Zwölf Jahre ist es her, dass Dessau-Roßlaus damalige Finanzdezernentin Sabrina Nußbeck ein lautes „Basta“ verkündete. „Entscheidung: Dessau-Roßlau verzichtet auf Bettensteuer“ titelte der Anhalt-Kurier Ende März 2014. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig hatte Mitte 2012 entschieden, dass eine solche spezielle Kultur- und Tourismusförderabgabe nur auf private, nicht aber auf dienstlich bedingte Übernachtungen erhoben werden darf. „Der Aufwand zur Erhebung und Unterscheidung der einzelnen Übernachtungen wäre höher, als die damit am Ende zu erzielenden Einnahmen“, erklärte Nußbeck damals.
Finanznot zwingt zur erneuten Prüfung
Seither ist viel Wasser die Elbe heruntergeflossen. Geblieben ist die Finanznot der Stadt Dessau-Roßlau, die 2026 nun endgültig den Versuch unternimmt, die „Bettensteuer“ einzuführen. Ab Anfang 2027 sollen Betreiber von Hotels, Pensionen, Ferienunterkünften und Campingplätzen in Dessau-Roßlau fünf Prozent auf den jeweiligen Übernachtungspreis aufschlagen und an den städtischen Haushalt abführen. Dem fehlen 2026 etwa 50 Millionen Euro. Die „Bettensteuer“ dürfte also allenfalls ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein sein.
Heftiger Protest der Betroffenen
Der Frust der Betroffenen ist groß. Vor ein paar Tagen hatte die Stadtverwaltung ein Treffen der Stadtmarketinggesellschaft genutzt, um das Prozedere zu sprechen. Der Protest war heftig, wie meine Kollegin Heidi Thiemann berichtete. Die Sorge der Hotelbetreiber: Bei steigenden Zimmerpreisen könnten die Gäste fernbleiben. Dass die „Bettensteuer“ im allgemeinen Stadtsäckel verschwinden soll und nicht explizit dem Tourismus zugutekommt, sorgt für zusätzlichen Verdruss. „Wir sollen bezahlen für Fehler, die bei der Stadtverwaltung gemacht wurden“, wurde Ulrich Heilmann von der „City-Pension“ im Dessauer Süden bei der Sitzung deutlich. Dass das Klinikum oder die DWG Millionenschulden angehäuft haben, hätten die Aufsichtsräte sehen und verhindern müssen. „Dafür sollen nun die Touristiker zahlen. Das ist ein Unding.“
Auch die Waldpension Buchholzmühle steckt im Dilemma, erklärte Martin Bahlmann. „Die Steuer ist eine zusätzliche Belastung, die Gewinnspanne wird immer geringer.“ Irgendwann rechne sich der Betrieb nicht mehr, warnte er. Auch die Buchholzmühle habe bei steigenden Preisen Angst, dass Gäste fernbleiben. Dabei müsse die Stadt doch bedenken, dass man die Leute herhole. „Die Gäste lassen Geld in der Stadt.“ In den Gaststätten, in den Läden, in den Museen.
Finanzbeigeordneter versucht zu beschwichtigen
Andrè Ulbrich, Finanzbeigeordneter im Dessau-Roßlauer Rathaus, bemühte sich, die Wogen zu glätten. Er glaube nicht, dass sich die Steuer negativ auf die Gästezahlen auswirken wird. Ganz genau weiß das aber natürlich keiner. 2027 ist das Jahr nach dem Bauhaus-Jubiläum. Es fehlt erst einmal ein gewichtiger Anlass, nach Dessau zu kommen. Die „Bettensteuer“ könnte die Abwägung der Besucher noch schwieriger machen. Der Blick in die Zukunft fällt für manche Hoteliers und Pensionsbetreiber deshalb düster aus. Ja, am Ende des Weges winkt die Buga 2035. Doch bis dahin heißt es dann auch noch acht Jahre durchhalten. Eine lange Zeit.
Es bleibt eine schwierige Entscheidung, vor der die Stadträte stehen. Viele Grüße, Steffen Brachert.
