In Mecklenburg-Vorpommern droht eine ernsthafte Krise in den Kindertagesstätten. Aufgrund eines historischen Einbruchs der Geburtenzahlen könnten tausende Erzieherinnen und Erzieher ihre Arbeitsplätze verlieren. Ein Volksbegehren, das am 21. April gestartet wurde, warnt vor bis zu 3.000 überflüssigen Fachkräften in den kommenden Jahren. Die Initiatoren fordern, das vorhandene Personal zur Verkleinerung der Kindergruppen und somit zur Steigerung der Betreuungsqualität einzusetzen. Im Landtag wurde das Thema nun innerhalb von zwei Tagen gleich zweimal ausführlich debattiert.
Regierung und Opposition reagieren
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) kündigte am Mittwoch im Parlament einen Vorschlag zur Beschäftigungssicherung der Erzieher sowie die Erarbeitung eines Plans zur Absenkung des Betreuungsschlüssels an. Einen Tag später legte die oppositionelle CDU eine konkrete Idee vor: Zum 1. September 2027 soll der Betreuungsschlüssel im Krippenbereich auf eins zu fünf und im Hort auf eins zu 20 gesenkt werden. Derzeit ist bei Kindern unter drei Jahren eine Erzieherin für sechs Kinder zuständig, bei Grundschulkindern im Hort eine Fachkraft für 22 Kinder.
Geburtenzahlen auf Rekordtief
Die Zahl der Geburten in Mecklenburg-Vorpommern fiel im Jahr 2025 auf einen historischen Tiefstand. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Amtes kamen nur 8.385 Babys im Nordosten zur Welt – der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1960. Der bisherige Negativrekord stammte aus dem Jahr 1994 mit 8.934 Geburten, was damals als Nachwende-Geburtenknick bezeichnet wurde.
Kosten der Forderungen
Redner der Regierungsfraktionen verwiesen auf hohe Kosten. Mandy Pfeifer (SPD) bezifferte die jährlichen Ausgaben bei Umsetzung der Volksbegehrensforderungen auf 500 bis 800 Millionen Euro. Der CDU-Bildungspolitiker Torsten Renz nannte für den Vorschlag seiner Partei als ersten Schritt Ausgaben von 21 Millionen Euro für das Teil-Jahr 2027. Er betonte, dies sei finanzierbar, und verwies auf entsprechende Vorschläge der CDU in den Verhandlungen zum Landeshaushalt 2026/27. Der Antrag sei jedoch an der Mehrheit von Rot-Rot gescheitert.
Renz zeigte sich dennoch optimistisch: „Das Volksbegehren wirkt offensichtlich. Noch vor wenigen Tagen wollte die Landesregierung über dieses Thema praktisch nicht sprechen, jetzt kommt plötzlich Bewegung in die Debatte.“ Allerdings reichten Ankündigungen allein nicht aus; entscheidend sei ein verbindlicher gesetzlicher Weg. Die CDU forderte die rot-rote Landesregierung auf, bereits im Juni einen Gesetzentwurf im Landtag vorzulegen.
Volksbegehren mit Erfolgsaussichten
Für ein erfolgreiches Volksbegehren sind in Mecklenburg-Vorpommern 100.000 Unterschriften nötig. Nach den ersten zwei Wochen liegen bereits mehr als 32.000 Unterschriften vor, wie eine Sprecherin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mitteilte. Sollte die Marke von 100.000 schnell erreicht werden, streben die Initiatoren einen Volksentscheid am 20. September an – dem Weltkindertag, an dem auch die Landtagswahl in MV stattfindet.



