Erster großer Waldbrand in Brandenburg breitet sich auf Munitionsgelände aus
Erster großer Waldbrand in Brandenburg auf Munitionsgelände

Der erste große Waldbrand des Jahres in Brandenburg hat sich auf einem mit Munition belasteten Gebiet bei Jüterbog im Südwesten des Bundeslandes rasch ausgebreitet. Nach Angaben der Stadt vom Mittag waren auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz eine Fläche von rund 113 Hektar betroffen – das entspricht etwa 160 Fußballfeldern. Der Brand war am Freitag ausgebrochen und hatte zunächst nur 2,5 Hektar erfasst. Wegen des Windes rechnet die Feuerwehr mit einer weiteren Ausdehnung in dem Naturschutzgebiet, das seltene Tierarten beherbergt. Seit Tagen sind Rauchwolken zu sehen und zu riechen, doch für die Bewohner umliegender Orte besteht keine Gefahr.

Warum die Feuerwehr auf Abstand bleiben muss

Die Feuerwehr kann nicht direkt löschen, da der Boden mit alter Munition belastet ist. Ein direkter Einsatz wäre zu gefährlich, weshalb die Einsatzkräfte Abstand halten müssen. „Es ist immer das gleiche Dilemma“, sagte Stadtbrandmeister Rico Walentin. Er kennt die Waldbrände auf ehemaligen Truppenübungsplätzen aus den vergangenen Jahren. Bereits 2023 brannte es bei Jüterbog auf rund 700 Hektar. Die Stadt im Landkreis Teltow-Fläming liegt südlich von Berlin und an der Grenze zu Sachsen-Anhalt.

Schutzstreifen hemmen das Feuer

Die Feuerwehr setzt auf ein Netz aus rund 50 Meter breiten Brandschutzstreifen. In diesen Schneisen gibt es wenig Bewuchs und Sandwege, sodass das Feuer auf die Streifen zuläuft und von selbst erlischt. „Das funktioniert“, erklärte Walentin. Deshalb seien nur wenige Feuerwehrkräfte zur Sicherheit vor Ort. Die Flammen sind maximal einen Meter hoch. Eine neue Vermessung der Brandfläche per Drohne ist für Montag geplant. Stadtbrandmeister Walentin hofft nun auf reichlich Regen, der jedoch wohl erst am Dienstag erwartet wird.

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Einsatz ohne Spezialtechnik und Hubschrauber

Auf die Anforderung eines Hubschraubers oder Löschpanzers, der in das munitionsbelastete Gebiet vordringen könnte, verzichtete die Einsatzleitung bislang. Ein Hubschraubereinsatz wäre teuer und nicht verhältnismäßig, sagte Walentin. Wirklich löschen lasse sich ein Brand nur vom Boden aus, und das System der Waldbrandschutzstreifen greife gut. 2023 waren bei Jüterbog noch Hubschrauber und ein Löschflugzeug im Einsatz.

Vom 19. Jahrhundert bis in die 1990er Jahre wurde das Gelände laut der zuständigen Wildnisstiftung militärisch genutzt. Danach entwickelte sich die Natur weitgehend ungestört. Auf Teilen der Fläche wurde Munition geräumt, und es wurden Wanderwege angelegt. Das Feuer brach in einem Gebiet mit Birken, Kiefernwald und Heidekraut aus – nicht zum ersten Mal. Klassischen Wirtschaftswald und forstliche Nutzung gibt es in dem Naturschutzgebiet nicht. In der Nähe des brennenden Gebietes stehen Windkraftanlagen.

„Da werden viele Tiere vernichtet“

Der Waldbrand auf dem tausende Hektar großen ehemaligen Truppenübungsplatz „Altes Lager“ ist nach Einschätzung der Wildnisstiftung fatal für die Tierwelt. „Da werden viele Tiere vernichtet“, sagte Antje Wurz vom geschäftsführenden Vorstand. Bodenbrütende Vögel könnten ihre Küken nicht retten. „Es ist außergewöhnlich, dass es so früh im Jahr einen solchen Waldbrand gibt“, meinte die Forstwissenschaftlerin Wurz. Die Ursache des Feuers ist unklar.

In den vergangenen 35 Jahren haben sich seltene Arten auf dem ehemaligen Militärgelände angesiedelt, darunter Wildbienen, Heuschrecken, Eidechsen und der seltene Wiedehopf. „Waldökosysteme können sich erholen“, sagte Wurz, aber es werde für die Natur schwieriger, je öfter es Brände auf derselben Fläche gebe.

Woidke würdigt Engagement der Einsatzkräfte

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte den Einsatz der Feuerwehrleute. „Die Waldbrandsaison beginnt – auf unsere Einsatzkräfte ist Verlass. Danke!“, schrieb er auf Instagram. Fast in ganz Brandenburg gilt wegen Trockenheit und sommerlicher Temperaturen eine hohe Waldbrandgefahr.

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