Rückblick: Gnadenhochzeit in Dessau
Das seltene Jubiläum einer Gnadenhochzeit haben am Dienstag, 5. Mai, die Eheleute Günther und Lisbeth Schömann im Kreise ihrer Familie gefeiert. Im Namen der Stadt Dessau‑Roßlau überbrachte Oberbürgermeister Robert Reck persönlich die Glückwünsche zum 70. Hochzeitstag. Mit großem Respekt würdigte Reck die Lebensleistung des Paares. Ihre gemeinsame Geschichte begann einst auf charmante Weise: Beim Kauf eines Faschingshutes, den Lisbeth verkaufte, kamen beide ins Gespräch. Als Günther sie anschließend fragte, ob sie ihn begleiten wolle, sagte sie spontan zu. Aus ihrer Ehe gingen zwei Töchter hervor. Die Gnadenhochzeit wurde mit einem gemeinsamen Ausflugsmittagessen in Wörlitz gefeiert.
MZ-Geschichten der Woche
Der alte Steg stammte noch aus DDR-Zeiten. Nun wurde im Leopoldshafen ein neuer eröffnet. Wie das dem Dessauer Yachtclub gelang und warum trotzdem viele Boote von der Elbe abgezogen werden, das hat MZ-Kollege Thomas Steinberg notiert. Adidas hat sich mit der Geschichte des Bauhauses beschäftigt – und eine eigene Kollektion entworfen. Diese verbindet Designgeschichte und Engagement in der Stadt, hat aber einen Haken, wie MZ-Kollege Tizian Hempel bei der Präsentation erfuhr. Das kurzfristig auf den Sportplatz der SG Kühnau verlegte Osterfeuer sorgt in Kleinkühnau weiter für Diskussion. Die Hausaufgaben für eine Rückkehr sind groß, wie sich bei der letzten Ortschaftsratssitzung zeigt. MZ-Kollege Danny Gitter war dabei.
„Was wird aus uns?“, fragten im Herbst vergangenen Jahres die Mieter des „Betreuten Wohnens“ in der Tornauer Straße in Dessau. Die DWG wollte den Block loswerden. Die Senioren fürchteten Schlimmes. Nun gibt es eine Lösung, mit der alle leben können. Wie diese aussieht, hat sich MZ-Kollegin Heidi Thiemann erklären lassen. Die AG „Regionale Sportgeschichte“ hat das Projekt „Fame 100+“ gestartet. Damit sollen Persönlichkeiten, Teams und die über 100-jährige Geschichte des Dessau-Roßlauer Handballs sichtbarer gemacht werden. Wie der Stand des Projektes ist – und wie man es unterstützen kann, das hat MZ-Kollege Danny Gitter erfahren.
Ausblick
Regional einkaufen und genießen heißt es wieder am Sonnabend, 9. Mai, in Dessau: Die Stadt lädt gemeinsam mit dem Verein Regionalmarke Mittelelbe zum 45. traditionellen Bauern- und Regionalmarkt ein. Von 8 bis 14 Uhr werden über 20 Aussteller und Direktvermarkter in der Zerbster Straße regionale Spezialitäten anbieten. Einen Floh- und Gartenmarkt gibt es am Sonnabend, 9. Mai, im Schwimmbad in Meinsdorf. Gastgeber ist der Sport- und Traditionsverein. Los geht es 10 Uhr. Der Eintritt ist frei. Für Verpflegung ist gesorgt. Eine Babybörse und einen Kinderflohmarkt gibt es am Sonnabend, 9. Mai, auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Roßlau in der Karl-Liebknecht-Straße 38. Die Veranstaltung findet von 10 bis 16 Uhr statt. Für die kleinen Besucher ist eine Hüpfburg organisiert, für das leibliche Wohl sorgen ein Grillstand und ein Getränkewagen.
