Mit einer Pflanzaktion im „Garten der Erinnerung“ ist am Freitag die Aktionswoche „Demmin ist mehr“ in der Hansestadt eröffnet worden. „Dieser Ort soll uns mahnen, alles dafür zu tun, dass sich unsere Region und unser Land im friedlichen Miteinander weiterentwickeln können“, sagte Altbürgermeister Ernst Wellmer in seiner Begrüßungsansprache.
Gedenken an die Demminer Tragödie
Er appellierte an die Anwesenden, gemeinsam für eine Gesellschaft einzutreten, die über alle Grenzen hinweg von Toleranz, gegenseitiger Achtung und Humanität geprägt ist, damit sich die Demminer Tragödie von 1945 nie mehr wiederholt. „Und setzen wir mit der heutigen Pflanzaktion wiederum ein deutliches Zeichen dafür, dass auch die vielen Kriegsopfer aus unserer Stadt nicht vergessen sind“, forderte Wellmer. „Es bedarf dazu keiner ,Trauermärsche‘ Ewig-Gestriger in unserer Stadt!“
Diese Aussage fand die ungeteilte Zustimmung aller Beteiligten der Pflanzaktion. „Unser Anliegen ist es, diesen Garten aufzuhübschen und attraktiv zum Verweilen zu machen“, erklärte Organisatorin Inga Feller von der Partnerschaft für Demokratie Demmin. Dazu wurden Steckrosen, Lupine und Lavendel in die Erde gebracht.
Entstehungsgeschichte des Gartens
Wellmer erinnerte auch an die Entstehungsgeschichte und die Bedeutung dieses besonderen Ortes: Im Oktober 2019 hatte eine Arbeitsgruppe, in der Stadtvertretung, Stadtverwaltung und Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mitwirkten, diese Erinnerungsstätte konzipiert. „Es wurde sehr intensiv daran gearbeitet, ein Vorhaben umzusetzen, das von vielen Demminern gewollt, von manch anderen damals aber zunächst auch abgelehnt wurde“, blickt er zurück.
Debatte um Gedenkort für Demminer Kriegstote
Damals gab es eine umfangreiche Debatte um das Projekt, hob der Altbürgermeister hervor. Die Befürworter des Vorhabens unterstrichen, 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sei es höchste Zeit für einen Gedenkort für die Demminer Kriegstoten. Damit könne man zugleich jenen Rechtsextremen, die Jahr für Jahr durch die Hansestadt marschieren und behaupten, die Menschen dort vergäßen diese Kriegsopfer, den Wind aus den Segeln nehmen.
Andere meinten seinerzeit, so Wellmer, die Stadt habe bereits genug Kriegsgräberstätten. „Ja, es gab sogar die Aussage, die Frauen und Männer, die sich das Leben nahmen und zum Teil gemeinsam mit ihren Kindern in den Tod gingen, hätten selbst Schuld an ihrem Schicksal und wären somit keine Opfer des Zweiten Weltkrieges“, erklärte der Altbürgermeister.
Aufklärung über die Ursachen der Tragödie
Umso wichtiger sei es, über die Ursachen der Tragödie von Demmin anhand von Originaldokumenten aufzuklären. „Denn zwischen dem 30. April und dem 4. Mai 1945 nahmen sich Hunderte Menschen in unserer Stadt das Leben. Frauen und Mädchen waren vergewaltigt worden, es gab massenhaft Plünderungen und die Stadt brannte, so dass Angst und Schrecken herrschten“, fasste Wellmer zusammen, was Besucher der Hansestadt nun im „Garten der Erinnerung“ nachlesen können. Er war am 16. Juli 2021 offiziell eingeweiht worden.
Ort der Erinnerung an das tragische Geschehen
Auch der Standort direkt an der Peene sei der richtige, betonte Ernst Wellmer: „Dicht am Wasser gelegen, ist er einer der Orte, von welchem aus ganze Demminer Familien in den Freitod gingen.“ Das Gedenken daran ist ihm persönlich wichtig; als Bürgermeister bat er seinerzeit 1995 anlässlich des 50. Jahrestages des Kriegsendes Zeitzeugen darum, erstmals ihr Schweigen zu brechen und auf einem öffentlichen Symposium über die schrecklichen Ereignisse von 1945 zu berichten.
Und deswegen beteiligte sich der Altbürgermeister, der sich auch im Volksbund stark engagiert, tatkräftig an der Pflanzaktion im „Garten der Erinnerung“. Eckhardt Tabbert (UWG), Präsident der Demminer Stadtvertretung, betonte: „Dass dieser Garten heute so gut angenommen wird, ist nicht zuletzt ein Verdienst der damals im Stadtparlament vertretenen Fraktionen. Wir haben alles richtig gemacht.“ Nach der Bepflanzung reinigten die Mitstreiter auch die Informationstafeln und säuberten die Wege.



