Kommunalwahl-Stichwahlen in Bayern: Spannung in München und 250 weiteren Orten
Bayerns Kommunalwahl-Stichwahlen: Spannung in München und 250 Orten

Kommunalwahl-Stichwahlen in Bayern: Spannung in München und 250 weiteren Orten

Nach dem ersten Wahlgang der bayerischen Kommunalwahlen am 8. März steht nun die entscheidende zweite Runde bevor. Am kommenden Sonntag finden in 29 Landkreisen sowie in mehr als 250 Städten und Gemeinden Stichwahlen statt. Überall dort, wo kein Kandidat im ersten Anlauf die erforderliche absolute Mehrheit von über 50 Prozent erreichen konnte, treten die beiden bestplatzierten Bewerber erneut gegeneinander an.

Wo die Stichwahlen stattfinden

Die Dimensionen sind beachtlich: In 22 kreisfreien Städten wurde gewählt, doch in 17 davon konnte der erste Wahlgang noch keine klare Entscheidung über die künftigen Oberbürgermeister bringen. Parallel dazu finden in 29 Landkreisen Stichwahlen um die Landratsposten statt – hier hatte bereits die Hälfte der ursprünglich 62 Wahlen im ersten Durchgang ein eindeutiges Ergebnis erbracht. Zusätzlich müssen in etwa 250 von insgesamt über 2000 kreisangehörigen Städten und Gemeinden die Bürgermeisterämter in der Stichwahl vergeben werden.

Die Bedeutung der lokalen Spitzenämter

Warum sind diese Wahlen vor Ort so entscheidend? Zwar stehen die Zusammensetzungen der Stadträte, Gemeinderäte und Kreistage bereits fest, doch die Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte übernehmen als Verwaltungschefs eine zentrale Rolle. Sie geben maßgeblich die Richtung in zahlreichen Bereichen vor, die das tägliche Leben der Bürger unmittelbar betreffen – von Straßenbau und Schulentwicklung über Schwimmbadbetrieb bis hin zu vielen weiteren kommunalen Themen.

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Spannende Duelle in den Großstädten

Besonders aufmerksam verfolgt wird das Rennen in der Landeshauptstadt München. Der amtierende Oberbürgermeister Dieter Reiter von der SPD musste nach negativen Schlagzeilen kurz vor dem Wahltermin im ersten Wahlgang empfindliche Verluste hinnehmen und muss nun zittern. Sein Herausforderer Dominik Krause von den Grünen lag mit 29,5 Prozent nicht weit hinter Reuters 35,6 Prozent. Interessant: Die Münchner CSU hat nach dem Ausscheiden ihres Kandidaten eine Wahlempfehlung für Reiter ausgesprochen. Dennoch bleibt das Rennen völlig offen und verspricht nervenaufreibende Stunden am Sonntag.

In Nürnberg kommt es zur Stichwahl zwischen Amtsinhaber Marcus König von der CSU und SPD-Herausforderer Nasser Ahmed – wobei König als klarer Favorit gilt. In Augsburg muss Oberbürgermeisterin Eva Weber von der CSU gegen den SPD-Kandidaten Florian Freund antreten. Zwar hatte Weber im ersten Wahlgang einen deutlichen Vorsprung, doch Stichwahlen sorgen erfahrungsgemäß oft für überraschende Wendungen.

Weitere spannende Konstellationen:

  • In Erlangen, Aschaffenburg und Hof erzielten die CSU-Kandidaten im ersten Anlauf mehr Stimmen als die jeweiligen SPD-Amtsinhaber
  • In Bayreuth lag der CSU-Amtsinhaber hingegen hinter dem SPD-Kandidaten
  • In Schweinfurt, bisher traditionell CSU-regiert, führte der SPD-Kandidat nach dem ersten Wahlgang
  • In Bamberg rechnen sich die Grünen gute Chancen aus: Ihr Kandidat Jonas Glüsenkamp und Sebastian Niedermaier von der SPD gehen nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen in die Stichwahl, beide lagen überraschend vor der ehemaligen CSU-Staatsministerin Melanie Huml

Landratswahlen mit besonderer Brisanz

Bei den Landratswahlen richtet sich der Blick besonders auf den Landkreis Landsberg am Lech. Können die Grünen hier einen Sieg erringen? Ihre Kandidatin Daniela Groß kam am 8. März beinahe an den CSU-Amtsinhaber heran. Im Landkreis Fürstenfeldbruck fordert die grüne Kandidatin Ronja von Wurmb-Seibel den langjährigen CSU-Landrat und Landkreistagspräsidenten Thomas Karmasin heraus. Karmasin, der seit drei Jahrzehnten im Amt ist, hatte im ersten Durchgang 45 Prozent der Stimmen erhalten.

Die Rolle der AfD

Die Alternative für Deutschland spielt bei diesen Personenwahlen keine Rolle. Bayernweit gibt es keinen Landrat, Oberbürgermeister oder Bürgermeister mit AfD-Parteibuch – mehr noch: Kein AfD-Kandidat hat es überhaupt in eine Stichwahl geschafft.

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Landesweites Ergebnis bereits feststehend

In rein statistischer Hinsicht ändern die Stichwahlen nichts am landesweiten Ergebnis, das bereits feststeht. Das Statistische Landesamt hatte die Stadtratswahlen in den kreisfreien Städten und die Kreistagswahlen in den Landkreisen zusammengezählt – unter Berücksichtigung gemeinsamer Wahlvorschläge mit anderen Parteien oder Gruppen.

Die Entwicklung im Vergleich zur Wahl 2020:

  1. Die CSU verlor von 34,5 auf 32,5 Prozent
  2. Die AfD legte deutlich von 4,7 auf 12,2 Prozent zu
  3. Die Grünen erlitten Verluste, bleiben mit 13,6 Prozent aber zweitstärkste Kraft in den Kommunalparlamenten
  4. Die SPD sackte weiter ab – von bereits historisch schlechten 13,7 Prozent im Jahr 2020 auf nun 12,3 Prozent
  5. Die Freien Wähler legten minimal von 11,9 auf 12,1 Prozent zu

Warum die Spannung in den Parteizentralen dennoch groß ist

Das landesweite Ergebnis ist das eine, doch der politische Erfolg bemisst sich auch daran, welche prestigeträchtigen Oberbürgermeister- oder Landratsposten eine Partei gewinnt, verliert oder halten kann. Deshalb richten sich die Blicke – nicht nur bei der SPD – so gespannt nach München. Auch wenn Parteivorsitzende in diesen Tagen betonen, es handle sich ausschließlich um Persönlichkeitswahlen, wird am Ende doch sehr genau zusammengezählt, welche Partei wie viele Spitzenämter innehat.

Der Grund ist einfach: Die nächsten Landtags- und Bundestagswahlen kommen bestimmt – und da sollen die Kommunalwahlen gerne als Sprungbrett dienen. In der Politik gilt eben: Nach der Wahl ist vor der Wahl.