Der eine oder andere mag „Achtsam Morden“ von Netflix kennen. Die zweite Staffel steht gerade vor der Veröffentlichung. Ab Sonnabend, 8. Mai, 20 Uhr, ist das Stück im Mitteldeutschen Theater in Dessau zu erleben. Der Besteller-Roman von Karsten Dusse handelt um einen Strafverteidiger, der durch seine Achtsamkeitsübungen die Hierarchie des Unterwelt-Milieus durcheinanderbringt. In der Bühnenbearbeitung rotieren Bürger Lars Dietrich, Julia Grimpe und Mario Ramos in 21 Rollen und sind achtsam bemüht, der rasanten Geschichte auf den Fersen zu bleiben. Bis 31. Mai sind elf Vorstellungen geplant. „Schwanensee“ hat am Freitag, 8. Mai, 19.30 Uhr, im Anhaltischen Theater Premiere. Mit seiner Inszenierung des größten Klassikers der Ballettgeschichte will Dessaus Ballettdirektor Stefano Giannetti dem Publikum einen Einblick hinter die Kulissen eines Tanzensembles geben, das sich in den Proben für eine „Schwanensee“-Premiere befindet. Dabei vermischen sich Gefühle und Beziehungen von Tänzern und Ballettmeister mit der Handlung des Balletts. Und irgendwann ist Fiktion nicht mehr von Realität zu unterscheiden.
Im Bauhaus Museum wurden am Donnerstag, 7. Mai, die Landesliteraturtage offiziell eröffnet. Am Freitag, 8. Mai, bitten ab 17 Uhr Solisten und Teams zu einer „Langen Nacht des Lachens“ auf die Burg Roßlau. Am Sonnabend, 9. Mai, 18 Uhr, findet in der Dessauer Georgenkirche die „Lange Nacht des Glaubens“ statt.
Topf und Pfanne
Sand, Sonnenschirme und Liegestühle: Der Außenbereich der „Waldschänke“ im Dessauer Tierpark verströmt seit dem 1. Mai Urlaubsfeeling. Grund hierfür ist die Eröffnung der neuen Lounge der „Waldschänke“, die Gäste mit Urlaubsstimmung und Strandatmosphäre abholen möchte. „Die Resonanz war extrem überwältigend, damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Marcus Körner, Betreiber der „Waldschänke“. Die Beach-Lounge soll in den nächsten Wochen einen eigenen Barbereich erhalten. Doch die Neugestaltung des Außenbereichs ist noch nicht das Ende der Pläne: Nachdem zuvor bereits Kiosk und Küche komplett saniert wurden, soll in vier bis fünf Wochen noch ein Biergarten öffnen. Der Umbau der Gaststätte soll nun im Herbst abgeschlossen sein.
Einblick
Eine Woche lang hat die Dessauer Verkehrs GmbH die Kontrollen im ÖPNV verstärkt – mit einem ernüchternden Ergebnis. Über 200 Schwarzfahrer wurden ertappt. Was Stadtwerke-Chef Dino Höll zu einem besonderen Appell veranlasste. Der Post zu der Großkontrolle erreichte über 11.400 Personen. Meist geklickter Text der Woche: Einbrecher haben am vergangenen Wochenende das Dessauer Klinikum heimgesucht – und dutzende Büroräume durchwühlt. Die Beute ist unklar. Der Sachschaden liegt bei etwa 50.000 Euro. Der Bericht dazu hatte über 10.400 Leser.
Querblick
In Mosigkau arbeitet der ehemalige Dessau-Roßlauer OB-Kandidat Sebastian Rumberg an einer KI, die Vereinen und Menschen in der Region helfen soll. Die digitalen Assistentinnen Lara und Vera sollen Informationen bündeln, Beiträge erstellen und Angebote sichtbarer machen. Getestet wird das System bereits in einem Dessauer Verein. Der MDR hat mit Rumberg über sein Projekt gesprochen. Kraftfahrer, die auf der B 184 zwischen Magdeburg und Dessau unterwegs sind, werden in Zerbst derzeit ausgebremst. Nur noch Tempo 30 ist im Bereich des Dornburger Platzes erlaubt. Die Hintergründe haben die Kollegen der „Zerbster Volksstimme“ notiert.
MZ-Foto der Woche
Am vergangenen Sonnabend zog der CSD mit 700 Teilnehmern durch die Dessauer Innenstadt. Friedlich und mit viel guter Laune.



