Trumps Entwicklungshilfe-Stopp befeuert Gewalt in Afrika
Entwicklungshilfe-Stopp befeuert Gewalt in Afrika

Die massiven Einschnitte bei der US-Entwicklungsbehörde USAID haben laut einer Studie dazu geführt, dass die Gewalt in mehreren afrikanischen Ländern deutlich zugenommen hat. Ein Forschungsteam um den Wirtschaftswissenschaftler Dominic Rohner vom Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung in Genf veröffentlichte die Ergebnisse im Fachmagazin Science. Die Forscher analysierten 870 einzelne Regionen auf dem afrikanischen Kontinent und verknüpften Datensätze zu Entwicklungshilfezahlungen mit Gewaltereignissen.

Studie zeigt Zusammenhang zwischen Hilfsstopp und Gewalt

Durch die Verknüpfung von Datenbanken konnten die Wissenschaftler frühere Muster der USAID-Hilfsverteilung mit anschließenden Konflikten in Verbindung bringen. Dabei zeigte sich: Gerade in Gebieten, die zuvor besonders viel Unterstützung erhalten hatten, nahm die Gewalt zu. „Betroffen waren sowohl die Häufigkeit als auch die Schwere der Vorfälle, darunter bewaffnete Auseinandersetzungen, Proteste und Unruhen“, so die Forscher. Die Auswirkungen traten sofort ein und hielten über mehrere Monate an. Schwache staatliche Institutionen verstärkten die negativen Folgen zusätzlich.

Wissenschaftliche Debatte um Entwicklungshilfe und Konflikte

Die Beziehung zwischen Entwicklungshilfe und Konflikten ist seit Langem umstritten, schreibt Wirtschaftsforscher Axel Dreher von der Universität Heidelberg in einem Begleitkommentar in Science. Eine Sichtweise besagt, dass Entwicklungshilfe Gewalt mindert, indem sie materielle Not lindert. Eine andere Sichtweise argumentiert das Gegenteil, da Ressourcen Anreize für Kämpfe schaffen könnten. Beide Argumente seien plausibel und durch die Literatur gestützt. Die aktuelle Studie dürfe nicht als Beweis verstanden werden, dass mehr Hilfe grundsätzlich Konflikte mindert, so Dreher – das wäre „irreführend“. Vielmehr zeige sie die Auswirkung eines plötzlichen und unerwarteten Stopps von Hilfe.

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Langfristige Folgen des abrupten Rückzugs

Wenn Unterstützung entzogen werde, sei auch die Art und Weise wichtig, betont Dreher. Ein abrupter Rückzug entziehe nicht nur Ressourcen, sondern bringe Verträge und Personalplanung zum Erliegen. Entwicklungsexperte Nathaniel Raymond von der Yale School of Public Health, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte, die Ergebnisse zeigten die langfristigen Auswirkungen von Mittelkürzungen. Das bleibende Problem bei der Schließung von USAID werde wahrscheinlich darin bestehen, dass für einen Großteil der Arbeit im Bereich der Konfliktprävention die Erfahrung verloren gegangen sei – selbst wenn alle Mittel wieder bereitgestellt würden.

Hintergrund: Trumps Kürzungen bei USAID

US-Präsident Donald Trump hatte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit Anfang 2025 rund 90 Prozent aller Verträge der Organisation für Hilfe im Ausland gekappt, konkret rund 60 Milliarden Dollar. USAID war zuvor in mehr als 100 Ländern aktiv und finanzierte Programme in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft, Bildung und Krisenprävention. Frühere Studien hatten die Kürzungen bereits mit schwerwiegenden humanitären Folgen in Verbindung gebracht. Wissenschaftler sagen bis zum Jahr 2030 mindestens 14 Millionen vermeidbare Todesfälle voraus.

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