auf den Zollkonflikt zwischen der Trump-Administration und Europa. Dennoch zeigte sich McMaster, der von seiner Wirtschaftsministerin als „Champion für wirtschaftliche Entwicklung“ vorgestellt wurde, äußerst kooperationsbereit: „I like that talk“, kommentierte er Söders Ausführungen.
Partnerschaft trotz politischer Differenzen
Die Einigung ist besonders bemerkenswert, da Gouverneur McMaster ein glühender Trump-Unterstützer ist. In seinem Büro hängt ein Bild, das ihn lächelnd mit dem ehemaligen Präsidenten zeigt, und er bezeichnete South Carolina öffentlich als „Trump Country“. Bei der letzten Wahl erhielt Trump hier über 1,5 Millionen Stimmen – ein Rekordergebnis für den konservativen Bundesstaat im sogenannten „Bible Belt“.
„Das Gespräch mit dem Governor war nochmal sehr ausschlaggebend“, resümierte Söder nach dem Treffen vor Journalisten. Trotz der politischen Unterschiede betonte er: „Die beiden Regionen haben zu viel gemeinsam, zu viele gemeinsame Interessen.“ South Carolina sei eine „power region“, eine Schlüsselregion, mit der Bayern strategisch zusammenarbeiten wolle.
Wirtschaftliche und wissenschaftliche Schwerpunkte
Die strategische Ausrichtung der Kooperation liegt klar auf Wissenschaft und Wirtschaft. „Das ist letztendlich, wo wir in Bayern auch etwas anzubieten haben, wo wir attraktiv sind“, erklärte Söder. Bereits jetzt sind 50 bayerische Unternehmen in South Carolina angesiedelt, darunter BMW mit seinem weltgrößten Werk in Spartanburg, das Söder während seiner Reise besuchte.
Im wissenschaftlichen Bereich wurde die Partnerschaft zwischen der University of South Carolina und der Evangelischen Hochschule Nürnberg verlängert. Beide Universitäten gelten als Vorreiter in der Pflegeforschung – ein Bereich mit wachsender Relevanz in alternden Gesellschaften. Zudem besuchte Söder das Clemson University International Center for Automotive Research, wo an innovativen Autoprototypen gearbeitet wird, darunter ein Fahrzeug mit Solarpanels, das mehr Strom produziert als es verbraucht.
Höhepunkt der USA-Reise
Die erfolgreiche Vereinbarung mit South Carolina bildete den Höhepunkt und Abschluss von Söders USA-Reise, die bereits eine Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der NASA gebracht hatte. „Wir sind sehr zufrieden mit der Reise“, fasste der Ministerpräsident zusammen.
Neben den wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Kooperationen sind auch Gespräche über eine Zusammenarbeit zwischen der Nationalgarde von South Carolina und Deutschland im Gange. Commander-in-Chief Robin B. Stilwel warb bei einem kurzen Austausch mit Söder für diese militärische Partnerschaft.
Die Saat für die bayerisch-amerikanische Zusammenarbeit ist damit ausgebracht – ob sie angesichts der politischen Rahmenbedingungen und des anhaltenden Zollkonflikts auch Früchte tragen wird, bleibt abzuwarten. Die Partnerschaft zeigt jedoch, wie regionale Akteure trotz nationaler politischer Spannungen eigenständige Wege der Kooperation beschreiten können.



