In den Kirchen der Uckermark herrscht meist gähnende Leere, doch am Abend des 7. Mai war die Kirche in Malchow bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Grund: Der ehemalige ZDF-Moderator Peter Hahne war zu Gast bei der 68. Ausgabe des beliebten „Malchower Formats“. Die Veranstaltungsreihe, die Menschen aus ganz Deutschland anzieht, steht jedoch vor dem Aus – nur noch zwei Termine sind geplant, dann ist Schluss. Hahne zeigte sich zu Beginn sichtlich unverständlich darüber, dass man dieses erfolgreiche Format sterben lassen wolle.
Kirchenkrise und gesellschaftliche Probleme
Hahne nutzte die Gelegenheit, um mit den Eliten hart ins Gericht zu gehen. Er betonte, dass die Kirchenobrigkeit sich längst von den Nöten und Sorgen der Normalsterblichen entfernt habe – ähnlich wie die Politikerkaste. Dies sei ein hausgemachtes Problem, das zu den hohen Kirchenaustrittszahlen führe. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) verzeichnete 2025 erneut rund 350.000 Austritte, ähnlich viele wie im Vorjahr. Hahne kritisierte, dass die Kirche sich nicht mehr um die wahren Bedürfnisse der Menschen kümmere.
Streit um die Zukunft des Formats
Der Gemeindekirchenrat hatte das Ende der Reihe mit fehlenden Kapazitäten begründet, da die Pfarrerstelle nach dem Weggang von Thomas Dietz unbesetzt sei. Dietz selbst hält dies jedoch für ein vorgeschobenes Argument. Er habe angeboten, ehrenamtlich weiterzumachen, und auch andere Vorschläge seien gemacht worden. Eine von Nicole Albrecht gestartete Petition mit Hunderten Unterschriften blieb erfolglos. Die Erzieherin aus Brüssow zeigte sich enttäuscht: „Eine ernsthafte Prüfung des Anliegens oder ein erkennbarer Wille zum Dialog fand nicht statt. Diese kompromisslose Haltung ist mehr als enttäuschend.“ Sie betonte, dass Jesus selbst Menschen mit unterschiedlichen Ansichten an einen Tisch gebracht habe, um Gemeinschaft zu stärken – genau das fehle heute.
Hahnes Lob für die Ostdeutschen
Peter Hahne stellte in seiner Rede heraus, dass er als Wessi nach der Wende gelernt habe, dass die Ostdeutschen die eigentlichen Lehrmeister für Demokratie gewesen seien. „Ihr seid nicht auf die Knie gegangen und habt euch nicht das Kreuz brechen lassen von dem Regime, sondern gekämpft“, sagte er. Auch deshalb sei er gerne nach Malchow gekommen, mittlerweile zum vierten Mal. In der vorderen Reihe begrüßte er einen weit gereisten Besucher aus dem Erzgebirge – Thomas Dietz, ein Namensvetter des pensionierten Pfarrers, der für die AfD im Landtag sitzt. Hahne lobte ihn als entscheidenden Motor für die Aufarbeitung der Corona-Pandemie, die er als Verbrechen bezeichnete.
Kritik an Meinungsfreiheit und Gesellschaft
Hahne kritisierte die grassierende Armut und Inflation, aber auch die „Volksverblödung“ und die Einschränkung der Meinungsfreiheit. Er forderte die Kirchenverantwortlichen auf, die „gesegnete Reihe“ fortzuführen. „Mir geht nicht in meinen Kopf, dass dieses Positive zerstört wird – und dann noch unter dem Label Kirche“, so Hahne. Er regte an, dass andere Gemeinden sich inspirieren lassen sollten, um ähnliche Runde Tische wiederzubeleben. Die Übertragungen der Veranstaltungen auf Social Media hätten Millionenpublikum erreicht, vor allem die junge Generation.
Ausblick: Die letzten beiden Ausgaben
Die 69. Ausgabe am 4. Juni wird Maren Müller bestreiten, bekannt als die Frau, die Markus Lanz stoppen wollte. Sie gilt als Pionierin der Medienkritik. Das 70. und letzte „Malchower Format“ am 25. Juni wird Universitätsprofessor Dr. Dr. Christian Schubert aus Innsbruck gestalten, der über „Der Transhumanismus träumt von einer sinnentleerten Welt“ spricht. Die Reihe endet damit nach sechs Jahren und 70 Ausgaben – eine Erfolgsgeschichte, wie Hahne betonte, die nicht sterben sollte.



