Verpatzte Auszeichnung: Ehrenbürger-Eklat um DDR-Fußballheld Kische sorgt jetzt richtig für Zoff
Nach dem umstrittenen Beschluss, den Olympiasieger von 1976 in seiner Heimatstadt nicht zu ehren, geht es jetzt um Entschuldigung, Vorwürfe und mögliche rechtliche Schritte. Statt der Ehrenbürgerschaft gab es jetzt nur Worte der Entschuldigung. Teterows AfD-Fraktions-Chef Mathias Schmitus hat am Montag den ehemaligen Fußball-Nationalspieler Gerd Kische angerufen und ihn um Verzeihung gebeten. „Ich habe mich entschuldigt wegen der beschämenden Art und Weise, wie in der Stadtvertretersitzung diskutiert wurde“, berichtet Schmitus immer noch ziemlich aufgebracht.
Geheime Abstimmung kippt Ehrenbürgerschaft
Eigentlich sollte ja alles geheim bleiben, was da am Vorabend des 1. Mai hinter verschlossenen Türen in der Stadtvertretersitzung von Teterow besprochen wurde. Und was dann schließlich dazu führte, dass sich die Mehrheit des Hohen Hauses gegen die Ehrenbürgerwürde für Gerd Kische aussprach. Die Fraktionen von AfD, UTF und „Die Teterower“ wollten dem einstigen Fußballhelden diese höchste Auszeichnung der Stadt Teterow zuteilwerden lassen - dem Nationalspieler, der im Jahr 1976 mit der Olympiaauswahl der DDR im kanadischen Montreal die Goldmedaille geholt hatte. Doch, so wurde nach der geheimen Abstimmung rasch bekannt, SPD und CDU waren dagegen. Und Teterow hat jetzt seinen Ehrenbürger-Eklat - mit Folgen, die noch gar nicht absehbar sind.
Nachdem der Fraktionsvorsitzende der AfD bereits kurz nach der Stadtvertretersitzung der CDU und der SPD „Falschbehauptungen und Verleumdungen“ in Bezug auf die Person Gerd Kische vorwarf, setzt sich nun SPD-Fraktionsmitglied Herbert Hoeft zur Wehr. Die Stadt Teterow habe in 180 Jahren gerade einmal sechs Ehrenbürger ernannt, gibt Hoeft zu bedenken. „Da muss man doch erst einmal genau schauen, ob ein Gerd Kische da überhaupt mit reinpasst.“ Hoeft glaubt nicht, dass die Fußball-Ikone von einst in einer Reihe mit den Ehrenbürgern wie Johann-Heinrich von Thünen, Horst Klinkmann oder Willi Peterss stehen könne. „Ich frage mich, was Herr Kische für die Stadt eigentlich getan hat“, so Hoeft.
Es wäre wohl besser gewesen, wenn sich AfD, UTF und „Die Teterower“ mit den anderen beiden Fraktionen im Vorfeld verständigt hätten, findet der SPD-Abgeordnete. „Wir haben von der beabsichtigten Ehrenbürgerschaft aus der Zeitung erfahren.“ Als Alternative zur Ehrenbürgerschaft sei ein Eintrag ins Ehrenbuch der Stadt Teterow diskutiert worden. Aber auch dazu habe es laut Hoeft „negative Meinungen“ gegeben.
Stasi-Vorwürfe und eine Ohrfeige
Doch warum hegen denn nun SPD- und CDU-Abgeordnete eine solch große Abneigung gegen den gebürtigen Teterower Gerd Kische? Nach Informationen des Nordkurier war in der nichtöffentlichen Sitzung von Kontakten des Fußballers zur DDR-Staatssicherheit die Rede. Gegenüber dem Nordkurier sagt Kische dazu: „Ich habe nichts unterschrieben und alle immer weggejagt.“ Alles andere seien Verleumdungen ersten Grades.
Und noch eines haben die Teterower Kritiker an dem Olympiasieger auszusetzen. Er hatte im Jahr 1981 seine damalige Frau während eines Streits geohrfeigt. „Das ist passiert und es war ein Fehler“, erklärt Kische heute. Er habe sich von seiner Frau provoziert gefühlt, weil sie ihn nach Einreichung der Scheidung beschimpft habe.
Und was meint Gerd Kische zu der gescheiterten Ehrenbürgerschaft? „Ich habe nicht darum gebeten, Ehrenbürger zu werden. Ich akzeptiere die Entscheidung der Stadtvertreter. Ich habe in meinem Leben auch im Sport gewonnen und verloren. Die Gründe, die da jetzt aber vorgebracht wurden, gehen mir ganz schön auf den Sack.“ Er erwäge dazu rechtliche Schritte.



