Juli Zeh beschreibt politische Dynamik vor den Landtagswahlen im Osten
Die Schriftstellerin Juli Zeh hat angesichts des Umfrage-Hochs der AfD vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern einen „schrecklichen Teufelskreis“ befürchtet. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“ erklärte sie, dass entweder die AfD die absolute Mehrheit gewinne oder die anderen Parteien immer dysfunktionalere Koalitionen bilden müssten, was wiederum der AfD nütze.
„Die Sprengkraft wird nicht ausreichend verstanden“
„Es ist ein wirklich schrecklicher Teufelskreis, denn das Allerwichtigste wäre, dass Politik anfängt, wieder richtig zu gestalten, so dass die Leute die Ergebnisse sehen und in ihrem Leben spüren können“, sagte Zeh. Sie zeigte sich verzweifelt darüber, wie sich die aus der Not geborenen Koalitionen innerlich lahmlegten. Die Wahlen in beiden Bundesländern finden im September statt.
Die Autorin sieht eine gefährliche Entwicklung im Land: „Die Sprengkraft von auseinanderdriftenden Lebensräumen wird noch immer nicht ausreichend verstanden“, betonte sie. „Da geht es nicht nur um Stadt und Land, sondern generell um Zentrum und Peripherie. Wer in den Plattenbauten einer Vorstadt lebt, hat ein komplett anderes Leben als die Menschen in den innerstädtischen, teuren Vierteln. Das betrifft Wohnen, Schule, Sicherheit, Gesundheitsversorgung, Transport – einfach alles.“
Zeh, deren Werke wie „Unterleuten“, „Über Menschen“ und „Zwischen Welten“ millionenfach verkauft wurden, lebt in einem Dorf in Brandenburg. Sie ist seit 2017 SPD-Mitglied und arbeitet neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit als promovierte Juristin auch als ehrenamtliche Richterin am Landesverfassungsgericht in Brandenburg.



